®8fi88®8®8fi8S8fi8®8®® archiv fur buchgewerbe mmt&mmmmmmm als Standard work die grofie Histoire de lTmprimerie en France au XV. et au XVI. sifecle den Mittelpunkt, die jetzt ihrer Vollendung entgegengeht, daneben zahl- reiche franzosische und fremdsprachige, zum Teil orientalische Werke, die den hohen Stand der Druck- und Illustrationstechnik des beriihmten Staatsinstituts mustergiiltig vor Augen fiihren; manche neue Erschei- nungseitdem Jahre 1900 ist darunter. Von Maschinen interessierte besonders eine Vierfarbenpresse von E. Lambert Co. in Paris; die Photographiewar mehr nach der berufsmaBig-gewerblichen Seite hin vorge- fiihrt, und der franzosische Geschmack bewahrte sich auch hier. Den Kern der franzosischen Gruppe stellte aber unstreitig die vom Cercle de la librairie veran- staltete Sammelausstellung der Verleger dar. Es ware iiberfliissig, hier iiber den bekannten vornehmen, kon- servativen Typus des fran zosischen Buches neuer- lich zu sprechen, ich kann michvielmehrganz auf das beziehen, was Prof. Dr. Kautzsch im 38. Bande des Archiv anlaBlich der Pariser Ausstellung hier- iiber gesagt hat, denn es trifft auch heute noch vollinhaltlich zu. Als ent- ziickende und dabei spezi- fisch franzosische Werke mit Schmuck von echter Kiinstlerhand seien zwei neue Publikationen der „Cent Bibliophiles" er- wahnt: Merimee, Carmen mit farbigen Lithographien im Text von Lunois, und Huysmans, A rebours, mit Holzschnitten von Lepdre. Auch bei Carteret Co., Pelletan, Floury, Ferroud u. a. fand man auBerst graziose kiinstlerisch ausgestattete Biicher, und A. de Brunoff brachte seine Bibel mit den Illustrationen von J. Tissot in Dreifarbendruck, der vielen mustergiiltig hergestell- ten wissenschaftlichen Werke andrer Verleger nicht zu gedenken. Befremdlich war es vielleicht nur, daB viele Aussteller es nicht einmal fiir notig ge- halten hatten, ihre Biicher einbinden zu lassen. Der Musikverlag war durch Durand Fils, Enoch Co. undjoubert vertreten. In der Kunstbuchbinderei ragten wie immer Michel Engel, Leon Gruel, Ch. Magnier Fils und Emile Mercier hervor, auch sie mehr einem konservativenZugim AnschluBan gutealteTraditionen huldigend. Auch im iibrigen Kunstgewerbe, beson ders in der Mobelfabrikation, stand Frankreich, wie nebenbei bemerkt sei, ganz auf dem Boden seiner glanzvollen Vergangenheit und erzielte unbestrittene Erfolge damit, doch kann mit Freude festgestellt werden, daB unser deutsches Kunstgewerbe mit seiner Einband von Magnier Fils, Paris seit Paris doch zu weit groBererRuhe und Vertiefung gelangten ausgesprochen neuzeitlichen Richtung ge- rade den Amerikanern einen nachhaltigen Eindruck gemacht hat, und das gleiche gilt von unsrer Buch- ausstattung, die auch unsre franzosischen Kollegen lebhaft interessierte. Der Katalog der franzosischen Buchabteilung, vom Cercle de la Librairie herausge- geben, war ein feines, sorgfaltig hergestelltes Druck- erzeugnis, und orientierte trefflich iiber die einzelnen Aussteller, doch erstrebte er gar nicht eine einheit- liche, geschlossene Buchwirkung wie etwa derKatalog des Buchgewerbevereins oder der deutsche Reichs- katalog, sondern iiberlieB jedem Teilnehmer die Fiil- lung und Anordnung seiner Seiten nach dem eignen Geschmack und Bediirfnis. Es sind dies zwei grund- satzlich verschiedene Gesichtspunkte, deren jeder gewiB seine Berechtigung hat. Uber die deutsche Abtei- lung mochte ich, wie schon erwahnt, aus naheliegenden Griinden keinerlei Urteile aussprechen, sondern nur kurz einiges Tatsachliche anfiihren. Auch fiir die An- gehorigen des deutschen Buchgewerbes war bei derFrage derBeschickung der Ausstellung der ein- gangs erwahnte Umstand wesentlichmitmaBgebend, daB in St. Louis der rein geschaftliche Standpunkt, die Frage der Moglichkeit kiinftiger unmittelbarer Erfolge, weit starker in den Vordergrund treten muflte als seinerzeit in Paris. Es sei daran erinnert, wie stark z. B. ein grofler Teil der deutschen wissenschaftlichen Verleger sich gegen eine Beteiligung an der Ausstellung auf Grund der bestehenden unleidlichenUrheberschutzvertrage aus gesprochen hat, bis dann eine Anzahl derselben sich doch noch im Rahmen der deutschen Unterrichtsaus- stellung sehr gliicklich beteiligte und von den daselbst reichlich gepfliickten Lorbeeren ihr wohlverdientes Teil erntete. Immerhin entstanden Liicken und Un- gleichmaBigkeiten in besonders auffallendem Mafie, indem aufler der Reichsdruckerei auch einzelne groBe Interessentenwie Wasmuth in Berlin fiir seine Architekturwerke und Stalling in Oldenburg fiir seine patriotischen Bilder und Werke ganze vornehm aus gestattete Riiume belegten, der deutsche Musikverlag mit etwa 6000 Werken korporativ geschlossen auf- trat, andre wieder sich sehr bescheiden beteiligten, nur um iiberhaupt da zu sein, gar manche endlich, die ungern vermiBt wurden, aus Mangel an geschaft- lichen Ankniipfungsmoglichkeiten ganz fern blieben. tS 423 Z) 60*

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 31