ARCHIV FUR BUCHGEWERBE Buchgewerblicher GroBbetrieb in Amerika. Man kann die deutsche Buchausstellung nicht be- trachten, ohne nach dem Grunde zu fragen, der die angefiihrten Grundsatze so weitverbreitet werden lieB und Aufklarung zu suchen, wie es kam, daB der MaB- stab ein so hoher und allgemein anerkannter wurde. Der Zusammenschlufi der Krafte gibt die Erklarung. DerZusammenschluB im besondern durch und in dem Deutschen Buchgewerbeverein, zu dem alle Buch- handler, Buchdrucker und Buchgewerbler von Bedeu- tung gehoren, iibt einen kraftvollen EinfluB auf die Buchkunst aus. Der deutsche Buchgewerbeverein geht zielbewuflt vor, arbeitet stetig in alien beteiligten Kreisen fur die Anerkennung der graphischen Kunst- gesetze und sorgt auBerdem noch fur die Fortbildung des jiingeren Nachwuchses. Deutschland erhebt den Anspruch, daB seine Buch- druckkunst hoher stande, als in einem andern Lande und dieser Anspruch mufl zugestanden werden, wenn man das InternationaleBuchgewerbe zusammennimmt und es nach der Gesamtheit seiner Leistungen ab- schatzt. Das Genie ist von Vorbedingungen nicht abhangig und wir miissen feststellen, daB, obwohl Deutschland ein Anrecht auf den hochsten Durchschnitt hat, es doch Buchkiinstler in Amerika, England und Frank- reich gibt, deren Arbeiten den besten Deutschen min- destens gleichstehen und daB es in den ebengenannten Landern mehr solcher hervorragender Kiinstler gibt, als in Deutschland. Das ruhmvolle Zugestandnis miissen wir dem deut schen Buchgewerbe aber machen, daB der hohe MaB- stab, den seine Arbeiten im allgemeinen aufweisen, weit iiber den der iibrigen Mitglieder der groBen Volkerfamilie hinausragt. Von Dr. LUDWIG VOLKMANN, Leipzig. FUR die Kenntnis amerikanischer Verhaltnisse im Buchgewerbe, soweit sich eine solche in der kurzen Zeit von wenigen Wochen iiber- haupt gewinnen laBt, mochte ich meine Reise durch verschiedene groBere Stadte und die dabei abge- statteten Besuche an den lebendigen Statten der Arbeit unbedingt fur wertvoller halten, als den Be- such der Ausstellung selbst. Denn einerseits war, wie bereits angedeutet, die Beteiligung gerade des amerikanischenBuchgewerbesin St. Louis infolge der Zuriickhaltung des Ostens nur sehr unvollstandig, andrerseits gewahrt denn doch selbst der fliichtigste Blickin die wirklichenBe- triebe iiberhaupt ein weit besseres und richtigeres Bild von der Bedeutung der einzelnen Firmen und des ganzen Gewerbes, als die sorgfaltigste aber doch immer tote Darbietung auf einer Ausstellung. So wiirde es vielleicht gar nicht unpraktisch sein, wenn wir unsre Staats- zuschiisse fiir die groBen Ausstellungen etwas ein- schrankten, und das Geld dafiir lieber zu haufigeren Studienreisen wirklicher Interessenten und intelli- genter Fachleute verwen- deten, wozu ja allerlei er- Empfangszimmer der Merrymount Press, Boston freuliche Ansatze bereits vorhanden sind. Auch unsern jungen Fachgenossen kann man nur raten, einmal einen Blick in das groBe Land jenseits des Ozeans zu werfen, um dann zuriickgekehrt neue Anregungen in die alte Heimat zu bringen, aber auch die Ordnung, Sicherheit und Stetigkeit unsrer historisch erwachse- nen und wohlbegriindeten Verhaltnisse doppelt zu schatzen. Sollten die nachfolgenden Zeilen einigen von ihnen dabei nur in etwas forderlich sein, so ware mir das eine besondere Freude und Genugtuung. Freilich war meine ganze Reise in der gesamten Anlage wie in der Aus- wahlder zu besuchenden Firmen etwas einseitig, vielleicht sogarmanchmal zufallig, denn ich muBte u. a. natiirlich zunachst die bereits bestehenden Beziehungen zum Buch gewerbeverein in denVor- dergrund stellen, und dar- aus ergab sich manches andre wieder von selbst. Auch sind es fast nur GroBbetriebe, die ich ge- sehen habe, obwohl sich im Vorbeifahren von der Hochbahn aus auch man- cher unwillkiirliche Blick in eine der zahlreichen kleinen „Quetschen" er gab, an denen es driiben nicht mangelt. Im ganzen S3 426 23

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 38