SS8SSSSSSSSSSSSSSSS ARCHIV FUR BUCHGEWERBE Aus den graphischen Vereinigungen. Lithographie und Steindruck. Waschfeste Farbe. Bis jetzt hatte es immer noch ge- wisse SchwierigkeitenCelluloid, Wachstuch, Linoleum, Leder, Holz, Leinwand und dergleichen mit Farben so be- drucken zu konnen, dafi diese sich nicht beim Abwaschen oder bei Beriihrung mit Wasser ablosten. Herr Karl Col bert in Wien hat nun ein Praparat erfunden, das unter die gewohnlichen Buch- und Steindruckfarben gemischt wird und diesen dann eine derartige Bestandigkeit gibt, dafi die Drucke auf Leder, Celluloid, Leinwand usw. weder mit kaltem oder heifiem Wasser, noch mit Benzin wegge- waschen werden konnen. Bei derVerwendung des Colbert- schen Druckverfahrens sind keine besonderen Vorrich- tungen notwendig, sondern ein einfaches Mischen des Zusatzes zu alien gebrauchlichen Farben geniigt. Aus einigen Drucksachen, die uns zugingen, haben wir eine auf Wachstuch gedruckte Karte herausgenommen und an ihr versucht, mit Wasser und mit Benzin die Farben zu ent- fernen. Die Karte blieb aber vollstandig unbeschadigt, ein Beweis fitr die Giite des Colbertschen Druckverfahrens. Altenburg. In der am 22.September 1904 abgehaltenen Sitzung der Graphischen Vereinigung sprach Herr Professor v.Weifienbach aus Leipzig iiber die Urformen der Schrift. Das interessante Thema wurde von dem Redner in allge- mein verstandlicher Weise behandelt; seine trefflichen Ausfiihrungen wurden durch eigens hierzu angefertigte graphische Darstellungen, sowie durch Demonstrationen an der Wandtafel unterstiitzt. Ausgelegt war das monu- mentale Werk: Marksteine der Weltliteratur, das mitgrofi- tem Interesse in Augenschein genommen wurde. Am 12. Oktober wurden die diesjahrigen Johannisfest-Druck- sachen ausgestellt. Hierzu hatte Herr Benndorf einen ein- gehenden Bericht ausgearbeitet. Die Sammlung weist, wie in friiheren Jahren, auch diesmal, neben vielen minder- wertigen und mittelmafiigen, leider nur wenige einwand- freie Festdrucksachen auf. Man vermifit die edle kiinst- lerische Einfachheit der modernen Drucksache und trifft noch haufig Arbeiten an, die eine zu aufdringliche Orna- mentik, sowie einen mit zu vielen Farben hergestellten Druck aufweisen. Auch iiber die Anpassung des Satzformates zu demjenigen des Papiers liefien sich bei der Besichtigung der Festdrucksachen Betrachtungen anstellen, auf die an dieser Stelle einzugehen zu weit fiihren wiirde. Wie in friiheren Jahren, sokann man auch diesmal bei den Arbeiten so recht den Wandel des stetig wechselnden Geschmacks beobachten. Wahrend in den letzten Jahren auf den Fest drucksachen die Eckmann-Schrift und der dazu gehorige Schmuck, sowie die geschwungene Linie vorherrschten, so ist nun an ihre Stelle die Behrenstype und die einfachege- rade Linie getreten. Nach Erledigung des geschaftlichen Teils und Aufnahme einiger neuer Mitglieder gelangte in der am 2. November abgehaltenen Sitzung eine grofiere Anzahl von Neuigkeiten zur Ausstellung und Besprechung. Uber die neueste Veroffentlichung der Firma Genzsch Heyse in Hamburg, den jetzigen Stand der Einfiihrung der Universalschriftlinie betreffend, berichtete Herr Stein und bezeichnete am Schlusse seiner Ausfiihrungen die An- nahme dieses Systems seitens aller deutschen Giefiereien als eine grofie Errungenschaft und Erleichterung der Satz- technik. Am 15. November fand im Vereinslokal ein Herrenabend statt, bei welchem musikalische und humo- ristische Darbietungen die Mitglieder aufs beste unter- hielten. Am letzten Vereinsabend des November lag die Rundsendung Nr. 7 des Verbandes der Deutschen Typo- graphischen Gesellschaften aus. Sie enthalt auf 50 Tafeln Skizzen, welche aus Anlafi eines Preisausschreibens der Berliner Typographischen Gesellschaft zur Erlangung von Geschaftsdrucksachen (Mitgliedskarte, Briefbogen, Brief- umschlag und Postkarte) angefertigt wurden. Die sauber hergestellten Entwiirfe fanden ungeteilten Beifall der An- wesenden und fiihrten zu einer langeren Aussprache. Zum Schlufi berichtete der Vorsitzende iiber Neues aus der Fachpresse und brachte dabei die interessantesten Auf- satze zur Verlesung. -o-. Augsburg. Die am 15. Oktober abgehaltene Versamm- lung des Graphischen Klubs befafite sich hauptsachlich mit der Einfiihrung eines Tonplattenschneidekursus, zu dem Herr Xylograph Endres als Leiter gewonnen wurde. Herr Endres, der auch einen Zeichenkursus zu leiten gedenkt, ist ein tiichtigerFachmann, so dafi von den Kursen, die am 12. November begannen, wohl beste Erfolge erhofft werden konnen. -ss-. Berlin. In der Berliner Typographischen Gesellschaft sprach am 18. Oktober Herr Martin Hildebrandt iiber mo- derne Reklame. Der Redner, welcher seine Ausfiihrungen mit mancherlei humorvollen Einfallen zu wiirzen wufite, betonte, dafi die Reklame nur dann Erfolg verspreche, wenn sie etwas Personliches an sich habe, und dafi eigenartige Reklamearbeiten selbst mit grofierem Kostenaufwande billiger seien, als etwas schematisch Hergestelltes. Er war der Ansicht, dafi der Buchdrucker, fiir den jede gefertigte Arbeit, wenn sie seine Firma tragt, zugleich eine Reklame sei und der durch seine Arbeiten dem Publikum gegen- iiber oft als Mann der Reklame auftreten und dem Reklame- bediirftigen hilfreiche Hand leisten miisse, bei seinen eig- nen Reklamearbeiten nur selten etwas Besonderes biete. Er hob sodann aus der grofien Masse ihm bekannter der- artiger Arbeiten einige heraus, die sich durch Originalitat und Zweckdienlichkeit auszeichneten, und konnte den Ka- talog einer japanischen Blumenhandlungvorzeigen, welcher in kiinstlerischer Weise dekoriert war und als ein hervor- ragendes Reklameerzeugnis von bleibendem Werte anzu- sehen ist. Auch einige andre geschickte Reklamen wurden erwiihnt. In der folgenden Sitzung sprach Herr W. Geifiler iiber Natur und Stil und fiihrte unter anderm etwa folgen- des aus: Ein Kiinstler, der eine stilgerechte Arbeit schaffen will, kann nicht alle Motive aus sich herausnehmen, er wird vielmehr immer wieder auf schon vorhandene Formen zuriickgreifen. Der moderne Mensch kann aber die Motive kaum anders auffassen, wie es der Mensch vor 1000 Jahren schon vermochte. Damit er aber nicht wie es ja oft ge- schieht sich lediglich die Werke der alten Meister zum S3 471 2a 66*

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 117