wiSMMiSM&iMis archiv fur buchgewerbe mmmmmmummm Das Buchgewerbe auf der Weltausstellung in St. Louis. I. Die Vorarbeiten fur die Deutsche Buchgewerbliche Gruppe. Von ARTHUR WOERNLEIN, Leipzig. AM 2.Weihnachtsfeiertag 1902 traf der kurz vor- her zum Reichskommissar fur die Weltaus- k stellung in St. Louis 1904 ernannte Herr Geh. Oberregierungsrat Lewald in Leipzig ein, um mit dem ersten Vorsteher des Deutschen Buchgewerbevereins, Herrn Dr. L. Volkmann, daruber zu verhandeln, ob der Buchgewerbeverein bereit sei. auch auf der Weltaus stellung inSt. Louis 1904 die Veranstaltungund Durch- fiihrung der Buchgewerblichen Abteilung zu iiber- nehmen, mit der aber dieses Mai noch die Abteilung Photographie vereinigt werden solle. Herr Dr. Volk mann erklarte, daB der Deutsche Buchgewerbeverein die Arbeit gern zu iibernehmen bereit sein werde und machte auch bereits bestimmte Andeutungen, wie die Ausstellung durchgefiihrt werden miisse. Gleichzeitig verhehlte er aber auch die Schwierigkeiten, die gerade bei der Durchfiihrung einer Ausstellung in Amerika in Frage kamen, durchaus nicht und machte insbe- sondere darauf aufmerk- sam, daB vor allem der Verlagsbuchhandel einer Beteiligung an der Welt ausstellung in St. Louis nicht sehr sympathisch gegeniiberstehen werde, weil die deutschen Ver- lagswerke infolge der fur Deutschland ungiinstigen Urheberrechtsgesetze in Amerika wenig oder so gut wie gar keinen Schutz genieOen. Trotz alledem werde sich aber doch wohl eine gute Vertre- tung des Buchgewerbes ermoglichen lassen, wenn neben der gewerblichen auch auf die kiinstlerische Seite Gewicht gelegt und z. B. eine Gruppe Buchkunst, sowie eine weitere Gruppe Kunst imLeben desKindes veranstaltet werde. Die beiden letzten Anregungen fanden bei dem Herrn Reichskommissar lebhaften Beifall und es schien, als ob der Durchfiihrung der Buchgewerb lichen Gruppe in St. Louis 1904 durch den Buch gewerbeverein keinerlei Hindernisse mehr im Wege stiinden. Aber kurz nach der vorerwahnten Unterredung er klarte der Stuttgarter Verlag, dafi er an der Welt ausstellung in St. Louis 1904 so lange nicht teilnehmen werde, bis eine bessere Ausgestaltung der Urheber rechtsgesetze erfolgt sei. Auch von andern buch gewerblichen Geschaftszweigen wie z. B. den chromo- lithographischen Anstalten wurde die gleiche Erkla- rung abgegeben. Diese und noch andre Umstande waren die Ursache, dafl der Reichskommissar fur den 28. Februar 1903 eine Anzahl angesehene Vertreter der Kunst, des Buchgewerbes und der Photographie, sowie den ersten Vorsteher, den Vorsitzenden des Ausstellungsausschusses und den Verwaltungs- direktor des Deutschen Buchgewerbevereins zu einer Besprechung nach Berlin einlud. In langerer ein- gehender Beratung wurde festgestellt, daB neben den rein gewerblichen unbedingt auch die kiinstlerischen GesichtspunktezurGeltung gebracht werden miiBten, und der Wunsch ausgesprochen, daB der wissen- schaftliche Verlag in Verbindung mit der vom kgl. preuBischen Kultusministerium veranstalteten Un- terrichtsausstellung Auf- nahme finden moge. Mit der Durchfiihrung der buchgewerblichen Abtei lung wurde als Vertreter der gesamten Interessen des deutschen Buchge werbes wiederum der Deutsche Buchgewerbe verein betraut und ihm gleichzeitig die Vertre- tung der Photographi- schen Gruppe iibertragen. Da aber fur die Weltaus stellung in St. Louis be- sondere Verhaltnisse vor- lagen, so sollten diesmal zur Beteiligung nursolche Firmen aufgefordert wer den,bei denenbesonderes Interesse vorausgesetzt oder gute und wichtige Erzeugnisse erwartet werden konnten. Nun gait es zuniichst die Bedingungen fur die Teil- nahme an der Ausstellung, sowie die Kostenanteile festzulegen, eine Arbeit, die nicht so leicht zu er- ledigen war, als es den Anschein hatte. Es muBten fiir die Bestimmungen Riicksprache mit dem Reichs kommissar und mit Speditionsgeschaften genommen werden, bei der Aufstellung der Kostenanteile aber alle zu erwartenden Ausgaben, fiir deren Hohe auch nicht der geringste Anhalt vorlag, im Verein mit Sach- verstandigen genau erwogenwerden. Die Schatzungen mufiten dann wiederum hier und da ermafiigt werden, Vor dem Eingang zur Ausstellung fiir Buchgewerbe und Photographie am i. Mai 1904 SS 415 23 59*

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