archiv fur buchgewerbe jeder Letternsetzmaschine sehr beachtenswerte Vor- teile bietet, ja in vielen Fallen auch gegeniiber den Zeilengiefimaschinen, ganz insbesondere wegen der Moglichkeit der leicht vorzunehmenden Korrek- tur und des Umbrechens, wie nicht minder wegen des Entfalls der Aufbewahrung von Stereotyp- oder galvanischen Platten fur Nachdruckauflagen. Einen ganz entschiedenen Vorteil, sowohl fur Zei- tungs- als Werkdruck, bietet auch die Moglichkeit, drei verschiedene Schriftcharaktere gleicher Grofie gleichzeitig anwenden zu konnen. Die Hohe der Leistung des Arbeiters an der Tastmaschine und die- jenige des Arbeiters an der Giefimaschine zusammen diirfte allerdings kaum viel hoher angenommen wer- den konnen, als diejenige eines sehr guten Linotype- setzers. Diese Maschine wird daher zunachst dem grofien Buchdruckereibetrieb bei Verwendung einer passenden Serie von Tast- und GieBapparaten nicht unwesentliche Vorteile gewahren konnen, es wird sich nur noch darum handeln, mit welchen Her- stellungs- und Amortisationskosten im praktischen Betriebe bei voller Ausnutzung der Maschinen fur die deutschen Verhaltnisse wird gerechnet werden miissen, iiber welchen Punkt bald voile Aufklarung erfolgen diirfte. Eine originelle SchriftgieDmaschine von grofier Einfachheit, eingerichtet zum Gufi von Typen von 6 -36 Punkten kam vor einigen Monaten in London zum Vorschein und ist ihrem Wesen nach am Konti- nent bereits bekannt. Diese Maschine benannt „Compositype" ist eine amerikanische Erfindung und vornehmlich dazu bestimmt, es den Buch- druckereibesitzern zu ermoglichen, die notwendigen Brot- und Zierschriften sowie zum Teil auch Ein- fassungen in eigner Erzeugung herzustellen. Dieser Giefiapparat ist vornehmlich fur die Herstellung von kleinen Quantitaten Typen berechnet, ist einfach konstruiert und ermoglicht ein schnelles Arbeiten. Die Matrizen, mittels Prazisionsmaschinen auf das genaueste hergestellt, bestehen aus einem flachen, etwa 4 cm langen, 3 cm breiten und 5 mm starken Stahl- stiick, in welches die Punze der Type eingelassen ist. Dieselben sind fur alle Schriftgrade von gleicher Grofie und Starke, werden durch Einklemmung im GuBstiicke festgehalten, sind daher leicht und schnell umzuwechseln. Die Differenz der Typenbreite wird durch Beilegen von Stahleinlagen in das Instrument ausgeglichen und ist dieStarke dernotwendigenStahl- einlagen, um jeden Aufenthalt zu vermeiden, in Ein- heiten auf der Matrize angegeben. Bei dem Uber- gange von einem zu einem andern Schriftgrade wird auch das Instrument gewechselt, was sich einschl.des Matrizenwechsels in etwa 5 Minuten bewerkstelligen lafit. Die Compositype ist eine sogenannte Komplett- maschine; die Typen kommen gebrauchsfertig aus derselben. Der praktischen Erfahrungen iiber diesen Apparat gibt es allerdings noch nicht so viele, um ein abschlieBendes Urteil iiber denselben abgeben zu konnen, jedenfalls hat man es mit einem Hilfs- apparat zu tun, welcher die Beachtung sowohl der Buchdrucker wie der SchriftgieBer verdient. Die Rundstereotypie-Maschine „Autoplate" ver- schafft sich trotz ihres hohen Preises nach und nach Eingang in den grofieren Zeitungsdruckereien. Die Leser werden in dem nachsten Hefte eine Beschrei- bung dieses Apparates finden. Die Reproduktionstechnik, gegenwartig mit dem groBten Teile ihres Konnens im Buchdruck fuflend, vertieft sich mehr und mehr zu kiinstlerischer Tatig- keit. Die Herstellung der Schwarzillustration ist auf einem hohen Standpunkt der Vollkommenheit an- gelangt, und der billigere Preis ermoglicht selbst einfache Werke mit Abbildungen, kiinstlerischen Reiz ausstrahlend, oder wo es der Gegenstand er- fordert, mit solchen von grofier Naturwahrheit zu versehen, Der Dreifarbendruck gewinnt mehr und mehr an Boden und strebt in feinen, besseren Erzeug- nissen ausnahmslos der malerischen Richtung zu, dieselbe manchmal biszu einem verbltiffenden Grade von Originaltreue erreichend. Der Illustrations- und Farbendruck breitet sich daher noch stetig aus, riickwirkend auf die Papier- und Farbenfabrikation, die ihr bestes tun, die Bestrebungen des Buch- gewerbes zu unterstiitzen. Einen bedeutenden Schritt nach vorwarts hat Prof. Dr. A. Miethe mit seinem direkten photographischen Aufnahmeverfahren von lebenden Objekten fur Drei farbendruck gemacht. Prof. A. Miethe hat im Verein mit seinem Assistenten Dr. Traube eine hochempfind- liche Aufnahmeplatte unstreitig der wichtigste Teil des Verfahrens erfunden, welche gleich emp- findlich fur Rot und Griin ist, und bei kiirzester Ex- positionszeit - einige Sekunden es ermoglicht, die Aufnahmen fur die Rot-, Gelb- und Blauplatte hintereinander zu machen. Der farbigen Original- portrat-Aufnahme steht daher kaum mehr viel im Wege. Einen beachtenswerten Fortschritt fur die Druck- technik bedeutet auch die Erfindung Dr. E. Alberts in Munchen, welche in der Verwendung von Blei- matrizen zur galvanoplastischen Vervielfaltigung von Atzungen in Kupfer, Messing und Zink besteht. Mit dieser Arbeitsmethode ist nicht nur eine bedeutende Vereinfachung und weit schnellere Abwicklung des galvanischen Prozesses erreicht, sondern auch eine absoluteGleichheit mit demOriginale, was malerische Wirkung und GroBe betrifft, garantiert. Sowohl der Schwarz- wie Farbendrucktechnik werden mit diesem neuen Verfahren ganz bedeutende Dienste erwiesen, gegeniiber dem friiheren Wachs- oder Guttapercha- Verfahren. Die Autotypie auf ihrer gegenwartigen Stufe der Entwicklung und Vervollkommnung bedarf S3 442 a

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 66