sssmassssssss&sss archiv fur buchgewerbe mmmmmmmmum 18 gefalligen Umschlag zu K. Henricis Stadtebau, der mir leider nur im schwarzen Abzug vorliegt. Der Kunst- wart blieb bei seinem griinen Umschlag, nur etwas stumpfer wie die Jahre vorher ist die Farbe geworden. Die Zeichnung hebt sich blau vom Grunde ab. Leider ist der Inhalt der Hefte so reich, dafi die Ubersicht- lichkeit der Angaben unter zu kleinem Schriftgrade leidet. Unter den graphischen Arbeiten des Kiinstlers fielen besonders eine Anzahl von lithographischen Kreidezeichnungen auf. Einzelne Gliickwunsch- karten in Lithographie, Blau und Gold auf kraftigem Grau, gehoren zu den sympathischen Arbeiten des Kiinstlers. Das Plakat fiir die Ausstellung der Ko- lonie ist wohl bekannt genug und so mag es als ernste Arbeit nur vorbeigehend erwahnt werden. Die Hofbuchdruckerei H. Hohmann in Darmstadt hatte als einzige Druckfirma kollektiv ausgestellt, darunter die Skaladrucke des auGerordentlich charaktervollen Plakates fiir Bad Nauheim. Von Cissarz sind ja eine Anzahl Plakate schon langer bekannt, dieses zahlt unter den verschiedenen anerkannten Arbeiten wohl zu den besten. Die tech- nische Ausfiihrung wurde durch die Firma H. Hoh mann in verstandnisvoller Weise besorgt und der Auflagedruck ist ganz vortrefflich sauber und ge- diehen. Die Bestrebungen der Firma verdienen auch fiir sich allein vollste Anerkennung, denn eine An zahl vortrefflicher Buchdruckarbeiten bezeugen, dafi man nicht nur die Arbeiten der Kiinstler zu be- handeln versteht, sondern ernsthaft bestrebt ist, selbst Gutes hervorzubringen. Manche graphische Arbeit der Kolonisten ware wohl kaum vorhanden, wenn nicht technisch so Vorziigliches dort in Buch- und Steindruck geleistet wiirde. So sind das Plakat fiir Nauheim und die sechs Postkarten nach Aqua- rellen von J. M. Olbrich vorziigliche lithographische Reproduktionen und der Auflagendruck direkt muster- haft. Von sehr feiner Wirkung ist ein Wandkalender der Firma, ebenfalls durch Cissarz entworfen. Grauer Rahmen, Druck auf weifiem Karton. Die Schrift dunkelocker, das Ornament Gold. Seit Jahren ist dies der erste Wandkalender, der so ruhig vornehm ist, dafi ich ihn gern im Zimmer sehe. Die Ausstel lung von Plakaten und buchgewerblichen Arbeiten umfafite etwa 180 Nummern. Der Ausstellungskatalog im Format 15 17 ver- dankt seine Druckanordnung und fast den gesamten Schmuck ebenfalls Cissarz. So beachtenswert die verschiedenen Gruppentitel sind, so sehr verun- gliickt ist, mit Ausnahme der gezeichneten Inserate, fast der gesamte Geschaftsanzeigenteil. Schon des iiblen Beispiels und um der Nachahmung ivillen, die bei der Kritiklosigkeit gewisser Buch- druckerschichten nur zu leicht fcillt, mufi gegen den Unterdruck unter die Schrift gesprochen werden. Da man eine Verirrung um so leichter annimmt, wenn sie vom Kiinstler stammt, auf den man ja langsam achten gelernt hat, mufi mit kurzen Satzen gesagt werden, warum die Behandlung des Inseratenteils schlechthin, wenige Seiten ausgenommen, verwerf- lich ist. Schrift ist da um gelesen, nicht aber um mit Ab- sicht unleserlich gemacht zu werden. Logik und Sachlichkeit lautet die moderne Doktrin, nicht erst seit gestern. Wenn es logisch richtig ist, dafi Schrift gelesen werden mufi, folgert daraus, dafi Logik ge- bietet, diesen Vorgang nicht zu erschweren. Druckt man unter verschiedene Schriftgrade ein Hofliefe- rantenwappen und ahnliches, so ist das ein storender Fleck. Der Fleck verunziert dort die Schrift, macht sie flimmern, die Schrift indes verdirbt das unter- gedruckte Wappen und so stehen sich beide im Wege, haben also nichts miteinander zu tun. Dann hat man miihsam seit Jahren gepredigt, dafi die Einheit der Flachenwirkung im Buchdruck gewahrt werden miisse. Auch gegen diese logische Forderung ver- siindigt sich jene Neuerung, die iibrigens eine sehr alte Geschmacklosigkeit ist. Gibt es nun keinen Fall, in welchem der Unter druck berechtigt ware? Mehr als einen. Der Unter druck gehort logisch dorthin, wo er wirklich zweck- dienlich, ja unentbehrlich ist. Auf Wertpapieren, auf gewissen GeschaftspapierenQuittungsformularen, Wechseln, findet er seinen berechtigten Platz, aber man verschone uns vor „dekorativen Flecken" unter Schrift, die zum Lesen gehort, oder man schalte das Inserat aus den reformerischen Bestrebungen kurzer- hand aus. Ubrigens lafit sich einEntschuldigungsgrund finden. Hoflieferantenwappen, Schutzmarken usw. sollten angebracht werden. Zeichnerisch sind diese Erzeugnisse minderwertig, also wurden sie versteckt, das ist ein Notbehelf, keine artistische Losung und aus der Not soli man keine Tugend machen wollen. Dafi die Kolumnenziffer auf jeder Seite zweimal innen und aufien in einem Auswuchs steht, geschah wohl um die Rahmenbildung symmetrisch zu gestalten, aber auch das ist nicht vorbildlich, deshalb nicht, weil das aufgeschlagene Buch als geschlossene Einheit zu gelten hat. Fiir die technische Ausfiihrung des Katalogs gebiihrt der L. C. Wittichschen Hofbuch druckerei vollste Anerkennung. Die Arbeiten Paul Hausteins sind alle in Litho graphie ausgefiihrt. Die Wein- und Speisenkarte, das Menii sowie die Abendkarte, so sympathisch die Farbengebung und Ornamentik auch immer ist, kranken an unzulanglich dekorativer Schrift. Die ein- zelnen Buchstaben stehen alle nach dem herkomm- lichen Abstandsystem nebeneinander. Nach einer Buchdruckregel fehlt iiberall der „Durchschufi" und ware das vorziigliche Schriftchen des Herrn von Larisch iiber Schrift mit Nutzen zu studieren. t>3 463 23 65*

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 105