AHe drei Systeme, sowohl Berlin, Oenzsch Heyse und Schelter Giesecke erfullen die Be- dingung des Ausgleichs mit ganzen Punkten. Anders steht es bei der Bildsteigerung und Bildverteilung dieser groBen Schriften. Das Berliner System berucksichtigt die zumeist im Oebrauch befindlichen Kegel: 14,16,20,24,28,36,48,60, 72 usw., wahrend Genzsch Heyse auBer diesen Kegeln noch die Kegel: 18, 32, 40 und 54 Punkte dazwischen schieben. Unser System schaltet diese Zwischenkegel auch aus, da sie vollstandig entbehrlich sind. Diese groBen Kegel des Genzsch Heyse'schen Systems steigen sehr ungleich. Wahrend vom Kegel 12 bis zu Kegel 20 urn je 2 Punkt, von 20 bis 40 urn je 4 Punkt gesteigert wird, entsteht plotzlich eine Stufe von 8 Punkt, dann eine Stufe von nur 6 Punkt und schlieBlich Steigerungen urn 12 Punkte. Ab- gesehen von diesen Ungleichheiten, so bleibt die Frage often nach dem Zweck so vieler verschiedener Kegel. In unsrer Zeit, in der der Geschmack schnell wechselt und in der eine Neuheit schnell von der andern verdrangt wird, kann man dem Buchdrucker nicht gut zumuten, Schriftgarnituren von 22 Kegeln anzuschaffen. Eine solche Ausgabe kann sich fur den Kaufer unmoglich bezahlt machen. Schon Mittel und Doppelcicero sind Schriftkegel, die wenig angewandt und demnach auch wenig gekauft werden, gar nicht zu sprechen von einem Schriftkegel 18, der iiberhaupt bis jetzt eigentlich nicht existiert hat. In der vergleichenden Systemtabelle sind dalrer auch diese Zwischengrade herausgelassen worden, da ernstlich nicht anzunehmen ist, daB Genzsch Heyse diese Steigerung und diese groBe Zahl von Kegeln je bei einem Schriftschnitt beriicksichtigen werden. (Bei unserer schematischen Darstellung S.6 der Vollstandigkett halber mit gezeigt.) Was nun die Verteilung des Schriftbildes auf dem Kegel betrifft, so zeigt die Systemtafel, dafi sowohl Berlin (fur Normalschrift) wie Genzsch Heyse ihre groBen Schriftgrade mit auBergewohnlich langen Unterlangen ausstatten.*) Was ist nun wohl das Richtige? Hier spricht die Praxis wiederum das entscheidende Wort. Jeder Setzer von Zeitungsanzeigen, wie jeder Accidenzsetzer iiberhaupt hat das unterhalb der Linie befindliche Fleisch oft sehr storend empfunden. Wie oft hat er es muhsam weghobeln miissen, urn den Raum zu sparen und die darunter befindlichen Zeilen geniigend nahe an die Auszeichnungsschrift heranzubringen. Warum also dem Setzer seine Arbeit unnotig erschweren? Darum fort mit diesem unnotigen Material, das nur durch die Regel von Genzsch Heyse, die Unterlangen den Oberlangen gleich zu machen, wieder in die Erscheinung treten soli. Die Genzsch Heyse'sche Regel ist fur diese groBeren Grade durchaus un- angebracht, denn sie befindet sich nicht nur im Widerspruch mit dem asthetischen Empfinden, sondern auch mit den seitherigen Gepflogenheiten, ja sogar mit der von dieser Firma selbst geubten Praxis. Denn bei den meisten der Schriften groBen Kegels in ihrem Schriftprobenbuch sind die Unterlangen wesentlich kiirzer als die Oberlangen gehalten. DaB die Genzsch Heyse sche Regel aber auch nur Theorie bleibt, dafur liefern die praktischen Anwendungen von Schriften im Accidenzsatz, die auf Uni- versallinie stehen sollen (vergl. Seite 18 der Schrift _Vertreter: Karl Stein, Fahrra von Genzsch Heyse), den besten Beweis, so z. B in dem Worte Piano, das aus einer Doppelmittel Egyptienne gesetzt ist. Wir geben nebenstehend §1-1^1 Q 11 HQ ^esonailzboden eine photographische Wiedergabe dieses Wortes. S1 1A Kesonanzboaen. Diese Doppelmittel hat 7 Punkte lange Oberlangen, aiifkl^tifchen Yerhato! dahingegen unterhalb der Lime nur 5 Punkte Fleisch. Pramiiert mit ersten Preisen. Es besteht doch hier gar kein Zweifel, daB diese paul jjeubert, Pianofabrik, Berlin. Doppelmittel trotz der gegenteiligen Notiz unter halb des Saztes nicht auf Universallinie des Genzsch Photographische Wiedergabe. Doppelmittel Egyptienne von Heyse'schen Systems gegossen ist. Der Einwand, Oenzsch Heyse^e^n^taeTrSteUhabenUnkte' h°" daB es sich hier um eine anormale Schrift handele, kann auch nicht gut erhoben werden, denn eine Egyptienne findet im Accidenz- wie im Zeitungssatz gleich oft Verwendung. Die Genzsch Heyse'sche Theorie halt in der Praxis eben auch nicht Stand. Neuerdings soil indessen in Berlin der Vorschlag gemacht worden sein, fur die groBen Schriftkegel die Ve Teilung fiir den Kegel einzufiihren, so daB Hoffnung besteht, auch fur die groBen Kegel eine Einigung zu erzielen. 21

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 153