sssssssssssssssssss archiv fur buchgewerbe mmmmm^mmmm Neue kiinstlerische Bilderbticher, Jugendschriften und Wandbilder. Errungenschaft zu verzeichnen. Bromsilberbilder in grofier Auflage in schonem Sepiaton herzustellen, ist der Aristophot A.-G. in Taucha bei Leipzig nach groOen Opfern an Zeit und Geld endlich gelungen. Die Aufgabe ist durchaus nicht leicht gewesen und lange ist von andrer Seite vergeblich an diesem Pro blem gearbeitet worden. Endlich sei noch des Zinkflachdruckes Erwahnung getan. Dr. Strecker hat Patente genommen auf ein Verfahren, das alle bisher dem Zink anhaftenden Ubelstande beseitigen soil. Es soli damit dem Alu minium, das sich so vorziiglich in der Praxis bewahrt hat, Wettbewerb gemacht werden. Mit diesen Betrachtungen wollen wir schlieCen. Recht wiinschenswert ware es, wenn graphische Techniker, Papierfabrikanten, Farbenfabrikanten, so- wie alle zugehorigen Nebentechniken sich zu gemein- samen Arbeiten einigen wollten. Nur auf solche Weise lafit sich vorankommen und die photographischen Vervielfaltigungsverfahren,die eine so hohe kulturelle Aufgabe haben, auf die ihnen bislang noch fehlende kiinstlerische Hohe und Vollkommenheit bringen. Von WILHELM SPOHR, Friedrichshagen bei Berlin. BEI dem Aufschwung, den die Bilderbuchproduk- tion in den letzten Jahren genommen hat, und bei der Hohe, die im vorigen Jahre in einzel- nen Leistungen erreicht war, mochte man glauben, es gabe nun einstweilen kein Weiter und Hoher. Doch dieser Glaube wird angenehm enttauscht, blickt man auf die Menge, die Qualitat und die unterschiedliche Eigenart der Leistungen in diesem Jahre. Man ersieht daraus, dafi, wenn einmal ein reiches, gliickliches Ziel ins Auge gefaGt ist, sich tausend Wege auftun, Wege fiir jedes Sinnen, Wollen und Konnen. Welche Artenfiille steht vor uns, greifen wir ein paar Namen heraus, die uns vertraut geworden durch neuere Aus- gaben: Gerlach, Schafstein, Fischer Franke, Her mann Seemann Nachfolger, den neuen Josef Scholz in Mainz, Teubner in den neuen Sagenbiichern. Und da ist noch nicht von dem grofien Unterschied unter den Kiinstlern geredet, von den verschiedenen Tech- niken, die sich ungehindert nebeneinander ent- wickeln, von den leistungsfahigen Druckoffizinen, die in kiinstlerischer Anpassungsfahigkeit hier einer ex- tremen Verlagsfirma ihre Verlagswerke schaffen, dort dem entgegengesetzten Geschmack eines andern Be- stellers ein vollendetes Werk darbieten. Alle Fak- toren stimmen jetzt so gut zusammen, dafi einheit- liche Erzeugnisse keine Seltenheit mehr sind. Weitab von solchen modernen Betrachtungen fiihrt uns die Pflicht des Dankes wieder an ein paar Alte. Im vorigen Jahre war es Ludwig Richter. Merk- wiirdig, wie das so zusammenfallt: dieses Jahr feier- ten wir den andern Kinderfreund, Moritz von Schwind, daneben Wilhelm von Kaulbach, und ihn, der min- destens auch ein Jugendfreund durch seine Homer- bilder ist, Friedrich Preller den Alteren. Keine Wandlung hat uns Schwind, den Zeichner und Marchenvater, ferner zu riicken vermocht. Er bleibt unter uns durch seine Stoffe und durch sein Herz, das alles durchleuchtet. Ein rechtes Bild von sich, das uns ihn gerade zeigt, wie wir ihn hier an dieser Stelle vor uns zu sehen haben, gibt er im er- sten Bilde von den „Sieben Raben": Urahne Sage erzahlt einem lauschenden Kreise von Kindern und Kinderfreunden die Mar von dem Magdlein und ihren sieben Briidern: in diesem Kreise finden wir auch den Maler selbst, gemiitlich in die Ecke gelehnt, den Kinderfreund, den Vater mit seinem Tochterchen Luise, das eingeschlummert mit seinem Lilienstengel ihm auf dem Schofie sitzt. Als er dies schuf, war sein Tochterchen drei Jahre tot. So hat personliche Liebe und personlicher Schmerz Teil an seinem Bilde, an seinem ganzen Schaffen, und, dies merken wir wohl, nicht nur da, wo greifbare Erinnerungen aus dem Leben in die Kunst hineinfliefien. Diese Liebe zum Kinde und seiner Welt leuchtet aus den grofien Zy- klen, aus der kleinsten Zeichnung. Seine Marchen- bilder und kleinen Einfalle sind jedem Deutschen, der sie kennt, wie sein eignes geistiges Eigentum, so vertraut wie eine Blume aus selbst bestelltem Garten. Und nun, drei Jahrzehnte nach seinem Tode, riickt er auch denen nahe, die armer sind und die Bliite des „Miinchner Bilderbogens" nicht miterleb- ten, mit dem die Alteren sich Schwind fiir einen Gro- schen ins Haus holen konnten. Wieder ist es der Kunstwart-Verlag Georg D. W. Callwey in Miinchen, der uns prachtig und billig ganze Marchenzyklen und Bilderreihen von Schwind gibt: „Die schone Melu- sine(2 Mk.), „Die sieben Raben" (1.50 Mk.), „Das Aschenbrddel(2 Mk.) und zwei Schwindmappen mit Einzelbildern (die Mappe 1.50 Mk.), ein reiches Gut fiir die Jugend und das Volk, fiir jeden Deutschen. Bei Alphons Diirr in Leipzig ist ein prachtigesBuch in billiger Neuauflage erschienen, das die drei Jubi- lanten Richter, Schwind und Wilhelm von Kaulbach und verwandte Kinderfreunde von ihrer besten Seite zeigt: Georg Scherers „Deutsches Kinderbuch", Alte und neue Lieder, Marchen, Geschichten, Fabeln, fiS 452 23 zum

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