NACHWORT Tatsachlich liegt die Sache aber anders, derm diese Buchstaben sind wohl im Charakter der Romisch gehalten, aber eigens fur die Propaganda geschnitten wurden, mithin existieren auch vom ganzen Alphabet dieser Normalschrift nur die vorgenannten Buchstaben. Die Miihe und Kosten des Schnittes dieser Skalenbuchstaben hatte sich die Firma Genzsch Heyse gewiB erspart, wenn sie eine auf ihre Universallinie gegossene Schriftgarnitur zur Verfiigung gehabt hatte. So stellt sich aber das ganze System, wie schon gesagt, lediglich als ein theoretischer Vorschlag dar. Und daraus ist es auch nur zu erklaren, daB sich diejenigen Fehler eingeschlichen haben, auf die wir in gegenwartiger Schrift aus- fiihrlich hinzuweisen uns verpflichtet fuhlten. Wiirde sich dieses System aus der Praxis heraus ent- wickelt haben, so hatte es zweifellos ganz anders beschaffen sein miissen und hatte die Unrichtigkeiten sicherlich vermieden, die sich auf dem rein theoretischen Wege eingeschlichen haben. Wir sind der festen Uberzeugung, daB, wenn Gelegenheit gewesen ware, alle die Abweichungen, die die einzelnen Systeme untereinander zeigen, den AusschuBmitgliedern des Deutschen Buchdrucker- Vereins darzulegen und die Abanderungsvorschlage zu begriinden, dieser AusschuB niemals zu den be- kannten Beschliissen gelangt sein wiirde. Man hatte auch dann unserm System, das sich, wie gesagt, aus der Praxis herausgebildet und verschiedene Lauterungsprozesse durchgemacht hat, sicher mehr Beachtung geschenkt, als dies bisher geschehen zu sein scheint, denn nach unserer Uberzeugung hat dieses System mehr Anwartschaft, eingefiihrt zu werden, als irgend ein anderes. Seit langer als 5 Jahren lassen wir, wie bemerkt, unsere samtlichen Neuschnitte und den GuB dieser neuen Schriften auf unsere Normallinie (nicht zu verwechseln mit systematischer Linie) herstellen und sind Empfanger der Schriften: Breite fette Grotesk No. 6460, 6461, 6745 -6754, Edelgotisch No. 6911 6919, Dante No. 6780 6790, Wittelsbach No. 6930 6940 Petrarka No. 68216829, Habsburg No. 6977 6986, Rundgotisch No. 6840—6851, Schmale halbfette Rundgotisch Halbfette Rundgotisch No. 6861—6872, No. 6987 6999, Leonardo da Vinci No. 6875 6879, Wettin No. 17300 17308, Schmale Rundgotisch No. 6880—6891, Ovid No. 17311 17318. bereits in den GenuB derjenigen Vorteile getreten, die das Normalschriftliniensystem bietet. Mit diesen Lieferungen auf Normallinie haben wir zugleich dargetan, daB das eigentliche Verdienst, die Normal- schriftlinie in die Praxis eingefiihrt zu haben, uns gebiihrt, wenn auch damit nicht das Verdienst, das sich die Firma Genzsch Heyse dadurch erworben hat, daB sie durch ihre Denkschrift die Aufmerk- samkeit der gesamten Fachwelt auf die Notwendigkeit der Einfuhrung einer allgemeinen Normal- oder Universallinie gelenkt hat, irgendwie geschmalert werden soil. SchlieBend wiederholen wir, daB wir es als die vornehmste Aufgabe samtlicher Fachgenossen nunmehr betrachten miissen, eine Verstandigung herbeizufiihren, denn nur dann kann die Gesamtheit aus der Einfiihrung einer Normalschriftlinie einen Nutzen ziehen, wenn diese Verstandigung auch tatsachlich erzielt wird. Erganzend zu diesen Betrachtungen fiigen wir noch hinzu, daB die als Wunsch ausgesprochene gemeinsame Beratung am 29. November d. J. in Leipzig stattgefunden hat und daB eine Einigung iiber die Differenzpunkte herbeigefiihrt wurde. Hoffen wir, daB damit diese Angelegenheit einen gedeihlichen AbschluB gefunden hat und daB nunmehr auch diejenigen, die mit ihren Ansichten in dem einen oder andern Punkte in der Minderheit geblieben sind, die festgelegten Beschliisse nicht etwa von neuem zu bekampfen suchen, sondern diese nunmehr auch fur sich gelten lassen. Die Normalschriftlinien- frage ware damit wohl erledigt, immerhin glauben wir aber diese Abhandlungen, die wir den Mitgliedern des gemeinsamen Ausschusses unterbreiteten, der Allgemeinheit nicht vorenthalten zu sollen, da sie gewiB einen beachtenswerten Beitrag zur Beurteilung dieser schwierigen Frage darstellen. J. G. Schelter Giesecke, Leipzig 24

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 156