Aber auch die Firma Qenzsch Heyse zeigt in ihrer Schriftskala ein Verhaltnis der Gemeinen zu den Versalien, das sich ganz in der Richtung der vorstehenden Erorterungen bewegt. Die Gemeinen dieser Schrift sind zu den Versalien so auBergewohnlich groB gehalten, daB man fiir Normalschriften dieses Verhaltnis kaum noch steigern kann. Die Amerikaner, die ihren Lesern in ihren Zeitungen taglich ein auBerst umfangreiches Lesematerial bieten und deshalb auf auBerste Ausnutzung des Raumes angewiesen sind, gehen noch viel weiter in diesem Verhaltnis. Die Versalien der ameri- kanischen Zeitungsschriften unterscheiden sich nur noch wenig in der GroBe von den Gemeinen, und die Unterlangen sind bei Nonpareille und Kolonel, wie man aus der Bildsteigerungstafel der Inland Type Foundry (siehe S. 5) ersehen kann, in den kleinen Graden bis auf 1 Punkt gekurzt. Und die Ameri kaner rechnet man doch sonst nicht zu den unpraktischen Leuten. SchlieBlich mochten wir nun noch die Versalumlaute und die Versalaccente betrachten, die doch auch einer Wiirdigung unterzogen sein wolien. Wir haben oben darauf hingewiesen, wie gut man den Raum oder das Fleisch oberhalb der Versalien z. B. in der Korpus fiir diese Accente verwenden konnte, wenn man die Qenzsch Heyse'sche Korpuslinie um 1 Punkt tiefer legte. Qenzsch Heyse halten die Frage dieser Umlaute allerdings schon fiir gelost. Sie schneiden diese Umlaute um so viel niedriger, daB die Punkte noch Platz finden. Das ist die alte Methode, wie man sie schon seit langer Zeit im lexikalischen Satz immer anwandte, die aber doch keine befriedigende Losung bedeuten kann. Verkurzte Versalumlaute, wie sie Qenzsch Heyse in ihrer Propagandaschrift z. B. vorfiihren, sind dort nur mit Gemeinen zusammen angewandt und lassen insofern die Liicke dieser Methode nicht besonders hervortreten. Anders zeigt sich das Bild, wenn man z. B. das Wort MOBELOBERZOGE im Versalsatz mit diesen gedriickten, man kann wohl sagen verkruppelten Versalien setzt. Wir meinen, es wird kein Asthetiker von dem Eindruck, den er hierbei empfangt, befriedigt sein. Im Zeitungs- und Anzeigensatz mag wohl das praktische Bediirfnis liber solche Berg- und Taleindriicke hinwegsehen, im Accidenzsatz, wo die asthetische Form vielfach den praktischen Zweck iiberwiegt, kann dieser Ausweg nicht be- friedigen. Abgesehen davon, daB es schlieBlich doch auch noch andere Mittel gibt, um diese Klippe zu umschiffen, so wird doch ein iiber den normalen Versalbuchstaben iibergesetzter Doppelpunkt immer noch den Vorzug genieBen miissen. Auch wird durch die Verkiirzung der drei im Deutschen vorkommenden Versalumlaute die technische Frage der Versalaccente fiir auslandische Sprachen ebenfalls nicht gelost. Versalumlaute j AAAAAAAEEEEEEliillOOOOOOO und Versalaccente I .UUUOUUUCCDNNNRgStYZZZ Oder sollten diese in gleicher Weise verkleinert werden wie erstere? Dann wiirde sich ungefahr ein Bild zeigen, wie wenn man Versalien mit Kapitalchen zwiebelfischartig untermengt. Qenzsch Heyse mogen vielleicht auf diese fremden Sprachen weniger Riicksicht zu nehmen haben, aber die meisten andern deutschen GieBereien diirften ihren nichtdeutschen Geschaftsfreunden wohl kaum mit diesen verschieden hoch gestalteten Schriftbildern kommen. Vom fachmannischen Standpunkt aus sollte man daher nur fiir dasjenige Liniensystem eintreten, das auch die notige Riicksicht auf diese fremdlandischen Versalaccente nimmt, und wenn es auch nur soviel Raum zur Verfugung stellt, um diese Accente wenigstens noch teilweise auf den Schriftkorper stiitzen zu konnen, damit sie nicht voll iiberhangen. Kurzum, alles dies sollte Veranlassung sein, daB man in alien Fallen, wo eine Entscheidung dariiber zu treffen ist, ob die Linie einen Punkt hoher oder tiefer gestellt werden soil, ohne jeden Riick- lialt und ohne jedes Bedenken fiir die tiefere Linie eintritt. Es ist mithin ein Gebot der Notwendigkeit, die Linie einer Kolonel eher auf 1 '/2 Punkt als auf 2 Punkte vom unteren Kegelrand und die einer Korpus auf 2 Punkte anstatt auf 3 Punkte von unten zu stellen. Damit schlieBen wir die Betrachtungen iiber Verteilung und Steigerung des Schriftbildes der Buch- schriftengruppe und wenden uns derzweiten Gruppe, der Kegel von Mittel an aufwarts, zu. Wie erwahnt, spielt die Normallinie bei den groBen Graden nicht die wichtige Rolle wie bei den Schriften der ersten Gruppe, Schriften iiber Cicero hinaus werden seltener gemischt, groBe Grade so gut wie gar nicht. Es ge- niigt daher, wenn diese Schriften derart in Linie gestellt werden, daB man sie mit ganzen Punkten aus- gleichen kann, obgleich es ja auch hier wiinschenswert ware, eine Ubereinstimmung herbeizufiihren. 20

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 152