ARCHIV FOR BUCHGEWERBE Die Atze soil nicht ruhig auf der Platte stehen, sondern es ist notig, sie mit Atzschwamm oder Pinsel von Zeit zu Zeit frisch zu verteilen. Nachdem die Atze abgewaschen, gummieren, trocken machen und zur Vorsorge nochmals auswaschen und frisch anwalzen, fertig fur Auflagedruck. Ein guter Zinkdruckumdruck ist unverwiistlich, nie sollte aber der Umdruck sofort in die Maschine ge- nommen werden. Wenn irgend angangig, lasse man ihn einen halben Tag oder langer stehen, ehe man mit der Auflage beginnt. Er belohnt diese Vorsicht durch langes und tadelloses Halten der Zeichnung. Auflagen von 10 000 Bogen und mehr lassen sich von einem gut gepflegten Umdruck in aller Scharfe her- stellen; natiirlich spielt die Behandlung durch den Maschinenmeister auch eine Rolle dabei. Hier sei nun noch auf einen weiteren Umstand be- sonders aufmerksam gemacht, der viel zum guten Gelingen des Auflagedruckes beitragt und schon beim Umdruck beriicksichtigt werden mufi: er betrifft die Behandlung der fiir Umdruck bestimmten Platten vor dem eigentlichen Umdruck. Im allgemeinen verwendet man immer zum Um druck glatte Platten, dies gilt sowohl vom Steindruck- als auch vom Aluminium-Umdruck. Auch beim Zink- druck hatten wir langere Zeit nach gleichem Prinzip gearbeitet und dabei die Erfahrung gemacht, dafl die Haltbarkeit der Umdrucke eine sehr beschrankte war, da(3 auBerdem die Neigung der Platte zum tonen, namentlich bei warmerer Witterung, hochst unan- genehmen Umfang annahm. Wir druckten damals von der glatten Zinkplatte, die nur, wie vorstehend ge- schildert, handgeschliffen, aber natiirlich nicht ge- kornt war. Nun versuchten wir einen Umdruck auf eine gleich- maBig und zart gekdrnte Platte. DasErgebnis iibertraf noch die Erwartungen. Die Zeichnung kann auf der gekornten Platte viel fester fassen als auf der glatten, es halt sich aber auch die Feuchtigkeit auf Platten mit leichtem Korn viel langer, und der Fortdruck wird dadurch viel sauberer und auBerdem einfacher fiir den Arbeiter. Die Atze. Die Atze besteht nach Angabe ihres Erfinders aus Salzen, Gummi undWasser; es sind ihr keine Sauren zugesetzt. Sie greift daher die Zinkplatte nicht an im Gegensatz zur Steinatze, welche die nicht bezeichnete Oberflache des Steines zerstort und dadurch die Zeichnung mehr oder weniger erhoht. Das Wesen der Streckerschen Zinkatze besteht darin, daB sie in Gemeinschaft mit dem Gummi, welcher zugleich auch Atzmittel ist, auf das Zink einwirkt und sich an den nicht bezeichneten, also nicht fetthaltigen Stellen der Zinkplatte zu einem Bestandteil der Zink platte, einem sichtbaren Belag oder einer sichtbaren Schicht vereinigt. Dieser Belag oder diese Schicht ist unloslich in Wasser, Gummi oder Atze, loslich dagegen in Sauren, z. B. in Salzsauren. Das Streckersche Druckverfahren beruht daher auf ganz andern Voraussetzungen als der Steindruck; es ist ein vollstandiger Flachdruck und nichts ist ver- kehrter, als beim Steindruck iibliche Mittel (z. B. die Anwendung von saurem Bier oder leichter Weinessig- losung zum Verhiiten des Tonens der Steine) auch beim Zinkdruck anzuwenden. Die Atze wird je nach ihrer Bestimmung in ver- schiedenen Starken hergestellt. Die Atzsalze liefert in ihrer Zusammenstellung der Erfinder. Das An- setzen der Atze ist so einfach, daB jeder Drucker es selbst besorgen kann. Fur Originalzeichnungen braucht man eine 3%ige Losung des Atzpraparates MH. Fiir Umdrucke eine 4°/nige Losung des Atzpra parates MH. Diese beiden Losungen ergeben mit dem notigen Gummizusatz die sogenannte Normalatze. Fiir die Maschine dient eine Maschinenatze, aus dem Atzpraparat LG bereitet. Im Anschlufl an vorstehende Angaben folgen hier samtliche beim Streckerschen Zinkdruck benotigten Praparate, Atzen, Entsauerungen usw., mit genauen Angaben des Erfinders, den ich hier wie bei einigen andern chemisch-technischen Fragen wortlich anftihre. Rezepte. Normal-Atze MH. 280 g Atzpraparat MH werden in 7 Liter kaltem Wasser in einem Holzeimer oder Steingutgefafl ge lost; das Ganze wird gut durchgeriihrt, abgesiebt und kann sofort benutzt werden. Beim Stillstehen setzt sich ein leichter Bodensatz, welchen man absitzen laBt, da er unloslich ist und deshalb nicht einwirken kann. Maschinen-Atze LG. 280 g Atzpraparat LG werden in 3 Liter warmem Wasser gelost unter fleifligem Umriihren. Natronlauge zum Entfetten. Zum Entfetten der Zinkplatten vor dem Schleifen verwendet man eine lOgradige Natronlauge. Hierzu lost man 65 g Atznatron in einem Liter Wasser auf. Die Losung muB in einer Glasflasche zugekorkt auf- bewahrt werden. Alaunlosung. 60 g Alaun werden in einem Liter Wasser gelost und hierzu 3 ccm 30°/oige Salpetersaure zugegeben. Kalilauge. Zum Wegnehmen von Stellen bei Kreidezeichnun- gen (siehe Retuschen) bereitet man sich eine 5°/0ige 46

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 10