sssssssssssssssssss archiv fur buchgewerbe mmmmmmammm zu stattlichem Umfang entwickelt hat. Sein neues Gebaude weit draufien in Wayne Junction ist mit vielem Geschmack in Anlehnung an den alten Kolo- nialstil erbaut, der ganzen Teilen von Philadelphia noch immer einen so anheimelnden Charakter gibt. Ich fand ihn zeichnend, da er seine Maschinen selbst entwirft und baut, und ich durfte auch, was nur wenigen gestattet wird, die Maschinen selbst im Gange bewundern, wie sie mit unendlicher Genauig- keit Linie auf Linie in die glattgeschliffenen Glas- platten zogen, wobei ein Hundertstel Millimeter schon als betrachtliche Entfernung gilt. Mit der Grofie des Rasters wachst natiirlich die Schwierigkeit; es befand sich gerade eine Maschine im Bau, die Raster von 2 Meter im Quadrat liefern wird, ein bisher ganz- lich unerreichtes Format. So hatte ich schon allerlei amerikanische Eindriicke in mich aufgenommen, als ich New York, das ich auf der Hinreise nur ganz fliichtig beriihrte, nun zum zweiten Male und auf etwas langere Zeit betrat. Natur- gemafi war der Aufenthalt in wesentlichen Stricken auch dem eignen Zweighause Breitkopf Hdrtel ge- widmet, das einen Vorposten fur deutsche Musik in der Neuen Welt bilden soli, und im Anschlufi daran wurden verschiedene Musikalienhandler besucht, be- sonders das bekannte Haus von Schirmer, das auch eine umfangreiche Notendruckanstalt besitzt. Auch zwei weitere Notenstechereien suchte ich auf, die von Heuschkel, wo fast lauter alte Leipziger sitzen, und von R. Teller Sons Dorner, deren Griinder gleichfalls in Leipzig ausgebildet ist; ich sah hier zum ersten Male Notenstecherinnen, eine Tatsache, die auch fur uns allerlei zu denken gibt. Die Massen- haftigkeit amerikanischer Produktion zeigt sich auch im Notendruck, denn wenn ein „Song" Mode wird, geht er zu Hunderttausenden ab, und mufi auf der Aluminium-Rotationspresse gedruckt werden. Auf dem Gebiet des eigentlichen Steindrucks ist die American Lithographic Co. wohl das bedeutendste Institut in New York, das in einem 14stockigen Ge baude etwa 1500 Personen beschaftigt und iiber die modernsten Maschinen verfugt. Unter den etwa 80 Schnellpressen sind besonders interessant 7 riesige lithographische Rotationsmaschinen, die nach einem sehr geschickten Uberdruckprozefi von konzentrisch angeordneten verzinkten Kupferwalzen gleichzeitig bis zu 6 Farben und dazu noch auf die Riickseite des endlosen Papiers Text in Buchdruck drucken. Namentlich Zeitungsbeilagen werden so hergestellt, aber auch Buch- und Katalogumschlage und beson ders die Art Education Books fiir die Prang Educatio nal Co., von denen schon die Rede war. Sonst macht die Firma recht gute Chromolithographien, wenn auch kaum so vollendet wie unsre heimischen Anstalten, ferner Plakate, und sehr viel Zigarrenpackungen, wo- zu vorziigliche Prage- und Stanzmaschinen vorhanden Das Perforieren der Briefmarken Bureau of Engraving and Printing sind, die in kurzer Zeit unglaubliche Quantitaten be- waltigen. Auch Buchdruck wird gepflegt, und auf dem Dache befindet sich eine wohleingerichtete photographische Abteilung. Aluminium und Zink werden stark verwendet, die Steine aber meist aus Solnhofen bezogen, so ziemlich das einzige Natur- produkt, was Amerika nicht in ausreichender Qualitat besitzt. Alles in allem ein Rieseninstitut besonders fiir Massenauflagen, bis ins einzelne mit den besten Spezialmaschinen versehen, und bestrebt, nicht nur rasch, sondern auch gut zu arbeiten. Von den Buchdruckereien darf wohl Theo L. De Vinne Co. zuerst genannt werden, ein Haus, das durch die ernste Sachkunde und den Geschmack seines Begriinders weithin bekannt geworden ist und noch heute sich riihmen darf, mit die best aus- gestatteten Biicher zu drucken. Auch die grofie Auf- lage des Century Magazine wird hier hergestellt. 46 Schnellpressen, dabeimehrere Rotationsmaschinen, sind in Tatigkeit, und die Linotype hat langst ihren Einzug gehalten, nachdem eine hochst komplizierte M. Levy, Philadelphia IS 435 23

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 59