Betrachten wir nun an der Hand der aufgestellten Bedingungen die Buchschriften Gruppe I, die uns, wie gesagt, am meisten zu interessieren hat. Uber die Forderung, daB samtliche Schriften gleichen Kegels ohne Anwendung besonderer tech- nischer Mittel mit einander genau Linie halten sollen, sind keine Worte weiter zu verlieren, denn sie ist eine der Grundideen aller dieser Universalliniensysteme und a priori zu erfiillen. Der zweiten Forderung, daB moglichst in alien Kegeln der Abstand der unteren Kegelkante bis zur Schriftlinie ganze Punkte betragen sollte, ist in keinem der drei Systeme voll Rechnung getragen. Alle drei Systeme bemessen den Unterlangenraum fiir die Nonpareille nicht auf voile Punkte, sondern teils auf 13/s, teils auf D/2 Punkt. Schelter Giesecke wahlen fiir die Kolonel gleichfalls 11/2 Punkt und Berlin fuhrt sogar bei Bourgeois und Korpus den V2 Punkt Ausgleich ein. Wir haben auch ver- schiedene Linienschemata aus fruheren Jahren mit beigefiigt, um zu zeigen, daB wir unser System allmahlich fortentwickelt haben. Die Tabellen lassen erkennen, wie wir bis vor nicht zu langer Zeit die Linie unserer samtlichen Schriftkegel, kleine Abweichungen in Zehntelpunkten fiir zulassig erachtend, mit vollen Punkten ausglichen. Auch heute stehen wir noch auf dem Standpunkte unserer amerikanischen Kollegen, wir halten das System der Standardlinie in dieser Beziehung fiir durchaus richtig und treten auch heute noch fiir dieses System, dem eine Verkriippelung der Unterlangen formlich zum Vorwurf gemacht wird, gern ein. In dem Bestreben jedoch, die bestehenden Unterschiede der drei Systeme moglichst beseitigt zu sehen, erklarten wir uns heute mit dem 1 V2 Punkt Unterlangenraum bei der Nonpareille einverstanden, da ja im Grunde genommen der Nachteil, der dem Setzer beim Ausgleichen bei diesem kleinen Schriftgrade mit anderen Kegeln oder Messinglinien entsteht, nicht erheblich ist. Denn die Falle, in denen diese Notwendigkeit sich ergiebt, zahlen doch nur zu den seltenen. Fiir die Kolonel haben wir den Unterlangenraum wie bei der Nonpareille ebenfalls auf 1V2 Punkt bemessen. Kommen wir auf diese Weise den beiden andern Systemen um V2 bezw. Punkt naher, so bleibt immerhin diese Festsetzung als ein Differenzpunkt den iibrigen Systemen gegenuber bestehen. Vom praktischen Standpunkt aus betrachtet mag auch dieser Ausnahme von der Regel, gleichwie bei der Nonpareille, keine groBe Bedeutung beizumessen sein, denn auch dieser Kegel wird im Accidenz- satz so gut wie gar nicht verwendet. Es diirften kaum triftige Grunde vorgebracht werden konnen, unsere Wertbemessung der Unterlangen dieser beiden Kegel zu beanstanden. Warum wir uns fiir die U/2 Punkt Unterlange der Kolonel entscheiden, dariiber werden wir uns spater noch aussprechen. Mitbestimmend fiir diese Entscheidung war auch der BeschluB des Deutschen Buchdrucker-Vereins, zukiinftig die neuen Liniensysteme fiir alle Lieferungen vorzuschreiben. Infolge dessen muBten auch die alteren Schriften auf die Notwendigkeit hin, der neuen Linie angepaBt zu werden, untersucht werden und stellte es sich heraus, daB sich diese alteren Schnitte fiir eine Linien- stellung auf 1V2 Punkte vom Kegelrande besser eignen, als auf eine solche von 1 Punkt. Ganz anders hingegen liegt die Sache bei der Bourgeois und Korpus. Hier gibt der Ausgleich mit halben Punkten zu den schwersten Bedenken AnlaB. Bourgeois auf Korpus- und Korpusschriften spielen in Accidenzschriften die erste Rolle. Gerade mit diesen Schriften werden Schreiblinien vor- nehmlich in Verbindung gebracht. Einer der Hauptvorteile der Universallinie wiirde im Accidenzsatz verloren gehen, wollte man in diesen beiden Schriftgraden den V2 Punkt-Ausgleich zugestehen. Dem praktischen Bediirfnis muB hierbei unbedingt Rechnung getragen werden, und teilen wir in dieser Hin- sicht den Standpunkt des Hamburger Hauses, daB auf halbe Punkte auslaufende Unterlangen in der Bourgeois und Korpus zu verwerfen sind. Das Berliner System steht mit dieser Einteilung wohl allein da und es durfte wenig Buchdruckerfachleute finden, die ihm das Wort reden werden. Soweit diejenigen Kegel, bei denen V2 Punkt-Abstande in Frage kommen. Man sieht, die Abweichungen in den 3 Systemen sind nicht so erhebliche, als daB eine Ver- standigung ganzlich ausgeschlossen erscheinen miiBte. Es bleibt aber noch ein wesentlicher Differenz punkt. Genzsch Heyse haben in der Denkschrift iiber ihre Universallinie schon darauf hingewiesen, daB eine Schriftlinie unvollkommen sei, die nur die Entfernung des Buchstabenbildes von der Kegel- grenze systematisch, d. h. auf ganze typographische Punkte ausgehend, feststellt und keine Riicksicht auf die Bildfette (Druckstarke) der feinen Messinglinie nimmt. Es handle sich dabei doch um die 4

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 136