ARCHIV FUR BUCHGEWERBE und moglichst kalt auf die Platte kommt; auch der Zusatz von Eis zum Wasser empfiehlt sich. Auf die Zusammensetzung der Farben beim Mischen ist groGes Gewicht zu legen. Hier genaue Vorschriften zu geben, ist unmoglich; ein gewandter Drucker wird sich von Fall zu Fall zu helfen wissen, und in der Hand des unverstandigen Arbeiters sind die besten Schutzmittel, unverstanden angewandt, recht haufig zwecklos. Korrekturen. Handelt es sich nur um Wegschaben oder -kratzen so verfahrt man genau wie bei Stein. Es schabt sich, wie schon erwahnt, recht gut auf Zink, nur nadeln, das heiGt mit der spitzen Nadel Tone heller stechen, kann man nicht oder doch nur unvollkommen, da stets ein Grat am Nadelstich stehen bleibt. Die korri- gierte Stelle wird behandelt wie bei Stein: geatzt, gummiert, ausgewaschen und fortgedruckt. Sind Nachtrage in groGerem Umfange notig, so ist die Platte zu entsauern. Zur Entsauerung bedient man sich sowohl bei glatten als auch bei Kornplatten verdiinnter Salzsaure. Zunachst wird die zu entsauernde Platte sauber vom Gummi gereinigt, dann wird auf die verbesse- rungsbedurftige Stelle die Entsauerung (5 ccm Salz saure, 20° B6 in 200 ccm Wasser) mit einem Haar- pinsel in Federkielfassung aufgetragen, 24 Minuten stehen gelassen und sodann mit frischem Wasser mehrfach und griindlich abgewaschen. Hierbei spare man nicht mit dem Wasserverbrauch. Man tupft die Platte mit sauberem Tuche trocken und hilft mit der Windfahne nach. Die korrektur- bediirftigen Stellen bleiben frei, alle iibrigen Teile der Platte werden gummiert. Ist der Gummi trocken, so wird der Korrektur- nachtrag vorgenommen, darauf talkumiert und die korrigierte Stelle mit gewohnlicher Streckerscher Zinkatze (Normalatze) geatzt. Sind Nachtrage im groGeren Umfange vorzunehmen, so entsauert man am besten die ganze Platte; hier bei ist besondere Sorgfalt notig, und ich mochte dar auf hinweisen, daG uns diese Manipulation in der ersten Zeit unsrer Druckversuche mit dem Strecker- schen Verfahren selten einwandfrei gelang. Auch jetzt noch vermeide ich, wo irgend moglich, eine wiederholte Entsauerung der ganzen Platte; eine ein- malige Entsauerung ist, von besonderen Ausnahmen abgesehen, bei gewissenhafter Beobachtung der Vor schriften nicht bedenklich, und Nachtrage mit Kreide oder Tusche halten absolut. Der Vorgang ist kurz folgender: Die Platte wird flach auf einen groGen Tisch ge- legt, der am besten direkt neben dem Wasserhahn mit Schlauchleitung steht. Nun wird die verdiinnte Salzsaure iiber die ganze Platte gegossen und etwa 34 Minuten stehen gelassen, wobei darauf zu ach- ten ist, daG die Entsauerungsflussigkeit moglichst gleichmaGig auf der Platte verteilt ist. Nun wird die Entsauerung mit reinem Schwamm abgewaschen und ein kraftiger Wasserstrahl auf die Platte gerichtet, der besonders bei Kreideplatten meh- rere Minuten auf die Oberflache der Platte einwirken mufi. Von der Griindlichkeit dieser Abspiilung hangt spater das Gelingen der Korrektur ab. Die verdiinnte Salzsaure hat wohl die Atzsalze aufgelost, aber in vielen Fallen haften diese, besonders bei groben Kornplatten so fest in den Poren, daG nur ein ener- gischer Wasserstrahl sie ganz entfernt. Geschieht dies nicht, so sind alle Korrekturen und Nachtrage vergebens. Wirkt aber der Wasserstrahl lange und stark genug, so werden alle Poren des Zinks ge reinigt und Tusche und besonders auch Kreide kon- nen haften. Ist die Korrektur ausgefiihrt, so wird die Platte wie iiblich geatzt. Handelt es sich um einfachere Nachtrage, die man in Tusche ausfiihren kann, so vermeidet man am besten die Entsauerung ganz. Ich habe gefunden, daG Nachtrage mit frischer Tusche ausgefiihrt auch ohne Entsauerung hielten, und zwar sowohl Feder- punkte und Federstriche, als auch Spritztone und gedeckte Flachen. Man vergesse nie, daG keine Originalzeichnung, sei es bei Stein-, Aluminium- oder Zinkdruck durch die wiederholten Entsauerungs- und Atzprozesse bes- ser wird, sondern daG immer eine EinbuGe an Klar- heit und Frische mit in den Kauf zu nehmen ist. Beim Zinkdruck kommt aber noch der Ubelstand hinzu, daG die Entsauerung das Korn angreift und die Platte glatt macht. Die Hochatzung. Die gewohnliche Art der Hochatzung von Zink ist so bekannt, daG ich mir ein naheres Eingehen hierauf ersparen kann. Dr. Strecker verfahrt nun nach dem bereits be- kannten Zinkhochatzverfahren und entsauert darauf die Platte mit einer Alaunlosung (10 Teile Alaun und 1 Teil Scheidewasser auf 100 Teile Wasser), sodann atzt er mit seiner Normalatze, die er auf der Platte antrocknen laGt. Darauf gummiert man und macht die Platte trocken. Weiter wird verfahren wie beim Steindruck auch: Gummi abwaschen, mit Terpentin Zeichnung gut auswaschen, vorsichtig mit frischer Federfarbe an- walzen. Nun wird die Zeichnung ausgeputzt, kleine Nachtrage werden vorgenommen, darauf nochmals mit Normalatze behandelt wie bereits geschildert, und nun ist die Zeichnung druckfertig. In dieser Weise von uns behandelter Buchdruck- Umdruck stand vorziiglich, druckte sich gut, und wir 48

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 12