ARCHIV FUR BUCHGEWERBE in schoner neuer Ausstattung. Die ganze Form des in schoner Sprache geschriebenen Buches, das den Vorzug der Kiirze hat, die doch ziemlich erschopft, und nur 1.20 Mk. kostet, ist klassisch zu nennen. Heinrich Kecks beriihmte „Iduna" feiert eine schone Auferstehung in einer neuen Ausgabe unter dem Titel Deutsche Heldensagen"umgearbeitet von Dr. Bruno Busse. Der erste Band (Gudrun- und Nibelungensage 3 Mk.) mit sieben von grofler Wucht belebten Ori- ginallithographien von Robert Engels liegt vor. Uber die Sprache und die ganze geschickte Art des Werks ist von derKritik schon viel Lob gespendet, das wirk- lich verdient ist. Die Lithographien beweisen, daB es keinen herrlicheren Schmuck fur ein Buch gibt, wenn der Kiinstler versteht, die meist fur grobere dekora- tive Wirkung benutzte Kunst zu intimeren Reizen zu bringen. - In gleichfalls gediegener Ausstattung, mit zwolf farbigen Steinzeichnungen von Robert Engels ist eine neue Auflage von Dr.Adolf Langes „Deutscher Cotter- und Heldengeschichteerschienen (6 Mk.). AuBer den Gottersagen nebst ihrer kritischen Be- handlung enthalt das Buch die Erzahlung und die voraufgehende Behandlung der Sagen von den Wol- sungen, den Nibelungen, von Walter und Hildegunde, Dietrich von Bern, Beowulf und Gudrun. Stofflich und durch die meisterliche Behandlung, und daneben durch dieAusstattung ist das Werk ein schones Haus- buch fur die deutsche Familie. Wer etwas vom Urquell deutscher Kraft geniefien will, wer sich auffrischen will an dem Singen und Sagen von unsrer Vorvater starkem Leben, ohne Miih und ohne weitere philologischen Interessen, der findet in den Verlagswerken von Paul Neff in Stutt gart das Geeignetste. Vor allem finden sich da das Nibelungenlicd und das Gudrunlied inschoner,flieflen- der Umdichtung von Emil Engelmanndie sich eng an die Originale anschlieBt, jedoch ihre Langen und Wiederholungen in der Beschreibung von Festlich- keiten und Waffen vermeidet. Treffliche Bilder von bekannten Meistern begleiten den Text, und Anhange und Beilagen bringen alles Wissenswerte iiber den Ursprung der Dichtungen, begleitet von Reproduktio- nen nach den hervorragendsten Handschriften. Be- sonders das Nibelungenlied hat bedeutenden Bilder- schmuck, die sechs Fresken von Schnorr von Carols- feld imMiinchener ResidenzschloB in Vollblattern und viele andre Bilder nach Rethel, Neureuther usw. AuBer diesen illustrierten Ausgaben zu 7 Mk. gibt es solche ohne Bilder zu 3 Mk. In gleich trefflicher Aus stattung finden sich in dem Verlage Engelmanns Be- arbeitungen des Parzival und der Frithjofsage sowie eine Sammlung von Nordlandsagen, alles deutsche Hausbiicher vornehmsten Sinnes. Kinder konnen die Ausgaben von dreizehn Jahren an lesen. Bei der Korrektur fiige ich noch kurz ein, was an nachtraglich eingelaufenen Biichern zu nennen ist. Verlag Alfred Janssen, Hamburg: „Puppenspiele" von Job. Benda, mit hiibschem Buchschmuck von Otto Ubbelohde (3 Mk.); Verlag Fr. Bassermann, Miinchen: „Bilderpossen" von Wilhelm Busch, die neben den friiher empfohlenen Werken von Busch furs Kind empfohlen werden konnen (2 Mk., koloriert 3 Mk.); Literarische Anstalt Riitten Loening: Lotte Tille, „Hdckchen-Ddckchen", mit wunderschon farbigen, auch stilistisch reizvollen Bildern von Paul Brock- miiller, die neben den Versen kindlichen Charakters den Kleinen bis zu 6 Jahren viel Freude machen konnen (2 und 3 Mk.); Verlag Gebr. Kiinzli, Ziirich- Miinchen: ein Bilderbuch „Sternschnuppen"Heraus- geber Heinr. Moser, Beitrage von neueren Dichtern, reizvolle farbige Bilder von Gertrud Kohrt, interes- sant abwechselnd in der Art, doch einheitlich durch den Geist des einen Kiinstlers, der sie schuf (1 Mk.); Braun Schneider, Miinchen: „Werivill lachen? Ein Bilderbuch fiir jung und alt", launigster Inhalt aus den „Fliegenden Blattern", besonders gut die Bilder von Oberlander und Hengeler, meist kostliche Tier- karikaturen (2 Mk.). Nicht minder lebhaft als die Produktion derBilder- biicher und auch in der Qualitat stetig fortschreitend ist die Produktion von kiinstlerischen Wandbildern, die fast ausschlie&lich in Lithographie, meist in Ori- ginallithographie hergestellt werden. B. G. Teubner ist bei der Vervollstandigung der alten bewahrten Art geblieben, nur daB er jetzt mehr von dem stark Deko- rativen abzusehen und auf die Herausarbeitung inti- merer Reize bedacht zu sein scheint, die fruher schon in den kleinen Blattern zu 2.50 Mk. angestrebt wurde. „Sonntagsstille" von Leiber z. B. (Dorfchen am Weiher, 5 Mk.) hat viel Stimmungszauber durch et was, das wie Sonnenuntergangsschimmer iiber dem Ganzen liegt undden Frieden imBilde vervollstiindigt; auch „Herbstim Land" von Strich-Chapell (6 Mk.) hat durch die Mischung von Elegie und Dithyrambe im Bilde, die dem scheidenden Leben der Natur im Herbste schon durch die Farbenmischungen eigen ist, solchen feineren Reiz. Breitkopf Hartel eroffnen eben ihre zweite Kinderserie mit einem in vielem gut getroffenen Bilde von W. Lachenmeyer „Spielen- des Kind"; vergessen werden moge nicht aus der ersten Serie Kuithans in Farbe, Bewegung der Gruppe und in allem Freude atmender „Ringelreihen", das schonste Bild fiir ein Kinderzimmer unter den billigen; auch eine neue Thoma-Serie ist unter den 2 Mk.-Blattern da. Wirkliches Verdienst erwarb man sich mit dem ersten deutschen Versuch, Friese fiir das Kinderzimmer zu schaffenunter den sechs ersten Blattern (a 3 Mk.) finde ich die meisten fiir die Ver- wendung als Einzelbild sehr gut, teils prachtig; fiir fortlaufenden Fries mochte ich indes nur „Fischer- boote" von Luntz und „Entengeschnatter" von Ulrich empfehlen, die, dekorativ gehalten und keinen Vorgang IS 457 Zi

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 89