ssssssssks&ssssskks archiv fur buchgewerbe mmmmmummmm Das Buchgewerbe auf der Ausstellung der Ktinstler-Kolonie in Darmstadt. DaG eine Art Griindungsfieber sich auch auf dem Gebiete der Typographischen Gesellschaften in ganz auOergewohnlicher Weise im abgelaufenen Jahre auGerte, beweisen einesteils die zahlreichen Notizen in der Fachpresse iiber erfolgte Neugriindungen, andrerseits die zahllosen Aufforderungen um Uber- lassung von Proben usw., die den Fabrikanten und Lieferanten seitens der nicht nur in groGen, sondern auch in kleinsten Orten neugegriindeten Vereinen andauernd zugehen. Gegen diese Erscheinung MaG- nahmenzu ergreifen soli erst neuerdingswiedergeplant worden sein. Es ware auch eine Aufgabe fur den mehrfach genannten Verband solchen Griindungen nachzugehen und festzustellen, unter welchen Um- standen die einmal gegrundeten Vereine ihre Tatig- keit entfalten, ob sie dauernd bestehen und arbeiten oder wie die Pilze nach kurzem Bestande wieder ein- gehen. Aus den vielen Griindungen werden doch auch Schlusse gezogen, insbesondere auf den Fort- schritt in der Ausbildung der tatigen Krafte. Wie ich bereits andeutete eriibrigt es sich, iiber die eingehendereTatigkeit der einzelnenGesellschaf ten zu berichten, es laGt sich behaupten, daG wohl iiberal! das Bestreben geherrscht hat, dem gesteckten Ziel naher zu kommen und wenn sich vereinzelt, wie z. B. dieses Jahr in Miinchen, auch einmal eine starke Lauheit im Sitzungsbesuch iiufierte, die zumeist er- klarliche Verschiebungen in der Leitung der be- treffenden Vereinigungen im Gefolge haben, soistdies eine naturgemaGe und sich wieder ausgleichende Erscheinung. Das Jahr 1904 ist vor allem fiir die Berliner Typographische Gesellschaft von besonderer Bedeu- tung, vollenden sich doch in ihm 25 Jahre ihres Bestehens. Dieselbe ist neben der Leipziger Typo graphischen Gesellschaft die zweitalteste in Deutsch- land und es gebiihrt ihr wohl das Verdienst, nicht allein fiir den Fortschritt im Beruf jederzeit ein- getreten zu sein, sondern es hat in ihrem Mitglieder- kreise auch stets jener sachliche Geist geherrscht, der eine gedeihliche Zusammenarbeit der Mitglieder zum Nutzen der Allgemeinheit erst ermoglicht. Mag der riihrigen Gesellschaft auch fernerhin ein gedeih- liches Bestehen beschieden sein. Den Typographischen Gesellschaften winkt auch im kommenden Jahre reiche Arbeit, an die sie un- geachtet der Opfer an Zeit und Miihe in altgewohnter Weise herantreten werden, eingedenk des Spruches: Arbeit ist des Burgers Zierde, Segen ist der Miihe Preis." Von STEFAN STEINLEIN, Miinchen. VOR vier Jahren schlugen die „Sieben" von Darmstadt zum erstenmal drohnend auf ihren Schild und verkiindeten uberlaut dem Phili- sterium ihre Thesen. Als „Dokument Deutscher Kunst" wurde aufPlakaten die Ausstellung der Kolo- nie verkiindet. Die Kritik quittierte jene possier- liche Uberhebung mit ironischem Sarkasmus und manch boses Wort flog von erziirnten Lippen. Der Bund, scheinbar fiir die Ewigkeit begriindet, begann sachte sich zu lockern, heuer stehen nur noch zwei von den sieben Aufrechten an ihren Platzen, Olbrich und Habich; zu ihnen gesellten sich J. V. Cissarz, Dr. Daniel Greiner und Paul Haustein. Diesmal ge- schah die Inszenierung ruhig und in herkommlichen Formen. Es gab keinen „Weiheakt", keinen pomphaft lyrischen FestgruG. Man glossierte nicht iiber sich selbst, schrieb nicht wie 1901 „Vorreden" zu seinen Werken. Was in stiller Arbeit jeder vor sich gebracht, sollte ohne Kommentar fiir sich dastehen und wirken. Das ist wohltuend und erfreulich. Vier Jahre bedeuten fiir unsre raschlebige Zeit so viel, als ehedem zwei oder drei Dezennien. So recht deutlich sieht man den Wechsel in den kiinstlerischen Ausdrucksmitteln im ornamentalen Schaffen und des- halb, statt in herkommlicher Weise Stiick um Stuck aufzuzahlen, sollen diese Wandlungen betrachtet wer den, die auch sonst iiberall deutlich zu beobachten sind. Es ist den besseren unter unsern Kiinstlern mehr oder minder klar geworden, daG die Ornamentierung, wie Sprache und Musik, ihren eignen Gesetzen folgt und daG der teilweise noch immer grassierende Wald- und Wiesennaturalismus dem innersten Wesen der Ornamentik entgegengesetzt ist. Die typischste Er scheinung jener brutalen Naturalisten als Ornamen- tiker, ist wohl Hans Christiansen. Mit geheimem Gruseln erinnert man sich seines Hauses auf der Mathildenhohe vom Jahre 1901. „In Rosen" war es benamst. In aufdringlicher kindisch naiver Schmuck- freudigkeit war das Haus von auGen und innen „ein- heitlich" nur mit Rosen dekoriert. Tief im Wesen primitiver Naturen liegt jener natu- ralistische Hang nach Gegenstandlichkeit. Irgend eine Sache erhalt erst Wert, wenn fur den Verstand im rohesten Sinne Greifbares geboten wird. Ein Messingleuchter etwa, an dem nur der Wechsel von fiS 460 S3

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1904 | | page 92