ARCHIV FUR BUCHGEWERBE erzielten durch das Verfahren langlebige Druck- platten. Die Zinkplatte als solche geht natiirlich bei starker Hochatze fiir spatere Arbeiten verloren. Neuerdings bedient sich Dr. Strecker noch eines besonderen Hochatzverfahrens, welches ich der Voll- standigkeit halber mit seinen eignen Worten folgen lasse: „Um die Zeichnung zu schiitzen bedarf es nicht des Hochbrennens; lediglich ein Auswaschen mitCorne- lintinktur und nachfolgendes Anreiben mit Cornelin- essenz oder Cornelinfarbe bewirkt, mit Kolophonium eingestaubt, den Schutz gegen Angriff durch die Saure. In Begleitung dieser einfachen Auswaschung und An- reibung ist der weitere Vorzug, daft die Zeichnung in einer Scharfe zur Atzung gelangt, wie sie durch Hoch- brennen niemals erreicht werden kann. Aber vor- sichtig mufi man dabei sein!" Die Vorbereitungen zum Hochatzen sind folgende: der Uberdruck auf der Zinkplatte wird vollstandig druckreif fertiggestellt, die Platte mittels des Wasser- schwammes gut angefeuchtet und die Zeichnung auf dieser nassen Platte mit Cornelintinktur hell aus- gewaschen. Darauf wird der Schlamm von Wasser und Tinktur von der Zinkplatte heruntergewischt, die Platte selbst mit dem Wasserschwamm nach- gewaschen und mit einem Nesseltuch abgewischt. Dann gummiert man die Platte frisch und nicht zu diinn und reibt auf dem nassen Gummi mit einem weichen, wasserfeuchten und mit Cornelinessenz gut genetzten Lappen die Zeichnung zart an, bis sie eine nuftbraune Farbe erhalt (Farbe von Nuftbaum-Mo- beln) und wascht die Platte wiederum mit einem reinen Wasserschwamm ab. Alsdann fachelt man die Platte trocken und staubt feinst gepulvertes Kolopho nium ein, verreibt dieses gut und reibt mit Talkum nach. Die Riickseite der Platte wird durch Uber- wischen mit derselben Essenz gegen die Saure ge- schiitzt. Dieses fiihrt man derart aus, daft man in kreisenden Handbewegungen mit einem Lappen die Essenz auf der Riickseite in ihrer ganzen Ausdehnung verwischt. Beim nachherigen ruhigen Verweilen der Platte verlauft die Essenz zu einem geniigend gleich- maftigen Uberzug. Ist die geschiitzte Riickseite hin- reichend trocken, so talkumiert man dieselbe eben- falls und schreitet dann zur Atzung. Einige besondere Punkte scharfe man sich ein: 1. Zum Auswaschen viel Wasser zur Tinktur. 2. Zum Anreiben benutzt man wenig Wasser, Gummi und Essenz, welche man vor dem eigentlichen An reiben gleichmafiig mittels des Anreibelappens mit- einander verrieben hat. (Man kann auch mit Essenz und viel Wasser auswaschen und mit demselben Lappen nach Zufiigung von Gummi weiterreiben, d. h. anreiben.) 3. Will man sehr lange atzen, so empfiehlt es sich mit Cornelinfarbe und Cornelinessenz anzureiben. 4. Zum Auswaschen halt man sich einen Tampon, dessen Bezug aus mehreren Lagen Flanell lange Zeit im Dienst bleibt. 5. Zum Anreiben eignet sich vorziiglich ein feuchter Lappen aus feinem Leder (Fensterleder). 6. Zur Entfernung des Wassers von der fertigen Platte vor dem Trockenfacheln und Einstauben wischt man ebenfalls mit einem reinen feuchten Lederlappen iiber die Zeichnung. Die Atzung selbst geschieht in einem Schaukelbad, in Salpetersaure von 1% bis 3% Salpetersauregehalt, welcher aufterdem auf je 10 Liter U/2 kg Alaun gelost enthalt. Je nach dem Grade der gewiinschten Hochatzung laftt man die Platte 410 Minuten im Bade verweilen oder verstarkt auch maftig den Salpetersauregehalt, falls kraftigere Atzung erwiinscht, bis 5°/o. Die Saure wird verbraucht, ebenso der Alaun; nach einiger Zeit mufi man von beiden nachgeben. Kommt die fertig hochgeatzte Platte aus dem Schaukelbad heraus, so wird sie vorn und hinten und zwar am besten unter fliefiendem Wasser abge- waschen und dann unter Vermeidung jeglicher Rei- bung gummiert und mit Zinkatze geatzt. Durch festes Reiben wiirde man den schiitzenden Corneliniiberzug verletzen. Hierauf wascht man wieder nafi mit Cornelintink tur aus und walzt die Farbe ein. Will man die Hochatzung nicht in einem Bade aus- fiihren, wie in dem Falle, daft nur ein Teil der Zeich nung hochgeatzt wird, so iiberstreicht man dievorher, wie oben angegeben, geschiitzte Stelle mittels eines weichen Haarpinsels mit der Salpetersaure. Zum Hochatzen des Zinks kann man nur sehr gute Qualitaten Zink verwenden. Das Zink darf keine grofieren oderdickeren Bleiflecken enthalten. Zweck- maftig probiert man die Qualitat vor dem Hochatzen aus, indem man sie einfach in das Schaukelbad mit Salpetersaure hineinlegt. Treten dunkle Flecken (Bleiflecken) auf, so ist die Platte fiir die Zwecke der Hochatzung zu verwerfen. Solche Platten sind jedoch immer noch fiir den Flachdruck, nach einer Schleif- manipulation in der Schleifmiihle geeignet. Ist das Zink hingegen bei dieser Probe geniigend rein be- funden worden, so ist es auch ohne weiteres fur den Uberdruck (ohne Schleifprozeft) geeignet, da der Atz- prozefi die Platte fiir den Uberdruck geniigend auf- gerauht hat, um ein Haften des Uberdrucks zu ge- wahrleisten. Die Platte braucht dann nur abgewaschen in dem gewohnlichen Entsauerungsbad fur Flachdruck ent- sauert zu werden. Man prage sich jedoch ein, daft diese chemische Aufrauhung nur fiir den Uberdruck geniigt, nicht aber fiir den Fortdruck. Fassen wir die geschilderten Vorteile des Strecker- schen Druckverfahrens nochmals kurz zusammen, so ergibt sich folgendes Endergebnis: 49 7

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 13