archiv fur buchgewerbe nmmmmmmmmm Reichsdruckerei in Berlin tatige Graveur Georg Schiller berufen worden ist. Weiter wurde fiir die Abteilung der photographischen Drucktechniken der Atzer und Drucker Ernst Hamann aus Leipzig als technischer Beistand ange- nommen. Mit der Vermehrung des Lehrkorpers geht auch eine Vervollstandigung der buchgewerblichen Maschinen, die zu Unterrichts- und Arbeitszwecken dienen, Hand in Hand. Fiir die Buchdruckerei wurde eine von der Firma J. G. Schelter Giesecke in Leipzig neu erbaute Tiegel- druekpresse mit Motorbetrieb aufgestellt, wahrend der Werkstatt fur Holzstich und Bildhochdruck vom Januar 1905 ab die Leipziger Schnellpressenfabrik Akt.-Ges. vorm. Schmiers, Werner Stein eine Buchdruckschnellpresse mit einer Satzgrofie von 68x105 cm zur Verfiigung stellt. DieWerkstatt fiir Stein- undAluminiumdruck wurde durch Hinzufiigung eines besonderen Schleifraumes, sowie durch Anschaffung einer zweiten Handhebeipresse und einer Glattpresse von Karl Krause erweitert. Von letztgenannter Firma wurde auch fiir die Buchbinderwerkstatt einePapier- schneidemaschine angekauft. Die Lehrmittelsammlung wurde durch eine erhebliche Zahl hervorragender mo- derner graphischer und buchgewerblicherWerke vermehrt, unter denen sich viele japanische Holzschnitte und Ori- ginalzeichnungen deutscher Kiinstler beflnden. SchriftgieBerei. Schriftprobenschau. Die letztenWochen habenwieder eine so stattliche Zahl neuer Proben von Schriftgiefierei- erzeugnissen gebracht, daB man versucht ist, die Fragen zu stellenwohin soli es noch kommen, wenndieSchaffens- freudigkeit der SchriftgieBereien in gleicher Weise anhalt, undwas sol! derBuchdrucker mit all den vielenNeuheiten tun? Die Antworten konnen nur lauten bei den Abneh- mern, den Buchdruckern, wird und muB einmal eine Uber- sattigung eintreten, die SchriftgieBer aber werden sich bestreben, mit jeder neuen Schopfung etwas besonders Eigenartiges zu bieten, das Reiz ausiiben und Erfolg sichern soli. Die jetzt vorliegenden Probeblatter Iassen deutlich erkennen, daB die SchriftgieBereien sich bei der Heraus- gabe von Neuheiten immer mehr und mehr einer Viel- seitigkeit befleiBigen, die leider nur zu leicht geeignet ist, den kaum gefestigten strengen Stil der geschlossenen Satzanordnung zu beseitigen und wiederum die Form freierer Ausstattungsweisen zu erwecken. Besonders bezeichnend nach dieser Richtung ist die Schattenschrift, deren ersten Proben die Firma H. Ber- thold Akt.-Ges. in Berlin bringt, eine SchriftgieBerei, derwir die hiibsche Augsburger Schrift, die Mainzer Fraktur und andre gute Erzeugnisse verdanken. Beim ersten Anblick dieser Schrift, deren alten Formen Webers Katechismus der Buchdruckerkunst in die Schreckenskammer des Buch- druckers eingereiht hat, war ich im Zweifel dariiber, ob ich ein aufgefrischtes Erzeugnis aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts vor mir hatte oder nicht. Sicher und be- dauerlich ist, daB die Schattenschrift Abnehmer finden wird, bedauerlich ist aber auch, daB diese Schrift iiber- haupt in unsrer Zeit geschaffen werden konnte. Dieser plastische Schriftcharakter steht dem Wesen der reinen Flachenwirkung so schroff gegeniiber, dafi der Schrift heute jede Daseinsberechtigung abgesprochen werden muB. Die Forderungen unsrer Zeit stellen an eine brauchbare Schrift zwei Hauptbedingungen1zweckentsprechend, das heiflt auch in mehreren Zeilen hintereinander leicht lesbar; 2. kraftige dekorative Wirkung. Man setze nun einmal mehrere Zeilen aus der vorlaufig nur in Versalien ge- schnittenen Schattenschrift untereinander, sie wird sicher weder leicht lesbar noch von dekorativer Wirkung sein. Hoffentlich wird es bei dieser einen Schattenschrift blei- ben zum besten unsrer BuchdruckerfcunsL Auch die neuesten Erzeugnisse derselben Firma konnen meinen Bei- fall nicht finden, obwohl ihre technische Durchfiihrung eine sehr gute und saubere ist. Es sind dies zwei soge- nannte lichte Schriftgarniturendie Sezession Kontur und die Herold Kontur," denen ebenfalls der Charakter der Flachenwirkung, sowie Klarheit und Ieichte Lesbarkeit ab- geht. In der Tagespresse werden solche Ieichte Schriften neuerdings gern angewandt und ich bin iiberzeugt, dafi die Schriften auch reichlich Kaufer finden werden. Ob sie aber geeignet sind die Kunst im Buchdruck zu fordern, das bezweifle ich sehr stark. Wenn ich dieFehlgriffe derFirmaH.BertholdAkt.-Ges. in Berlin mifibilligen mufite, so kann ich andrerseits zu meiner grofiten Freude einige Neuschopfungen dieser Firma er- wahnen, die alle Anerkennung verdienen. In erster Linie ist es die halbfette Augsburger Schrift, eine ganz vorziig- liche Erganzung der an dieser Stelle bereits mehrfach Io- bend erwahnten Augsburger Schrift mageren Schnittes. Beide Schriften sind gelungene Erzeugnisse des neuzeit- lichen Geschmacks, sie sind klar und deutlich, leicht les bar und von guter dekorativer Wirkung, also zum Satze von Biichern und Akzidenzen aller Art vortrefflich geeignet. Besonders schon sind die grofien Grade der Halbfetten Augsburger Schrift. Als eine weitere Folge ihrer Reklameschriften ist die von der Firma H. Berthold Akt.-Ges. in Berlin geschaf- fene Schmale Herold anzusehen. Diese Schrift, wohl die schmalste aller schmalen Schriften fettenCharakters, wird vor allem im Anzeigensatz zur vorteilhaftesten Wirkung gelangen. Die vorliegenden Probeblatter beweisen dies ganz deutlich. Von derselben Firma liegt mir noch ein Probeblatt der an dieser Stelle bereits besprochenen Halb- fettenMainzer Fraktur vor, einerFrakturschrift, die bereits langst als eine ganz ausgezeichnete Schopfung bekannt ist. Die SchriftgieBerei Genzsch Heyse in Hamburg hat in einem besonderen Heftchen die verschiedenen Grade ihrer Klassischen Antiqua und Kursiv in sehr gut gewahlten Satzproben vereinigt und deren Wirkung im Werksatz ge- zeigt. Bereits in friiheren Heften des Archiv fiir Buch gewerbe wurde die Giite und Schonheit dieser Schriften gewiirdigt. Ich kann nur wiederholen, dafi die Klassische Antiqua im allgemeinen eine Ubereinstimmung mit der Romischen Antiqua derselben Firma zeigt, aber wesentlich genauer und sauberer im Schnitt durchgearbeitet ist, so wie gute Lesbarkeit aufweist, so daB die aus der Klassi schen Antiqua gesetzten Texte einen ruhigen vornehmen Eindruck machen. Die Kursiv erganzt die genannte Schrift aufs beste. Unter dem Titel Typographische Nachrichten hat dieselbe Firma Genzsch Heyse) eine Probe heraus- gegeben, die praktische Anwendungen der Reklameschrift Baltisch fiir den Satz moderner Inserate zeigt. Die Baltisch ist im Charakter der Huppschen Neudeutsch gehalten, zu der sie eine praktische und gute Erganzung bilden wird. Die Schrift ist dekorativ und gut lesbar und wird haupt- sachlich fiir Anzeigensatz sehr gute Verwendung finden. BS 469 23 66

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 115