sssssssssssssssssss archiv fur buchgewerbe mmmmmmmmum Die typographischen Gesellschaften im Jahre 1904. schildernd, Wiederholung erlauben. Fur diesen ersten und gleich gelungenen Versuch, wirkliche deutsche kiinstlerische Kinderfriese zu schaffen, verdient die Firma uneingeschranktes Lob; dabei erinnern wir uns daran, dafi sie auch vor Jahren auf dem Gebiete der Buchausstattung als Bahnbrecher in Deutschland voranging. Hervorragend durch vornehme Wir- kung, die schone Ruhe der Einfarbigkeit, meist schonen braunen Ton, sind viele Blatter der „Vor- zugsdrucke" des Kunstwartverlags Georg D. W. Call- wey in Miinchen. Welch ein Gewinn, daB man da so tadellose grofie Reproduktionen zu billigem Preise haben kann, z. B. von der „Grafin Potocka", von Diirers „Imhof", von „Mona Lisa", vora „Erasmus", vom „Zinsgroschen" (jedes 4 Mk.), von der Sixti- nischen" (3 Mk.) und andern Blattern (Ruisdael, Rem brandt usw.), die man in solcher Ausfiihrung friiher nur fur 10 bis 20 Mk. hatte. Der Verlag ruht nicht, sich immer neues Verdienst zu erwerben, in einem Tempo, das den Chronisten schlecht mitkommen lafit. - Und nun R. Voigtlander in Leipzig. Soviel iiber die neuesten Bilder der friiher eroffneten Serien zu sagen ware wen entzuckte nicht Karl Bieses „Regenbogen"des mangelnden Raumes halber und wegen der Wichtigkeit ganz frischer Taten des Verlags kann ich einstweilen nur auf diese hinweisen Lob iiber das Alte ware an diesem Orte auch nur Wiederholung. Gute Friese fur Kinderzimmer, die den englischen Aldins an dekorativer Wirkung und Drolligkeit gleichkommen, bietet Gertrud Caspari. Die in Zeichnung und Farbe hochst lustig verein- fachten Tiere und Kinder, die drolligen Situationen, die gute Bewegung in allem, der neutrale und bei alien gleichfarbige Hintergrund, das alles in der Zu- sammenstimmung ergab wirkliche Meisterwerke in ihrer Gattung, die, besonders durch Hinzuziehung hierfur geschaffener Zwischenbilder, beliebige An- wendung zulassen. Vier Friesbilder sind da, jedes Mk. 4.50, zwei Hochbilder zu je Mk. 2.50, alles zu- sammen 20Mk., statt 23Mk. Verschiedenste Wand- bildergattungen, neue, gliickliche Art darunter, fiihren Fischer Franke, Diisseldorf, ein. Aus dem Material von reicher Unterschiedlichkeit, dasmir vorliegt, nenne ich das Beste mit dem Wunsche, dafi es wegen seiner alles Bisherigetiberragenden VorziigeBeachtungfinde. Ihren Fiauptvorzug vor den meisten andern Litho- graphien mit ihren durch den speckigen Glanzdruck leicht unrein wirkenden Farben haben diese Litho- graphien von Fischer Franke zumTeil schon durch das matte, rauhere, mehrfach gar kornige Papier, so daB bei den besten Blattern sich selbst in den Tiefen kein storender Glanz zeigt; die Wirkung ist edler, kiinstlerischer, gleichwie es sich in der Photographie bei den Mattpapieren zeigt, eine ganz andre Kraft und Tiefe wird erzeugt. So entstanden wahre Pracht- blatter in „Ziehende" (Allee in Herbstsonnenglanz und rotgoldigen Herbstfarben mit dem Hintergrunde zuziehender Schafherde mit ihrem Hirten; prachtig steht oben der blaue Himmel zu der rotgolden ge- schilderten Fierbstherrlichkeit) und „Kloster Maria Laach" mit dem Laacher See im Grunde und hinten einem Bergzuge der Eifel; beides von Heinrich Otto, das Blatt Mk. 6. Ein Bild, das die Kraft der elemen- taren Natur atmet, ist Ernst Flardts „Drachenfels" mit der Burgruine und dem im Hintergrund ver- laufenden Rhein; und zwar durch die sich schneiden- den vertikalen und horizontalen Linien und Formen (Rhein, Wolken,aufstrebende Ruine), dieSattigkeitder herbstlichen Farben und die Wolkenballungen in Hell und Dunkel am blauen Himmel (9 Mk.). Mit alien Vorzugen des sinnigen Schwarmers von den Erkern und Winkeln des alten Stadtchens zeigt sich Ernst Liebermanns „Kleinstadtidyll" (Platz in altem Stadt- chen bei Mondschein, Nachtwachter mit alien Attri- buten seiner Wiirde), wohl das pragnanteste Wand- bild von ihm (8 Mk.). Eine Menge von 4 Mk.-Blattern von ihm haben auch ganz den Volksliedton, auf den er vonjeher gestimmt war. Welchen Kontrast daneben in den farbenprachtigen symbolischen Bildern von Franz Stassen, der modernes Empfinden so gut mit dem Geist idealerForm zu verbinden weifi. Und noch andre Blatter waren zu melden. So bringt der Verlag unterschiedliche Richtungen in starken Vertretern mit Gliick zur Geltung. Das war der Reichtum dieses Jahres. Dafi fast nur Lob gespendet wurde, ist weniger Schuld des Temperaments des Referenten, als des Um- standes, dafi das Minderwertige beiseite gelassen wurde und gute Produkte in der Tat in Menge auf- traten. Von HEINRICH SCHWARZ, Leipzig. DIE Einzelberichte der jetzt bestehenden zahl- schlusse das Gesagte und sich oft Gleichende noch- reichen typographischen Gesellschaften und mals,wenn auch nurandeutungsweise,zuwiederholen. graphischen Vereinigungen nehmen in den Die mehroder weniger gleichformigenBerichte aus den Spalten des Archivs fur Buchgewerbe wie in der einzelnen Orten erhalten mehr und mehr einen ort- Fachpresse im ganzen heute einen so breiten Raum lichen Wert, so dafi in gewissem Sinne fast das Be- ein, dafi es fast iiberfliissig erscheint, am Jahres- diirfnis hervortritt, den Berichten iiber die Tatigkeit S3 458 22

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 90