ssfisasssasssssssss® archiv fur buchgewerbe mmmmmmmmmu Aus der deutschen buchgewerblichen Abteilung Verlagsbuchhandel des Buchgewerbes wieder, der Beschauer mufite seine Eindriicke unter Zuhilfenahme friiher gesammelter Erfahrungen erganzen. Genau in demselben Sinne, in dem die englischen und franzosischen Ausstellungen schwach und unvoll- standig waren, war die deutsche Ausstellung voll- kommen und wundervoll scharf charakterisierend. Sie gab dem Besucher nicht nur ein Bild von dem Stande des deutschen Buchgewerbes, sie erbrachte den Beweis. Sie zeigte Biicher aus alien Gebieten der Literatur und Musik, herausgegeben von den ver- schiedensten Verlegern, und durch alle hindurch ging derZug eines alles durchdringenden Stiles und hoher Qualitat, die ein systematisches Zusammenarbeiten und einen einheitlichen MaBstab offenbarten. Ein gutes MittelmaB hatte die Oberhand, aber es wurde gehoben durch Arbeiten von hervorragender Meister- schaft, die sich durch Giite des Materials und Verein- fachung der Arbeitsmethoden auszeichneten. Dabei zeigten sie weder Vernachlassigung feststehender Regeln oder derDurchfiihrung eines bestimmtenPrin- zipes noch irgendwelche technische Nachlassigkeiten. Das deutsche Buchgewerbe halt fest an solchen Ar beitsmethoden, die sich einmal als hinreichend gut erwiesen haben, und man ist etwas langsam, Neue- rungen einzufiihren. Doch ist man dabei fortschritt- lich im besten Sinne. Obwohl die Dreifarbenatzung in Deutschland erfunden und begrundet wurde, finden wir doch fur die besten Vielfarbenreproduktionen den Holzschnitt noch im Gebrauch und sehen, daB man die Herstellung von Landkarten hauptsachlich der Lithographie iiberlaflt. Der deutsche Buchgewerbler besitztgeniigend Vorsicht,dieihn vorVerlusten schiitzt und ihn ruhig abwarten laflt, bis eine neue Idee oder eine neue Methode sich entwickelt hat und ihre Brauch- barkeit erwiesen ist. Dies ist wohl auch der Grund, dafl die Dreifarbenillustration zwar viel angewandt wird,aber nicht dominiert. Der Deutsche gibteben eine Methode, die sich fur ihn als ausreichend erwiesen hat, nicht leicht auf, wenn er sich auch damit die Vorteile, die ihm eine neue Erfmdung bringt, nicht bei Zeiten geniigend zunutze macht. Das hervorragende Kennzeichen deutschen Buchgewerbes ist, wie wir es in St. Louis sehen konnten, das Festhalten an den Grundlehren der graphischen Kiinste. Diese Abhangigkeit gibt der deutschen Typographic eine besondere Stellung, die andre Nationen nicht beanspruchen konnen. Die grundlegenden Kunstgesetze der Kompo- sition, Abwagung, Harmonie, Symmetric und Farbe werden sorgsam beobachtet. Die Anwendung dieser Kunstgesetze auf die Buchseite hat eifrige Fiirsprecher in Amerika ge- funden, und einige Buchdrucker haben begon- nen, ihre Arbeiten danach zu gestalten, aber kein amerikanischer oder englischer Buchdrucker von Bedeutung hat sich diesen Regeln bis jetzt mit solcher Einsicht und solchem Verstandnis zugewandt, wie sie die deutschen Arbeiten zeigen. Ob die Durchf'iihrung solcher Gesetze dem amerikanischen Leser nun zu- sagen, und ob er sie iiberhaupt dulden wurde, muB dahingestellt bleiben. Eine Tatsache bleibt es immer- hin, dafl das deutsche Buch auf das kiinstlerisch ge- bildete Auge einen angenehmen und wohltuenden Eindruck macht. Ferner ist hervorzuheben, dafl das deutsche Buch gewerbe in bezug auf Schriften Amerika wertvolle An- regungen geben kann. DerUbergang von der alten deut schen Gotisch zur modernen Romanisch ist in der dem Deutschen charakteristischen Art und Weise ohne Hast und ohne nervose Qualerei durchge- fiihrt. Wir sehen da Kompromifl-Schriften und dar- unter einige so bewunderungswurdig durchgefiihrt, dafl sie imstande sein konnen, die Verallgemeinerung des iiblichen romanischen Schriftbildes aufzuhalten und sich eine dauernde Aufnahme zu sichern. Raum von G. Stalling, Oldenburg S3 425 2)

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 37