Seitens der Firma Oenzsch Heyse wird nun aber groBer Wert darauf gelegt, daB die Empfanger einer Schrift diese durch die feine Messinglinie am sichersten auf die Richtigkeit der Schriftlinie prufen konnen. Aber ebensowenig wie der SchriftgieBer, wenn er genau arbeiten will, sich der unzuver- lassigen Messinglinie bedienen kann, ebensowenig wird der Buchdrucker durch den Abdruck der Schrift in Verbindung mit einer feinen Messinglinie den „untrug!ichen Beweis" der richtigen Stellung der Linie fiihren konnen. Wir haben gesehen, wie verschiedenartig die Faktoren sind, die schon beim Druck allein berucksichtigt werden mussen. Fur grobere Prufung mag ja die feine 1/4 Petit-Messing- linie dem Buchdrucker wohl genugen. Fur die genaue Feststellung, ob die Schriftlinie den geforderten Bedingungen entspricht, wird wohl nur der SchriftgieBerfachmann in Betracht kommen konnen. Nur dessen aus gehartetem Stahl gefertigte MeBklotzchen gewahrleisten die richtige Einstellung der Linie beim GieBen und ilire Verwendung allein macht auch besondere Sendung von Musterbuchstaben (die sogenannte Zurichtung) bei Nachlieferungen seitens des Bestellers uberfliissig. Man mag nun iiber die Bewertung der Bildfette der feinen Messinglinie denken wie man will, auf keinen Fall darf eine verschiedene Auffassung hieriiber ein Flindernis der Verstandigung bieten. Eine gemeinsame Prufung seitens eines aus SchriftgieBern und Buchdruckern zusammengesetzten Aus- schusses mag iiber die Frage entscheiden und wir erklaren uns gern bereit, einen MehrheitsbeschluB auch fur uns gelten zu lassen. Nur wiirden wir dann fur eine groBere Bewertung als hochstens 1/5 Punkt fOr die Bildfette nicht gut eintreten konnen. Wir kommen nun zu Punkt 3, der Forderung nach einem richtigen Steigerungsverhaltnis, und zu Punkt 4, der einem guten Geschmack Rechnung tragenden Verteilung des Schriftbildes auf den Kegel. Fur den Buchdrucker sowohl wie fur den Verleger ist die erstere Forderung eine der wichtigsten, denn bei der Entstehung jedes Verlagswerkes, ob nun Zeitung, Buch oder sonstige Drucksache, ist die Wahl des Schriftbildes, ganz besonders in Bezug auf die Finanzfrage von ausschlaggebender Bedeutung. Wie oft ist der Buchdrucker oder Verleger vor die Notwendigkeit gestellt, wegen Raummangel oder wegen der Kostenfrage ein kleineres Schriftbild, also einen kleineren Schriftgrad zu wahlen, und in solchen Fallen ist die erste Bedingung, daB ihm Schriftmaterial mit gleichmaBiger Abstufung zu Ge- bote steht. Dieser Bedingung einer gleichmaBigen Bildsteigerung stellen sich nun wesentliche Schwierig- keiten nicht nur dadurch entgegen, daB man bei alien Kegeln, die um einen Punkt steigen, die Stufe von einem Kegel zum andern, d. h. den Unterschied von einem Punkt nicht zur Halfte auf die Unter- lange, zur anderen Halfte auf die Oberlange verteilen kann, da ja die Forderung der Unterlegung mit vollen Punkten bestehen bleiben soil. Auch sind die Steigerungen der einzelnen Kegel nicht durch- aus gleich und Spriinge in der Buchschriftgruppe, wie die von Korpus auf Cicero um 2 Punkte, wah- rend die vorhergehenden Kegel nur um einen Punkt steigen, sind wesentliche Schwierigkeiten, die uberwunden werden mussen. Eine theoretisch gleichmaBige Verteilung des Schriftbildes wird unter solchen Verhaltnissen zu einer besonders schwierigen Aufgabe. Asthetische und praktische Forde- rungen stehen sich hierbei oft feindlich gegeniiber, und es bedarf sehr genauer Abwagungen, um hierbei einigermaBen zum Ziele zu gelangen. Wie man aus der schematischen Darstellung der verschiedenen Systeme ersieht, stufen sich in den meisten dieser Systeme die Ober- und Unterlangen nicht proportional zu den einzelnen Kegel- groBen ab und entsprechen somit nicht den Bedingungen und dem zu erstrebenden ldeale. Das Berliner System zeigt wohl in der Buchschrift-Gruppe eine leidlich gute Abstufung, aber die Bemessung des Unterlangenraumes fur die Bourgeois und Korpus mit je 2V2 Punkten ist doch ein bedenk- licher Ausweg, um iiber die bestehenden Schwierigkeiten hinwegzukommen. Wie schon erwahnt, sind gerade diese beiden Kegel im Accidenzsatz haufig in Anwendung mit Schreiblinien zu bringen und ein hauptsachlicher Vorteil der Unterlegung mit ganzen Punkten wiirde dem Buchdrucker in diesem System verloren gehen. Auch die geringe Steigerung des Oberlangenraumes von der Petit zur Bourgeois um nur 1/2 Punkt und der groBe Sprung von der Korpus zur Cicero um 1 V2 Punkt im Oberlangen- raum dieser beiden Kegel sind Mangel, die eine gleichmaBige Bildsteigerung in diesem System nicht zulassen wiirden. Man sieht schon auf den ersten Blick (vgl. auch S. 10 u. 17), daB die Kolonel gegen die Nonpareille zu klein ist und Bourgeois und Korpus sich in der GroBe ebenfalls zu nahe stehen. 9

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 141