BS88888888SRS888KK8 archiv fur buchgewerbe mmmmxmmmmm von dessen Kuppel man einen umfassenden Rund- blick genieBt. In den oberen Stockwerken be- finden sich die Redak- tions- und Zeichenraume, die Setzerei mit 64 Lino types, eine Atzerei, die Expedition u. a. m.; im Kellergeschofi dagegen stehen, in einem Raume mit der Dampfmaschine, 11 riesige Rotationspres- sen und eine Vierfarben- presse eng beieinander, und dieser gewaltige Apparat vermag, wenn er einmal im Rollen ist, in einer Stunde 500000 beiderseitig bedruckte, fertig gefalzte Zeitungen hinauszuwerfen gewiB eine Macht, die nicht zu unterschatzen ist! Freilich glaubt derEuropaer eher tief im untersten Maschinen- raum eines Schiffes zu sein, als in einer modernen Druckerei, wenn er diesen engen, heiBen, dunklen Keller sieht, wo die „hochentwickeltenamerikanischen Arbeiter" halbnackt hantieren. Ich mochte manchem Kritiker unsrer Verhaltnisse einen Blickdahin gonnen, wie uberhaupt in amerikanische Arbeitsstatten, wo oft nur das Allernotwendigste geschieht und fiir die Be- quemlichkeit, Gesundheit und Sicherheit uberhaupt nichts getan wird, geschweige denn fiir die Versorgung bei AlteroderKrankheit. „Mensch hilfdir selbst"heiBt es da wie iiberall, oder „nimm den Kopf weg wenn du nicht verunglucken willst". Besonders Fahrstuhl- anlagen habe ich gesehen, die jeder Beschreibung spotteten; eine Auf- sicht dariiber scheint es nicht zu geben. Dicht bei der World, dieiibrigenseinenNeu- bau plant, ist das Haus dergroBten deutschen Zeitung Amerikas, der New Yorker Staats- zeitung. Das Gebaude des New York Herald dagegen liegt weiter hinaus nach der oberen Stadt zu und ist in der Zeit errichtet, als die Amerikaner, dem eig- nen Geschmack nicht recht trauend, allerlei historische Stile des Das Gebaude des Grolier- Club, New York alten Europa nachzu- ahmen versuchten. So bietet es ganz die Merk- male reicher oberitalieni- scher Fruhrenaissance, sogar ein venezianischer Uhrturm mit hammer- schlagenden Figuren fehlt nicht, das Ganze sehr htibsch, aber gerade fiir ein modernes NewYorker Blatt nicht eben charak- teristisch! Die technische Einrichtung ist auch hier vorziiglich und ungemein leistungsfahig. In einem einzigen Raum stehen allein 56 Linotypes, wie- derum im Souterrain 8 Rotationspressen, die zugleich falzen, sowie eine Mehrfarbendruck- presse, sowie einfache Pressen, die bei meinem Besuch Ende September bereits die bunten Beilagen fiir die Weihnachtsnummern druckten. Die Rund- stereotypie geschieht hier wie bei der World in der sehr praktischen Stereotypiemaschine „Autoplate", die die Halbzylinder zugleich gieflt, hobelt und be- stoBt*).KeinWunder,dafi indieserStadt derkompli- ziertesten modernenbuchgewerblichen Maschinen der Wunsch auftaucht, auch die Statten der Herstellung solcher Maschinen kennen zu lernen, und eine Reihe derselben befindet sich auch in New York selbst bzw. im benachbarten Brooklyn, wahrend andre (wie z. B. Cottrell) ihre Fabriken weit auswarts haben. Ein wirklich imposantes Etablissement ist das von R. Hoe Co., das mehrere groBe Hauserblocks ein- nimmt und 1800Leute, darunter viele Deut sche, beschaftigt. Den Ursprung der schon seit mehreren Gene- rationen in der Familie befindlichenFabrikbil- dete die Herstellung von Patentsagen, die nebenher noch jetzt betrieben wird, doch gegen die spater aufge- nommene Fabrikation Das Gebaude des New York Herald Wahrend der Korrek- tur lerne ich den im nach- sten Heft erscheinenden Artikel von G. Fritz iiber diese Maschine kennen, auf den verwiesen sei. 13 437 23 62

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 61