archiv fur buchgewerbe I 1 ja a8 u 111:::: von Schnellpressen bald in den Hintergrund trat. Zahlreiche patentierte Verbesserungen zeichnen die hier gebauten Maschinen aus, die in Amerika auCer- ordentlich verbreitet sind, und viele der besonders interessanten Spezialmaschinen stammen von hier: neben den Zweitouren- und Stopzylinderpressen, die Maschinen fur den Druck von Briefmarken und Banknoten, die iiber die ganze Welt gehen, die Billettpressen, von denen in diesem Bericht mehr- fach die Rede war, und namentlich die Rotations- maschinen bis zu dem grofiten 8fachen Kaliber, das hier abgebildet ist. Zur Zeit meines Besuches waren allein 20 groBe Zeitungsrotations- maschinen fiir das In- und Ausland im Bau bzw. in der Montage be- griffen; Riesen- raume sind allein dazu notig. Der Bau vonStein- druck- und Blech- druck- pressen bildet eine be- sondere Abteilung. Nicht verges- sen sei der Stolz des Hauses, eine im Vestibiil des Hauptge- baudes aufgestellte Guten- bergstatue die erste in Amerika nach welcher auch eine schone Bronzemedaille gefertigt wurde, die mir Herr Hoe zum Andenken freundlich iiberreichte. Sehr interessant ist auch der Besuch der F. Wesel Manufacturing Co. in Brooklyn, deren Inhaber, Herr F. Wesel, den Zusammenhang mit der deutschen Heimat so treu wahrt. Seine Fabrikation der ver- schiedensten Maschinen und Utensilien fiir den Druckereibedarf, die soeben durch einen groBen Neu- bau erweitert wird, zeichnet sich durch absolute Exaktheit und auBerst praktische Einrichtungen aus. Herr Wesel hat sich darin im besten Sinne den Amerikanern anzupassen verstanden, und ich hoffe, daB er uns bald den mir zugesagten Artikel fiir das Archiv dariiber schreiben wird, was wir in maschineller Hinsicht von dort lernen konnten. Be sonders frappant ist die Genauigkeit seines Messing- linien-Materials, welches, obgleich nur einfach durch- gesagt und gar nicht weiter abgehobelt, doch mit voller Sicherheit in beliebiger Zusammensetzung in die i a jfSl I U ii iu* D R. Hoe Co., NewYork stahlernen Probestiicke hineinpaBt. Auch die Schliefl- rahmen werden besonders genau und haltbar her- gestellt, wozu eine eigens konstruierte, sehr rasch arbeitende elektrische Schmiede dient. Fiir Holz- utensilien ist eine Tischlerei im Nebengebaude ein- gerichtet. Ebenfalls in Brooklyn liegt sodann die bekannte groBartige Setzmaschinenfabrik der Mergen- thaler Linotype Co., die mit 1200 Angestellten iiber 1000 Maschinen im Jahre fertigt. Wenn man diese Maschinen in solchen Mengen namentlich in den Zeitungsdruckereien driiben wie auch bei uns im Betrieb gesehen hat, ist es doppelt interessant, die Entstehung aller der unzahligen ein- zelnen Teile derselben zu verfolgen, bis dann die Zusammensetzung er- folgt. Besonders reizvoll ist auch die Herstel- lung der Matern; dieBuch- staben werden in gro- Vi BemMaB- stab ge- |P zeichnet, in P Zinkgeatzt, mit hochst komplizierten Maschinen hier- von verkleinert auf Stahlstempel ubertragen, und dann in die vorher beson ders fertiggestellten Messingmatern eingestanzt. Das Gegenbild der Lino type, die Lanston-Monotype, habe ich leider nicht im Bau gesehen, da ich die Fabrik in Philadelphia verfehlte, doch sah ich in NewYork wenigstens die Setzerschule der Monotype Co., die von der dortigen Firma Wood Nathan eingerichtet ist, und wo sich 12 „Taster" und 2 GieBapparate im flotten Betriebe befanden. Mit diesem neuesten Hilfsmittel rascher Produktion im Druckgewerbe sei mein Bericht be- endet, und es mogen nur noch einige allgemeine Bemerkungen gestattet sein, wie sie sich mir nach alledem aufdrangten, die aber naturlich bei der Kiirze des Besuches keinen Anspruch auf all gemeine Giiltigkeit erheben konnen. MuB man sich doch nur zu sehr vor ungerechter Verallgemeinerung hiiten, denn auch driiben ist schlieBlich das aus- schlaggebende Element stets die Persdnlichkeit, die hinter einer Sache steht. Durch das amerikanische Buchgewerbe geht, wie durch das ganze Land, zweifellos ein groBer und v- 438 Zi

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 62