wm archiv fur buchgewerbe mmmmmmmmm% BuchbinderarbeitenvonCecchiundGianniniinFlorenz hervor, jene bekannten Pergamentbande mit buntem Miniaturschmuck u.dgl.,diein ihrem ausgesprochenen Lokalcharakter doch immer wieder anziehend sind. Sonst war die Abteilung ziemlich wahllos und recht unbedeutend: etwas Druck, etwas Buchverlag, etwas SchriftgieBerei, etwas Musik, die auf der Mandoline gleich vorgefiihrtwurde, aberfast nichts von wirklicher Bedeutung. Portugal konnen wir ganz iibergehen, um uns nun den drei buchgewerblichen GroBmachten zuzuwenden. England, dasja im Verkehr mitAmerika den ungeheuren Vorteil der gleichen Sprache hat, war auf dem Gebiete des Buchverlages nicht so geschickt vorgefiihrt wie man es hatte erwar- ten diirfen. Zwar waren Bticher von iiber 50 Fir- men ausgestellt, aber sie lagenaufgeschlageninver- schlossenen Glaskasten und ohne jegliche be- stimmte Ordnung, nicht einmal die Werke einer Firmabeieinander, und die Vertreter wuflten selbst nicht recht Bescheid in diesem Chaos. So wurde der Beschauer nicht gut orientiert, und gar die Ar beit der Preisrichter war aufs aufierste erschwert. 1m Charakter des eng- lischen Buches hat sich seit der Pariser Ausstel- lung nichts geandert, wo- zu die Zeit ja auch viel zu kurz ware; teils herrscht die von William Morris gegebene Anregung vor, ein kraftiger, etwas alter- tiimelnder Schwarzweifi-Stil, oder die reizvolle spe- zifisch englische UmriBzeichnung von Walter Crane, Anning Bell und Genossen, oder endlich feine flotte Bleistiftskizzen sind in photomechanischer Wieder- gabe als Illustrationen eingestreut. Die Oxford Uni versity Press, George Bell Sons, J. M. Dent Co., Longmans Green Co. u. a. fuhrten in dieser Hin- sicht vieles Schone, doch nicht immer Neues, vor. Kunsteinbande bester Art zeigten Joseph Zaehnsdorf in London und C. Chivers in Bath; einige gute Ein- bande waren auch im Kunstgebaude zu sehen, und ebendort befanden sich eine Anzahl der schonsten Biicher, so die Arbeiten der Essex House Press mit dem bekannten Prayer book Eduards VII. u. a. Die Starke der Englander auf dem Gebiete der Gravure Ausstellung der Imprimerie nationale in Paris und des Farbendruckes kam an den Wanden dieser Abteilung bestens zur Geltung, namentlich seien die prachtvollen Blatter der Fine Art Society in London hervorgehoben; den Glanzpunkt aber bildete die Gruppe der wissenschaftlichen und kiinstlerischen Photographie, von denen besonders die letztere wohl zweifellos alien andern Landern an Menge und Giite des Ausgestellten iiberlegen war. Frankreich hatte, wie iiberall so auch im Buchgewerbe ganz auBer- ordentliche Anstrengungen gemacht, um als Veran- stalterin der vorigen groBen Weltausstellung nun auch hier im „Land der Zu- kunft" und besonders in seinem friiherenTochter- staateLouisiana machtvoll und wiirdig aufzutreten, und es war ihm dies in vollem Mafle gelungen. Als charakteristische ver- gleichende Ziffer sei nur etwa genannt, daB an 120 franzosische Preisrichter in St. Louis anwesend waren gegeniiber wenig iiber 60 deutschen! Dabei sei aber eins von vorn- herein scharf betont: im Buchgewerbe wie esauf andern Gebieten war ent- zieht sich meiner Kennt- nis traten die beiden benachbarten alten Kul- turlander, Frankreich und Deutschland, keineswegs etwa als feindliche Ri- valen auf, sondern viel- mehr lediglich als gleich- strebende, sich gegen- seitig erganzende Bundes- genossen, und es ist mir eine besondere Freude, dies spezlell in bezug auf unsre franzosischen Kollegen in der Gruppenjury 17, die Herren H. Le Soudier und J. F. Jones, dankbar hervorzuheben. Gerade in unsrer verschiedenen und scharf gepragten Eigenart haben wir uns ja mit den Franzosen heriiber wie hiniiber so mancherlei zu sagen und in friedlicher Anregung auszutauschen. Im franzosischen Druckgewerbe iiberwog, wohl infolge der bestehenden geschaftlichen Beziehungen, die Lithographie, besonders Reklame- und Plakat- wesen, doch hatten auch die Buchdrucker zum Teil vorziigliche Arbeiten ausgestellt, und in gewohnter Vollkommenheit prasentierte sich die Imprimerie nationale in Paris, die mehrsprachige Broschiiren iiber den Inhalt ihrer Schaukasten herausgegeben hatte. Wie schon in Paris, bildet hier naturlich IS 422 2)

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 30