ssKsssssssssKssftsss archiv fur buchgewerbe III. Deutschland. Die dadurch hervorgerufenen Liicken auszufiillen und trotz alledem eine representative Ausstellung des Ge- samtstandes im deutschen Buchgewerbe zu bieten, waren die Kollektivgruppen des Deutschen Buchge- iverbevereinsbestimmt: BuchkunstundKunstimLeben des Kindes, denn hier konnten die wichtigsten Erzeug- nisse auch solcher Firmen doch wenigstens gezeigt werden, die im ubrigen es sich versagen muGten, in umfangreicherer Weise selbst auszustellen. Und jede dieser beiden Gruppen erfiillte zugleich noch eine ganz besondere nicht unwichtige Aufgabe. Die Buch- kunst enthielt doch zugleich wenigstens einige weitere Proben der deutschen graphischen Kunst- Radierung, Farbenholzschnitt, Lithographie usw. die in der eigentlichen Kunstausstellung in Folge der bekannten ungluckseligen Vorgange nur recht unvollstandig ver- treten war, im Gegensatz zu Amerika, England, FIol- land und Frankreich. Die Gruppe „Kunst im Leben des Kindes" aberzeigte einmal die glanzende Weiter- entwicklung unsrer Kiinstlersteinzeichnung seit der Pariser Ausstellung, und streifte ferner ein Gebiet, das die Amerikaner in ganz besonderer Weise inter- essiert: das der kiinstlerischen Erziehung der Jugend. Hatten doch selbst kleine amerikanische Schulen stolz und ausfuhrlich den Gang und die Erfolge ihres An- schauungs- und Zeichenunterrichtes zur Schau ge- bracht, und damit zum Teil wirklich recht interessante Beitrage geliefert. Ein besonderes Verdienst hatte sich endlich die Firma F. Volckmar dadurch erworben, daG sie eine stattliche Bibliothek in geschmackvollen Einbanden in unserm deutschen Hause aufgestellt hatte, wo sich auch die von Kommerzienrat Biixen- stein-Berlin vermittelte und gleichfalls vom Deut schen Buchgewerbeverein durchgefiihrte schoneKol- lektivausstellung des Bundes der chemigraphischen Anstalten befand. Es war mir dadurch moglich, die Jury unsrer Gruppe zur letzten BeschluBfassung tiber die deutschen Ausstellungsgegenstande in unser stolz und ernst in seinem satten Grau von den weifien Prunkpalasten sich abhebendes Reprasentationsge- baude zu laden und dabei gleichsam auf deutschem Grund und Boden willkommen zu heiGen. Der un- mittelbare moralische Erfolg unsrer Ausstellung drlickt sich am besten in der reichen Liste der ver- liehenen Preise aus, wahrend der direkte geschaft- liche Nutzen, d. h. der sofortige Verkauf, natiir- lich nicht sehr bedeutend war, und wir vor allem auf Anknupfungen fur die Zukunft hoffen miissen. Das erfreuliche Urteil aber, das man driiben iiber unsre deutsche Abteilung im ganzen horte, findet sich niedergelegt in den nachfolgenden Zeilen eines unparteiischen amerikanischen Fachmannes. Von GEORGE FRENCH, Boston. Die deutsche buchgewerbliche Ausstellung auf der Louisiana Purchase Exposition war die bedeutendste, die Amerika jemals gesehen hat. Von zwei Gesichtspunk- ten aus war sie bedeutsam. Erstens gab sie ein vollstan- diges und hochst anschau- liches Bild von demjetzigen Stande des deutschen Buch- gewerbes und zweitens war sie als ein Markstein in der Entwicklung der gesamten Buchdruckerkunst vorbild- lich, anregend und zumNach- eifer anspornend. Des Fachmanns Aufmerk- samkeit wurde in erster Linie auf die deutschen Darbie- tungen gelenkt, da Amerika so weit in den Hintergrund trat, daG es ein tieferes In- teresse und ein Eingehen in Einzelheiten nicht rechtfer- tigen konnte und da der An- spruch auf den zweiten Platz zwischenEngland und Frank- Blick in die deutsche buchgewerbliche Abteilung reich unentschieden blieb. Die erste Note muGte man Deutschland unstreitig zuerkennen, denn die franzo- sische und die englische Ausstellung kennzeichnete nicht in geniigender Weise den tatsachlichen Stand der Buchindustrie in diesen Lan- dern. Der Beschauer muGte von seiner Kenntnis der Ver- haltnisse in den verschiede- nen Landern, dem daraus sich ergebenden Produkt und dem friiher Gesehenen aus- gehen, um sich ein Urteil bilden zu konnen. England und Frankreich boten eben kein abgeschlossenes Bild, obwohl sie viele hervor- ragende Beispiele von Buch- kunst zeigten; England die schonsten Bucheinbande und Frankreich einige kost- bare Luxusausgaben. Doch spiegelte, wie schon gesagt, keine dieser beiden Ausstel- lungen den heutigen Stand IS 424 23

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 32