ssssssssssssssssssss archiv fur buchgewerbe II. Die aufierdeutschen Lander. auf diesem Gebiete deutscherseits geleistet wor- den ist. Bei den ganz besonderen Schwierigkeiten, die der Organisation einer deutschen Buchgewerbe-Aus- stellung dieses Mai entgegengestanden haben, ist es mir ein Bediirfnis, Ihnen meine Anerkennung iiber das, was Sie trotz der kurzen Zeit der Vorberei- tung zustande gebracht haben, zum Ausdruck zu bringen und Ihnen zugleich meinen aufrichtigen und herzlichen Dank fur die treue Mitarbeit am Ge- lingen der deutschen Ausstellung in St. Louis aus- zusprechen. In vorziiglicher Hochachtung gez. Lewald. Von Dr. L.VOLKMANN, Leipzig. Wenngleich der aus Publishers Weekly" im Sep- temberheft des Archiv abgedruckte Bericht iiber die buchgewerblichen Gruppen in St. Louis schon man- ches vorweggenommen, andres in ziemlich einseitiger Beleuchtung vor Augen gefiihrt hat, so mag doch ein kurzer Niederschlag der Eindriicke auch jetzt noch hier Platz finden, die bei der sorgfaltigen und miih- samen Preisrichtertatigkeit von den mit diesem ver- antwortlichen Amte Betrauten gewonnen wurden. Und dabei wird es nicht mehr als recht und billig er- scheinen, daB von deutscher Seite nur das Ausland, mit Amerika selbst beginnend, beurteilt wird, wah- rend fur die deutsche Abteilung ein Amerikaner das Wort ergreift, Herr George French, einer der aner- kanntesten buchgewerblichen Schriftsteller in den Ver- einigten Staaten, der in aufrichtiger Wertschatzung der Tatigkeit unsres Vereins sich gern bereit erklart hat, diese Aufgabe zu iibernehmen, wie er auch frei- willig zum Amt eines Pflegers des Buchgewerbe- vereins jenseits des Ozeans sich erbot gewiB ein schones und aussichtsvolles Zeichen des freund- schaftlichen Zusammenwirkens der Volker bei der grofien Weltschau im fernen Westen. Und eben hierin mochte ich iiberhaupt die wesentliche Bedeutung der ganzen Veranstaltung erblicken, den hauptsachlichen Wert, den eine solche internationale Massendarbietung heutzutage noch besitzt, wenigstens fiir uns Ange- horige der alten Kulturvolker, die wir uns die Kennt- nis all der ausgestellten Dinge doch jederzeit weit einfacher und miiheloser zu verschaffen vermogen. Aber im Sinne einer freundschaftlichen Beriihrung und gegenseitigen Anregung der Volker diirften die groBen Weltausstellungen, gleichsam als praktische und werktatige Friedenskongresse, doch noch auf lange Zeit tiefere Bedeutung behalten, wenn sie nicht durch allzu haufige Folge verflacht und abgeschwacht werden. Man hat, nicht nur in Europa sondern auch in Amerika selbst, viel und heftig dariiber gestritten, ob ein Ort wie St. Louis iiberhaupt fur eine Weltausstellung reif und geeignet sei, und gewiB hatten diejenigen nicht ganz Unrecht, die es als eine Art Dreistigkeit bezeich- neten, die Volker der Welt zu einem Wettstreit nach einer so herzlich uninteressanten, unharmonischen und im besten Falle erst werdenden Stadt einzuladen. Aber andrerseits bedeutete eben die Wahl dieses Ortes, als Mittelpunkt eines machtigen und reichen Zukunfts- gebietes, doch auch wieder nach echt amerikanischer Art einen so starken VorstoB in relativ unerschlos- senes Feld, dafi mancher Beteiligte wohl fast groBere Hoffnung auf greifbaren Erfolg hegen durfte, als in einem alten abgeklarten Kulturzentrum wie etwa Paris, wo man die Ausstellung jedenfalls nicht notwendig zur Vermittlung der neuestenErrungenschaften brauchte. So war denn von vornherein die gesamte Grundlage eine durchaus andre als in Paris 1900: damals eine vornehme, representative Heerschau des Besten was die Welt, und namentlich Europa, auf alien Gebieten hervorgebracht hat, in fast liickenloser Folge zur Jahr- hundertwende in der alten Metropole huldigend aus- gebreitet und iiberaus instruktiv fur jeden Besucher, wes Landes er auch war, diesmal mehr eine Auswahl dessen, was fiir den praktischen Erfolg, fur den wirk- lichen Absatz aussichtsvoll erschien, sehr liickenhaft, namentlich was die alte Welt betrifft, und mit star- kerem Hervortreten neuer, jiingerer Kulturelemente, aber bedeutungsvoll in ersterLinie wohl fiir die nahere Umgebung des Ausstellungsortes und, wir wollen es hoffen, fur die Aussteller selbst. Ein Unterschied gleichsam, wie zwischen Parade und Felddienst; und wer wollte leugnen, daB die Parade gewiB schoner und einheitlicher, der Felddienst aber manchmal niitz- licher und notwendiger sein kann! Speziell im Buchgewerbe machte sich diese Erscheinung gleich- falls recht merklich geltend, und von einer liickenlosen Vertretung auch nur der wichtigsten Volker war nicht die Rede. So konnte man denn keineswegs etwa in St. Louis den gesamten Stand der heutigen buchge werblichen Produktion der Welt auch nur annahernd iiberblicken oder kennen lernen, und derEingeweihte ging von vornherein auch gar nicht mit dieser Er- wartung dorthin. - Amerika selbst, um mit diesem zu beginnen, machte dabei keine Ausnahme, was zum Teil wohl auf die Rivalitat zwischen den alteren, hochkultivierten Ost- staaten und dem aufstrebenden, aber noch vielfach ungleichen und unfertigen Westen zuruckzufiihren ist. Jedenfalls habe ich bei meinem Streifzug durch eine grofle Zahl der bedeutendsten buchgewerblichen An- stalten, iiber den ich gesondert berichte, weit mehr t3 418 23

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 18