sssssssssssssssssss archiv fur buchgewerbe mmmmmmmmma Aus dem Deutschen Buchgewerbeverein. DAS Deutsche Buchgewerbemuseum hat im II. Halbjahr 1904, iiber das heute berichtet werden soil, wiederum eine groftere Anzahl Ausstellungen veranstaltet, von denen einige das Interesse der Fachwelt ganz besonders er- regten. Zunachst war es die bis gegen Ende Juli veranstaltete Ausstellung, die eine Darstellung der Entwicklung der Farbe in den illustrierten Zeitschriften gab, und die durch eine Sammlung von 200 Blatt vorziiglicher amerikanischer Umschlagpapiere mit farbigem Aufdruck erganzt war. Die Schaustellung zeigte den bedeutenden EinfluB, welchen die Miinchener Kunstzeitschrift Jugend auf die farbige Illu stration in alien deutschen, dann aber auch in einer Reihe auslandischer Zeitschriften ausgeiibt hat. Die Umschlag papiere aber veranschaulichten, welch feinen Geschmack die amerikanische Druckindustrie nicht nur in bezug auf Farbenwahl, sondern auch hinsichtlich der Satz- und Schmuckanordnung besitzt. Von Ende Juli bis 10. August war eine Anzahl kiinstle- rischer Bucheinbande zur Auslage gebracht, die von Herrn Emanuel Steiner in Basel gefertigt waren. Die Kunstbande bewiesen, dab Herr Steiner nicht nur auf beste kiinstle- rische Ausgestaltung Wert legt, sondern auch bestrebt ist, jeden einzelnen Band in technisch vollendeter Weise her- zustellen, so daft seine Erzeugnisse mit Recht den Namen Kunsteinbande verdienen. Daft einige Kleinigkeiten nicht ganz einwandfrei waren, soil nicht verschwiegen werden. Im Monat August gelangten ferner 185 Entwiirfe zur Ausstellung, die aus einem von der Ohlenrothschen Buch- druckerei in Erfurt erlassenen Preisausschreiben zur Er- Iangung eines Titelblattes fiir die Deutschen Buchhandels- blatter hervorgegangen waren. Ein grofter Teil der Ent wiirfe zeigte ganz gute Losungen der gestellten Aufgabe, bedauerlich war aber, daft nahezu alle Entwiirfe nur zeich- nerischer Art waren, bei der die reine Satztechnik so gut wie ausgeschaltet war. Einige Arbeiten hatten mit wenig Mitteln eine sehr gute Ausgestaltung und Wirkung erreicht, ein grofter Teil aber war in der Ausstattung entweder etwas zu reichlich mit allerhand Schmuck bedacht worden Oder zu wenig einheitlich gehalten. Im ganzen Groften aber konnte dieser Wettbewerb ausnahmsweise zu den- jenigen wenigen gerechnet werden, deren Ergebnis ein verhaltnismaftig gutes war. Vom 4. bis 11. September 1904 fand eine Ausstellung der auf den Internationalen Wettbewerb des Vereins fiir Typo- graphische Studien in Briissel eingegangenen Entwiirfe statt. Diese Schaustellung war nach zwei Richtungen sehr lehrreich. Zunachst befremdete der Umstand, daft sich an dem internationalen Wettbewerb in Wirklichkeit nurBe- rufsangehorige aus dem franzosischen Sprachgebiet be- teiligt hatten. Es ist daher sehr erfreulich, daft durch die Vermittlung der Typographischen Vereinigung in Leipzig an dem nachsten Wettbewerb sich auch die deutschen Buchdrucker beteiligen konnen. Bei Preisausschreiben pflegen die Bewerber gewohnlich das Beste ihres Konnens zu geben. Es war daher sehr interessant zu sehen, daft in dem franzosischen Sprachgebiet der Akzidenzsatz, soweit sich dies an den ausgestellten Entwiirfen beurteilen Heft, noch ein ganz tiichtiges Stuck hinter dem deutschen Akzi denzsatz steht. Einzelne Entwiirfe erinnerten unwillkiirlich an Arbeiten, die in Deutschland vor vielen Jahren als mustergiiltig galten, heute aber als langst veraltet betrach- tet werden. Die Ausfiihrung der Entwiirfe, zu deren Her- stellung bestimmtes Material vorgeschrieben war, war durchgangig eine sehr gute. Vom 7. November an waren einige Sonderausstellungen von buchgewerblichen Kiinstlern veranstaltet. Die groftere dieser Ausstellungen zeigte Arbeiten von Rudolf Koch in Leipzig, die zum Teil ganz ausgezeichnet waren. Neben hiibschenBucheinbanden fiirdasBarsortiment F.Volckmar in Leipzig waren es vor allem die buchgewerblichen Ori- ginalzeichnungen, Einladungskarten, Buchseiten, Visiten- karten usw., welche die Anerkennung der Besucher fan- den. Die Schrift, welche Herr Koch auf diesen Blattern gezeichnet hat, ist sehr gut und von aufterordentlich de- korativer Wirkung, die noch durch sorgfaltige Anordnung und gut gezeichnete Umrahmungen gehoben wird. Die zweite groftere Sonderausstellung brachte Arbeiten der Hohmannschen Hofbuchdruckerei in Darmstadt, deren tech- nische Leistungen im Buchdruck und Steindruck ganz vor- ziigliche genannt werden miissen. Die Firma zieht zur Anfertigung von Entwiirfen in erster Linie die Kiinstler der Darmstadter Kolonie heran, sie ist aber auch bestrebt aus eignem Konnen nur das Beste zu schaffen. In der Aus stellung waren neben ausgezeichneten Lithographien von J. V. Cissarz und Olbrich auch treffliche unterLeitung der vorgenannten Kiinstler hergestellte Buchdruckarbeiten vertreten. Ganz besonders fein waren die Gliickwunsch- karten, sowie der von Cissarz entworfene Wandkalender der Firma. In drei kleinen Gruppen stellten aus: Ori- ginalzeichnungen fiir Vignetten, Leisten, Vorsatzpapiere Herr Julius Nitsche in Leipzig und Fraulein Charlotte Decke in Breslau, wahrend Fraulein Anna Benkendorjf in Dresden fein und sauber gezeichnete Originale fiir Ansichtspost- karten zur Schau brachte. Am 10. Dezember wurde eine groftere Sonderausstellung erotfnet, die nurOriginalarbeiten von J. V. Cissarz, in Darm stadt erhielt und ein vollstandiges Bild von dem Gesamt- werk dieses Kiinstlers gab, der fiir das Buchgewerbe schon so Prachtiges geschaffen hat. Neben einigen bereits be- kannten Arbeiten waren es besonders die in neuerer Zeit entstandenen Sachen, die das Interesse und die unum- wundene Anerkennung aller Besucher fanden. Neben diesen Schaustellungen wurden auch aus den Sammlungen des DeutschenBuchgewerbemuseumsBlatter und Tafeln zur Auslage gebracht, so z. B. aus dem von der Reichsdruckerei herausgegebenen Werke deutsche und italienischelnkunabeln, ferner aus dem vom British Museum in London herausgegebenen prachtigen Lieferungswerk Illuminated Manuscripts of the British Museum, und andre. Der Besuch des Lese- und Zeichensaales hat auch im letzten Halbjahre eine erhebliche Steigerung zu verzeich- nen. Vom Juli bis Ende November wurden im Lesesaal 871 Werke gegen 722 des gleichen Zeitraumes im Jahre 1903 ausgegeben, aufterhalb des Museums wurden ver- Iiehen 309 Biicher gegen 198 des Vorjahres. In dem letzten Halbjahre hat der Deutsche Buchgewerbe- verein aus seinen Sammlungen wieder an verschiedene 83 466 23

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