sssssssssssssssssss archiv fur buchgewerbe mmmmmmzsmmm Der Buchdruck im Jahre 1904. Landes an alien materielien Hilfsmitteln, Naturpro- dukten usw. begriindet, wobei auch die noch ver- haltnismaGig geringe Dichtigkeit der Bevolkerung von wesentlicher Bedeutung ist. Naturlich macht sich der allgemeine Wohlstand auch fur das Buchgewerbe geltend. Die Besteller und Kaufer wenden tat- sachlich mehr auf, als bei uns, namentlich fur Kataloge und andre Reklamedrucksachen. So spielt der in Deutschland erfundene Dreifarbendruck eine bei uns ungeahnte Rolle in den Katalogen der Warenhauser, und ein ganzes Gebiet, das bei uns vollig wegfallt, sind die zum Teil sehr reich aus- gestatteten, zu Hunderttausenden gedruckten Pro- spekte, Fahrplane und Broschiiren der Eisenbahnen, die als Privatgesellschaften mit scharfster Konkurrenz solche Reklame notig haben. Auch das fabelhaft ent- wickelte Zeitungswesen und die billigen Magazine haben bei uns nicht ihresgleichen. Und endlich ist das Fehlen von alter Traditiondas wir in mancher Weisemit Recht als einen Mangel bezeichnenkonnen, in andrer Hinsicht auch wieder von Vorteil; es wird mit Mut und Energie ganz aus dem Frischen und auf jungfraulichem Gebiet gegriindet, naturlich stets mit den modernsten Einrichtungen und Maschinen, wo wir uns oft genug mit Urvater Hausrat von jeher herumschleppen miissen und uns haufig nicht leicht davon losmachen konnen. Die Ausstellung in St. Louis und meine an- schlieGende Reise hat manche gute neue Beziehung gekniipft und dem Buchgewerbeverein eine ganze Reihe von Freunden und Mitgliedern in Amerika, dem Buchgewerbemuseum aber zahlreiche hochwill- kommene Geschenke gebracht. Mochte damit nur ein verheiGungsvoller Anfang gemacht sein fur dauernde und immer engere freundschaftliche Be- ziehungen bis in eine ferne gedeihliche Zukunft. Von Regierungsrat GEORG FRITZ, Wien. NICHT von groGen und grundlegenden Errungen- schaften fur die Zukunft des Buchgewerbes kann bei dem Riickblicke auf das abgelaufene Jahr gesprochen werden, wohl aber von bedeutender Ausgestaltung auf den vielseitigen Gebieten des Be- stehenden, von rastloser erfolgreicher Arbeit all- seits, von beachtenswerten Fortschritten, die nur das Ergebnis intensiverTatigkeit sein konnen. Die etwas gebesserte wirtschaftliche Lage des Buch gewerbes konnte gewiG nur einen geringen Teil be- rechtigterWiinsche erfullen, aber sie hat wieder neuen Mut entfachtund dieHoffnungaufbessere Verhaltnisse gefestigt. Freilich bleibt zu einer ausgiebigen wirt- schaftlichen Hebung des Buchgewerbes noch manches zu tun iibrig, vor allem eine richtige und bindende Regelung der traurigen Wettbewerbsverhaltnisse, so- wie bei einem groGeren Teil der Berufsangehorigen ganz besonders das Durchringen zur Erkenntnis, daG ein ungeniigender Preis fiir die geleistete Arbeit, das verfehlteste Mittel ist die materielle Lage zu bessern oder das Geschaft zu Ansehen zu bringen. Die im allgemeinen bereits angebahnte und ge- pflegte Verbindung des Buchgewerbes mit der bilden- den Kunst hat bereits auf vielen Gebieten fiir beide Teile gute Friichte zeitigen lassen, eine erhohte In- anspruchnahme und eine festere Verbindung mit der- selben kann den Erfolg nur steigern, und nebst einer materielien Besserung auch die Befriedigung idealer Bediirfnisse die zweifellos auch in den Kreisen der Buchdrucker trotz der MiGgunst der Verhaltnisse vielseits bestehen herbeifiihren. Auf technischem Gebiete setzt sich die begonnene Klarung fort, in Abscheidung des Unvorteilhaften und in Nutzbarmachung des Praktischen. Zunachst wer den davon die Druckmaschinen betroffen. Immer mehr bricht sich die Erkenntnis Bahn, daG die Tiegeldruckpresse in ihren verschiedenen Kon- struktionen ein ebenso niitzliches wie wertvolles In strument, sowohl fur den GroG- wie Kleinbetrieb geworden ist und bei jedem Riickblick werden wir gewahr, daG die Maschinenfabriken dem Bau dieser nunmehr schon unentbehrlich gewordenen Druck- apparate immer mehr und groGere Sorgfalt zuwenden. Bewahrte Konstruktionsprinzipien wie: parallele und starke Druckwirkung bei feststehendem Fundament, zentrale Druckstellung, Druckabstellung wahrend des Ganges, automatischer Bogenschieber, vollkommenes Farbe- und Auftragewerk, finden mit Riicksicht auf die verschiedenen Aufgaben, denen die Tiegeldruck presse in der Gegenwartgerecht werden soil, mehr und mehrVerbreitung und erheben die Tiegeldruckpresse zum Range eines Druckapparates, geeignet fiirallevor- kommenden Arbeiten, dessen einzige Beschrankung gegeniiber der gut gebauten Schnellpresse lediglich in dem kleineren Druckformate besteht, welcher Be schrankung jedoch okonomische Vorteile andrer Art von nicht unbedeutendem Werte gegeniiberstehen. Dieser leicht zu beherrschende und relativ sehr leistungsfahige Druckapparat findet daher auch stets groGere Verbreitung, wenn auch am europaischen Kontinente noch nicht in jenem MaGe, als vielleicht in England und Amerika, dem Mutterlande dieser Druck maschinen. Neuestens erscheinen wieder zwei Typen von Tiegeldruckpressen englischen Ursprungs auf 83 440 S3

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