SSSSSSSSSSSSSSSSSSS ARCHIV FUR BUCHGEWERBE mmMKRMMfiMMm Spriiche und Ratsel. Mit 166 Illustrationen von Wil- helm von Kaulbach, Aug. von Kreling, Eug. Neu- reuther, Oskar Pletsch, Ludwig Richter, Moritz von Schwind, Al. Straehuber, Paul Thumann u. a. Siebente vermehrte Auflage, 1905. Das Buch ist jetzt 55 Jahre alt, und ist da, so jung wie der frische Tag. Und wie jugendlich erscheinen einem die alten Kiinstler da. Auch der dritte Jubilar ist so schon darin vertreten, Wilhelm von Kaulbach. Vielleicht sagen uns seine allmachtigen Bilder und Illustrationszyklen nicht viel mehr, es ist zuviel iiber diese Art und dieses Emp- finden dahingegangen. Aber hier rettet er sich mit manchem andern als vollgiiltig ins neue Jahrhundert hiniiber und braucht wahrhaftig nicht zu fiirchten, dafi ein Feinschmecker die Nase kraus ziehe. Was ist das doch fur eine einfache, edle Linienfiihrung! Und dabei ist vieles so kindlich traut wie Richter, nur daB noch ein Glanz von Schonheit aus hohererSphare hinzu kommt. Auch Schwind, der Wundermann, ist reich vertreten. Von Richter sind allein 62 Beitrage in dem Buche. Und welch ein Geschenk von Wert, daB aus den zwei Banden von je 6 Mk. nun einer geworden ist, der 4.50 Mk. kostet und sich fast besser ausnimmt als das alte Werk! Ein hiibsches „LudwigRichter-Buch"' mit 62 Zeich- nungen veroffentlicht Georg Wigand, Leipzig (3 Mk.). Eine Reihe von ihnen gehort zu den bekannten, die man gern wieder sieht, andre sind weniger bekannt, da sie fruher in teuren Werken standen, und sie sind gerade sehr schon: leichte Madchenanmut, dann schone Engelsgestaltendie bei Richter so mensch- lich nahbar sind, Hauschen im Tal, das so traut einen anschaut wie ein seelbegabtes Wesen. Wir wiinsch- ten recht sehr ein reines Richter-Bilderbuch ohne fremden Text, das Wigand billig aus dem grofien Schatze seiner Richterbiicher zusammenstellen konnte. Vielleicht ist dies fur nachste Weihnachten zu erhoffen? Auch der hundertjahrige Geburtstag Friedrich Prel- lers des Alteren wurde in diesem Jahre begangen. Dadurch, daB der Kunstwart-Verlag Georg D.W. Call- wey in Miinchen Reproduktionen seiner Odyssee- bilder im Museum zu Weimar in einer schonen Mappe zu 3 Mk. vorlegte, ist er aufs gediegenste fur die Ju- gend fruchtbar gemacht, die in der Hauslektiire, in Mythologie, Geschichte,Literaturstunde und der Lek- tiire des Homer stetig mit den Helden Homers zu tun hat. Welch schone Bereicherung der Anschauung durch diese Bilder! Interessant ist es, daneben die ebenda erschienene Preller-Mappe „Nordische Land- schaftenzu betrachten, die eine herbe und schroffe Kraft zeigen, die nicht erwartet wird von dem Mei- ster des Klassischen (3 Mk.). Auch diese Mappe ist sehr empfehlenswert, und als Erganzung zu den Odysseebildern die Iliasbilder von Preller dem Jiin- geren (2.50 Mk.). Den Ausgaben des Kunstwart ist auch an dieser Stelle so oft Lob zuteil geworden, daB Erwahnung fur die Empfehlung genugt. Verlag E.Nister, Niirnberg. „Kunterbunt, neue und alte Reime mit Bildern von B. Hitch(3 Mk.). Nicht nur dem Namen, sondern noch mehr dem Geschmack und andern Merkmalen nach scheint der Autor ein englischer Kiinstler zu sein. Doch ist dieser andre Ton kein Fehler. Besonders in den Schwarz-Weifi- bildern steckt manchmal etwas von Caldecottschem Humor, wahrend die schonen farbigen durch die Be- schrankung auf das Wesentliche von hubschem, de- korativem Effekt sind. - „Meister Lampes lustige Streiche und Abenteuerfur die Jugend bearbeitet von Martin Boelitz, mit Bildern von Maximilian Lieben- wein" (3 Mk.) genugt vielleicht einem erlesenen Ge schmack nicht ganz in seinen Autotypien nach Tusch- zeichnungen, die Zeichnung ist aber doch charakteri- stisch und die Bilder werden durchweg durch das Stoffliche sehr gefallen. Der eigenartige Text ist nach Tierfabeln der Kaffern bearbeitet. Hier ist der Hase der Pfiffige, nicht der Ubertolpelte. Ein rechtes deutsches Hausbuch gibt Martin Boelitz in den „Schd- nen alten Kinderliedern"das mit Bildern, schwarz und farbig, von Adolf Johnssen geschmiickt ist. Dem frischen Text aus Volksmund braucht kein Loblied gesungen zu werden; indes die Auswahl ist sehr gut und gibt viel, das wenigen bekannt ist und dessen Hebung rechten Dank verdient. Johnssen ist ein guter Zeichner, das erweist gewifl unsre begleitende Illustration; inniger in seiner Arbeit kann uns nie- mand gezeigt werden als die gute Alte, die ihr Vieh fiittert. Auch die farbigen Bilder, nicht in der sum- marischen Farbengebung des modernen Buchstils gearbeitet, sondern im Detail auch liebevoll behan- delt, sind in ihrer Art meisterlich. Preis 3 Mk. Sammlungen von Kinderreimen und -liedern hat die letzte Zeit mehrere gebracht. Aufler der vorge- nannten erschien voreiniger Zeit von dem bekannten Lehrer H. Wolgast eine Sammlung „Schone alte Kin- derreimedie wegen ihres Preises von 15 Pf. in einer Anzahl von etwa neunzigtausend Exemplaren verbreitet werden konnte. Eine neuere Sammlung, auBerlich in ausgepragtem Wiener Geschmack, ist: Deutsche Kinderreime, gesammelt und herausge- geben von Joseph Aug. und Irma Lux, Buchschmuck von Leopold Forstner", Wiener Verlag, Wien und Leipzig, 1. bis 5. Tausend. Es ist gerade kein Kinder- buch, aber in der Hand der Mutter ist es von Wert, und dem Freunde des naiven Reims aus dem un- bekannten Munde gewahrt es Vergniigen; manches bisher Ungedruckte scheint darunter. In der schon bekannten schonen Art eines ersten fruher erschienenen Bandes tritt nun ein zweiter auf von „Unser Liederbuch, Die belebtesten Kinderlieder, ausgewahlt von Friederike Merck, mit Bildern von Ludw. von Zumbusch, fiir Kinderstimmen gesetzt von IS 453 23 64

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 85