ARCHIV FUR BUCHGEWERBE Die Reihenfolge der Farben beim Drei- und Vierfarbendruck in der Schnellpresse. 1.Das Material, die Zinkplatte, ist zunachst wesent- lich billiger als Aluminium und Stein und leistet, von einigen wenigen Ausnahmen beim Stein ab- gesehen, bei Auflagedruck dieselben Dienste, unter Umstanden sogar mehr. 2. Die Zinkplatte vereint alleVorziige der Aluminium- platte: leichtes Gewicht, groGe Handlichkeit, ge- ringe Verwaltungsspesen, mit einer Einfachheit in der Druckbehandlung, die es dem gelernten Stein- drucker ermoglicht, sich in die neueTechnik schnell hineinzuleben. 3. Die Umdrucke auf Zink zeichnen sich durch Scharfe und groGe Haltbarkeit aus. 4. Das Plattenmaterial ist iiberall erhaltlich und kann sogar in besonders dringlichen Fallen vom ersten besten Klempner bezogen werden. Wir haben in einer ganzenReihevon eiligen Fallen fur denFort- druck auf der Maschine Platten benutzt, die ur- spriinglich zum Dachdecken bestimmt waren. 5. Der Farbverbrauch ist ein sehr sparsamer; die Farben behalten infolge des geringen Feuchtig- keitsverbrauchs ihr voiles Feuer; diese Tatsache wird noch unterstutzt durch den Umstand, daG mit Lederwalzen gedruckt werden kann. 6. Infolge des geringen Feuchtens wird die Dehnbar- keit des Druckpapiers wesentlich herabgemindert, ein weiterer, sehr schatzenswerter Vorteil. 7. Durch das Streckersche Druckverfahren wird die Frage des Rotationsdrucks im Steindruckgewerbe in greifbarste Nahe geruckt, wenn nicht gar gelost. Was ich eingangs ausfiihrte, mochte ich nochmals kurz wiederholen: es gibt nach meinem Dafiirhalten keinen absoluten Steinersatz! Auch das Streckersche Druckverfahren, so wie es bisher getibt wird, ist nur bedingt als ein Ersatz des Steindruckes zu betrachten, namentlich dann, wenn sehr hohe technische An- forderungen gestellt werden. Dies ist meine Uberzeugung und sie stiitzt sich auf die von uns bisher praktisch erworbenen Erfahrungen, wobei ich gern zugeben will, daG wir die Grenzen der Leistungsfahigkeit des Streckerschen Zinkdruckes mit unsren Versuchen wohl noch lange nicht er- reicht haben. Aber eine ungeheure Erleichterung bedeutet das Verfahren schon in seinem jetzigen Zustand fur jeden Druckereibesitzer, der mit grofien Formaten arbeiten muG, ferner eine auGerordentliche Bereicherung der Ausdrucksmittel des Steindruckers, wenn erst die Rotationsmaschine weiteren Eingang gefunden hat. Unsre schwer kampfende Steindruck-Industrie sollte daher das neue Druckverfahren einer eingehen- den Prufung unterziehen; die erreichten Erfolge sind schon so beachtenswert, daG jeder weiterblickende Druckereibesitzer, vor alien Dingen aber auch Litho- graphen und Drucker, mit dem neuen Streckerschen Zinkdruckverfahren werden rechnen miissen. Von REINHOLD WENDLER, Leipzig. SEITDEM der Drei- und Vierfarbendruck seinen Einzug in die Druckanstalten gehalten hat, sind wohl viele Buchdrucker, die sich vordem uberhaupt nicht mit Farbendruck beschaftigt hatten, in die Lage versetzt worden, diesen verhaltnismaGig noch neuen Druckzweig ausiiben zu miissen. Aus diesem Grunde kann nicht oft genug darauf aufmerk- sam gemacht werden, daG sich der Drucker iiber die Vor- und Nachteile unterrichten muG, durch welche die Herstellung eines der beiden genannten Druck verfahren am besten zu einem guten Ende gefiihrt werden kann. Deshalb soil einer von den vielen Vor- teilen beim Mehrfarbendruck, die Farbenaufeinander- folge, hier naher erortert werden, zumal sehr haufig bei den Druckern eine gewisse Angst davor beob- achtet werden kann, ob bei derartigen Druckarbeiten uberhaupt von der gewohnlichen Reihenfolge Gelb, Rot, Blau abgewichen werden darf oder nicht. Jeder wird ohne weiteres zugeben miissen, daG der Druck von drei- und vierfarbigen Bildern un- gemein schwierig ist. Der Drucker selbst muG neben der Eigenschaft eines gewandten Zurichters iiber ein gutes Denkvermogen verfiigen, damit Ubelstande, die fast alle Augenblicke auftreten, sofort aus der Welt geschaffen werden konnen. Wahrend des Druckes der Auflage muG ferner eine so groGe Aufmerksam- keit beobachtet werden, wie solche bei andern Ar beiten nicht oder doch in weit geringerem MaGe er- forderlich ist, denn neben einer guten Zurichtung und ganz gleichmaGiger Farbengebung ist in der Hauptsache auf haargenaues Passen Wert zu legen. Wenn eine Form noch so fein zugerichtet und die Farbengebung von Anfang an eine ganz gleichmaGige ist, die einzelnen Farben aber nicht haargenau iiber- einander passen, dann hat das gedruckte Bild sofort die angestrebte Ahnlichkeit mit dem Urbild verloren. In den meisten Druckereien wird beim Dreifarben- druck in der Regel mit dem Gelb als erste Farbe begonnen, auf dieses dann in der Folge Rot und zu- letzt Blau gedruckt. Diese Reihenfolge ist gewahlt worden, um den Uberdeckungsfehler moglichst aus- zuschalten, der sich durch folgendes Beispiel deutlich 50

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 14