wieder stiirmisch verlangt werden kann, zur Schaffung neuer Schriften nur Kiinstler heranzuziehen, auf der andern Seite die von diesen aufgestellten Grundsatze aber wieder iiber den Haufen geworfen werden. Das vorstehend Gesagte aber noch durch Beispiele zu belegen, druckten wir, auf voriger Seite Schriften ab, die der Forderung einer gleichmaBigen Flachenfiillung und damit der Bedingung kunstle- rischer Wirkung entsprechen. Die Gegenuberstellung giebt diese Schriften nach unseren Grundsatzen und so wieder, wie sie nach System Genzsch Heyse gegossen, stehen wiirden. Man sieht, daB deren Schriften durch die Forderung gleichen Ober- und Unterlangenraumes wesentlich weiter auseinander- riicken und wie damit die Gesamtwirkung einer gleichmaBigen Flachenfiillung mehr und mehr ver- loren geht. Eine angenehme Flachenwirkung ist eben nur dadurch zu erreichen, daB die Linie bis zum hochstzulassigen MaBe nach unten verschoben wird. Schriften, bei denen die Linie unverhaltnismaBig hoch steht, wie es bei den meisten groBeren Graden von Genzsch Heyse einschlieBlich ihrer Korpus der Fall ist, werden diese Wirkung nie erreichen. Es bliebe nun noch iibrig die von Genzsch Heyse aufgestellte neue Theorie der Frakturschrift- linie zu betrachten. Unter SchriftgieBereifachleuten diirfte sich wohl kaum jemand finden, der fur diese Auffassung eintreten mochte. Man sehe sich nur einmal die beiden hier abgedruckten Grade der Eck- mann- und Behrens-Schrift an, wie sie Genzsch Heyse gestellt wissen wollen. Wir meinen, da wird wohl niemand ernstlich behaupten wollen, daB diese beiden Schriften Linie halten. Kein gewissenhafter Zurichter wird die Linie einer in der GroBe zu einer Antiqua passenden Fraktur derart in Linie stellen, daB die in der horizontalen Diagonale liegenden beiden seitlichen Spitzen des FuBes vom Fraktur m mit der Schraffierung der Antiqua m in gleicher Hohe stehen. Vielmehr wird dieser je nach dem ver- schiedenartigen Schnitt des m-FuBes der Fraktur die Antiqualinie in den Zwischenraum zwischen V2 und 2/3 der Hohe der unteren, als Dreieck erscheinenden Halfte des den FrakturfuB bildenden Wiirfels treffen lassen. Bei regularem Schnitt wird die Linie wohl meist in die Mitte der Hohe dieses unteren Wurfeldreieckes zu stellen sein. Auf Grund unserer eingehenden Betrachtungen kommen wir nun zu dem Ergebnis, daB die Genzsch Heyse'sche Universallinie, wie gesagt, weder fur den Buchdrucker, noch fur den SchriftgieBer annehmbar ist, daB sie, weil sie eben Mangel aufweist, die namentlich eine fur die Zukunft allgemein einzufiihrende und festzulegende Schriftlinie nicht haben darf, weder die einzig richtige ist, noch alle gestellten Bedingungen „restlos" erfiillt. Durch sorgfaltiges Studium der Genzsch Heyse'schen Arbeit haben wir aber auch den Eindruck gewonnen, daB es sich bei diesem System, nicht anders wie bei den Berliner Vorschlagen lediglich um eine theoretische, praktisch aber noch nicht erprobte Arbeit handelt, nur mit dem Unterschied, daB durch die bestrickende Art der Darbietung und Darstellung die Vermutung erweckt wird, als habe sich das Genzsch Heyse'sche Universalliniensystem durch die Praxis bereits bewahrt. In Wirklichkeit ist dies aber offenbar nicht der Fall, denn unseres Wissens ist bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Firma Genzsch Heyse ihre Denkschrift veroffentlichte, von dieser Firma noch keine einzige Schriftgarnitur auf die Universalschriftlinie geschnitten worden. Man wird dem entgegenhalten wollen, daB doch die in der Bildtafel der Genzsch Heyse' schen Denkschrift zur Darstellung der Universalschriftlinie abgedruckten H g O m die bekannte Romische Antiqua von Genzsch Heyse wiedergeben. Diese Vermutung wird von vielen, die nicht eingehend die Genzsch Heyse' sche Schrift durchstudiert haben, wohl auch heute noch gehegt werden. fjgm Bgm fjgm ftgm Stellung der Frakturlinie nach System Genzsch Heyse Annahernd richtige Stellung der Linie 23

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 155