afifiSSSsasssssaaKSfi® archiv fur buchgewerbe leistet; einige junge Damen in tadellosen, weiGen Blusen, leicht im Schaukelstuhl hingegossen, boten dem europiiischen Auge sogar ein recht ungewohntes Bild. Die Zahl der Setzer betragt iiber 600, wahrend der Tagung des Kongresses kommen 350 weitere hin- zu; die Setzmaschine hat wegen der UngleichmaGig- keit der Arbeiten hier erst kiirzlich und in geringerem Umfange Eingang gefunden. Was sonst mit einer Ma- schine zu machen ist, wird nicht der Hand iiberlassen das galvanische Bad wird durch einen Stangenapparat in Zirkulation versetzt, um den ProzeG zu beschleuni- gen, und die Formen werden mit einer mechanisch getriebenen Biirste ausgewaschen. Wo Warme ge- braucht wird, erzeugt man sie in saubersterWeise elek- trisch, so auch in den Vergoldepressen und unter den LeimtiegelnderBuchbinderei. GroGartig ist die Arbeits- leistung, die hier vollbracht wird; werden doch alle offi- ziellen Drucksachen der ame- rikanischen Regierung, nicht nur Berichte, Denkschriften, Publikationen, sondern auch Brief bogen, Formulare, Um- schlage,Zirkulare,Rechnungs- bogen und aile Art Akzidenzen fur die Behorden des ganzen gewaltigen Bundesgebiets in der Anstalt hergestellt, und aileserhalteine durchaussorg- faltige, ja vornehme Ausstat- tung. Der oberste Leiter des Instituts, der „Public Printer", Herr F. W. Palmer, der mich auch sonst iiberaus freundlich aufnahm, hat mir mehrere stattliche Bande fur unser Museum iiberreicht, die als bezeichnende Beispiele fur die Arbeit der Government Printing Office gelten dtirfen. Natiirlich fehlt eine Anzahl komplizierter Rotationsmaschinen nicht, und besonders ist die kleine Harris-Presse stark in Benutzung, ein ele gantes Rotationsmaschinchen fiir Akzidenzen, das auch bei uns Eingang gefunden hat, und erstaunliche Druckziffern erzielt. Ganze Sale dienen dem Kor- rekturlesen, das wie iiberall in Amerika durch lautes Vorlesen erfolgt; eine weitverzweigte pneumatische Rohrpostanlage befordert die Korrekturen einfach und rasch nach und von den verschiedenen Stellen des Hauses. In der Buchbinderei stehen, wiederum in ganzen Reihen, die mcdernsten Maschinen zum Falzen, Heften und Liniieren, und auch hier ist eine Zusammentragemaschine im Gange, die von Juengst Sons in Crotton Falls, N. Y.erbaut wurde. Be sonders fallen auch starke und sehr praktische Pack- pressen auf, in denen die Ballen zur weiteren Be- forderung mitKetten zusammengeschlossen werden. DaG endlich die Kraftanlage dieses Riesenetablisse- ments eine Freude fiir jedes technisch blickende Auge bedeuten muG, braucht kaum hervorgehoben zu werden. Damit haben wir aber erst die eine Halfte des amerikanischen Staatsdruckereibetriebes kennen gelernt, denn eine andre, nicht weniger wichtige Abteilung desselben befindet sich weit ent- fernt in einem besonderen Gebaude, dem Bureau of Engraving and Printingwo durch weitere 3000 An- gestellte die Wertpapiere, Postwertzeichen und Stempelmarken der Vereinigten Staaten hergestellt werden. Entsprechend der auGerordentlichen Ver- antwortlichkeit seiner Stellung war der Direktor dieser dem Schatzamt direkt angegliederten Anstalt etwas zugeknopfter, doch lieG er mich immerhin betrachtlich mehr sehen, als die paar Sale, die gemeinhin dem Publikum gezeigtwerden. Uberraschend ist der Blick von erhohtem Standpunkt in den einen gro- Gen Raum, wo 700 Menschen an 350 Kupferdruckpressen damit beschaftigt sind, die Banknoten zu drucken. Auto- matische Zahlapparate mar- kieren jeden Druck und kon- trollieren genau die zu lie- fernde Anzahl, und das eigens gefertigtePapierwird sorgsam zugezahlt, so daG MiGbrauch mit Fehldrucken und der- gleichen ausgeschlossen ist; diese fallen vielmehr abso- luter Vernichtung im „Mace- rator" des Schatzamtes an- heim, wo sie, wie die auGer Kurs gesetzten Scheine, durch Messer in einem mit Wasser gefiillten Kessel zu Brei zermahlen werden. Die Graveure der sehr feinen und exakten Stahlplatten selbst bekommt man nur von fern zu sehen, jeder von ihnen liefert nur einen Teil der Arbeit, keiner erhalt das Ganze in die Hand; gedruckt wird nicht vom Original, sondern von einer Replik. Nach dem Druck erfolgt die Numerierung und sonstige Beschriftung der Bank noten auf kleinen Rotationsmaschinen, dann werden die Scheine gepriift und durchgezahlt und in Pakete gesiegelt, die in Stahlkammern mit den raffiniertesten Sicherheitsvorrichtungen aufbewahrt werden, und taglich wandert 1 Million in das Schatzamt hiniiber. Die Briefmarken werden bogenweise gedruckt, dann hydraulisch abgeprefit und in eine sinnreiche Leim- Anschmiermaschine gebracht, wo sie gummiert werden und auf endloser Kette durch Kasten mit heiGer Luft hindurchlaufen, so daG sie trocken Der Public Printer Mr. F. W. Palmer 83 433 23

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 57