grundsAtze FOR feststellung DER NORMALSCHRIFTLINIE J.G.SCHELTER GIESECKE IN LEIPZIG Vorbetrachtungen iiber die Entstehung der Normallinienfrage Der Gedanke, samtliche Schriften des gleichen Kegels auf eine bestimmte Linie zu gieBen, unter Beibehaltung der schon langer in Obung befindlichen Methode, Schriften verschiedener Kegel bei Ver- wendung miteinander durch Unterlegen systematischen Materials in Linie zu bringen, ging vor mehreren jahren von den Besitzern der Inland Type Foundry, den Herren Gebr. Schraubstatter in St. Louis, aus, und zwar fiel dieser Plan zusammen mit der Neugriindung dieser SchriftgieBerei, die mit den neuesten Mitteln und nach den neuesten Gesichtspunkten von genannten Herren ausgestattet werden sollte. Da es sich bei Schaffung des Schriftmaterials doch groBtenteils um Neuschnitte handelt, stellten sich dem Plane keine besonderen Schwierigkeiten entgegen. Der treffliche Gedanke, der in dem Plane der Schaffung einer Universallinie lag, wurde, nachdem wir durch einen der genannten Herren hierzu die personliche Anregung empfingen, auch von unserer Firma aufgenommen und stellten wir im Jahre 1898 eineNormallinie auf, nach der wir samtliche seit genanntem Jahre erschienenen neuen Schriften schnitten und justierten. Wie aus den nachstehenden Seiten ersichtlich wird, ist unser Liniensystem auf Grund der inzwischen gewonnenen Erfahrungen von uns allmahlich weiter entwickelt und so weit vervoll- kommnet worden, daB dasselbe als ein wirkliches Normalliniensystem bezeichnet werden darf. Auch die Firma Genzsch Heyse in Hamburg hat sich den Gedanken der Schaffung einer solchen Normallinie zu eigen gemacht und durch eine im letzten Jahre erschienene Propagandaschrift das all- gemeine Interesse fur diese Angelegenheit wachgerufen. Dieses Interesse muBte sich noch dadurch steigern, daB die Angelegenheit von seiten des Deutschen Buchdrucker-Vereins aufgegriffen wurde, der hierfiir einen besonderen AusschuB ernannte. Dieser AusschuB entschied sich fur die Empfehlung des Genzsch //^ys^'schen Universalliniensystems und empfahl dann auf der Hauptversammlung zu StraBburg den bekannten BeschluB, der auch von dieser Versammlung angenommen wurde. Wahrend wir nun von der Ansicht ausgingen, daB eine Normallinie nur auf Neuschnitte anzu- wenden sei und dadurch allmahlich sich einbiirgern sollte, empfiehlt die Resolution des Deutschen Buchdrucker-Vereins alien Buchdruckern, bei Bestellungen auf Schriften die neue Linie ohne weiteres vorzuschreiben. Der Deutsche Buchdrucker-Verein durfte mit diesem stiirmischen Vorgehen aber wohl derTragweite seines Beschlusses sich nicht voll bewuBt gewesen sein. So hoch die Herren der Kom- mission des Deutschen Buchdrucker-Vereins, welche die Frage zu losen beauftragt waren, als Buch- drucker-Sachverstandige auch wohl zu schatzen sind und ihre Tatigkeit anerkannt werden muB, so wird man uns doch gestatten miissen, dem Zweifel Raum zu geben, ob sie die Frage der Durchfuhrbarkeit des empfohlenen Systems auch in ganz hinreichendem MaBe erwogen haben. Man stelle sich nur vor, daB die meisten Buchdruckereien doch jahrelang Schriften in Gebrauch haben, die sie durch Nachgiisse fortgesetzt wieder erganzen miissen. Man bedenke ferner, daB eine Buchdruckerei oft eine Schrift- garnitur, in der sie Kursiv, halbfette, schmale halbfette und dergl. Auszeichnungsschriften besitzt, durch Nachbestellung weiterer derartiger Schriften, sagen wir z. B. einer halbfetten Kursiv, erganzen mochte 1

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 133