ARCHIV FUR BUCHGEWERBE erklaren laBt. Man bedrucke ein Blatt Papier mit Gelb, ein andres mit Rot und schneide dann aus beiden Blattern Halbkreise, die man auf Karton zu einem Kreise zusammenklebt. Bei rascher Rotierung ergibt diese zweifarbige Kreisflache ein Orange, dem eigentlich das durch Ubereinanderdrucken ent- stehende Orange gleich sein sollte. Versuche zeigen aber, dafi Rot iiber Gelb gedruckt ein rotlicheres, Gelb iiber Rot gedruckt ein gelblicheres Orange er gibt als das Gemisch des Kreises. Diese Erscheinung nennt man den Uberdeckungsfehler, der sich natur- gemafl bei deckenden Farben mehr bemerkbar macht als bei solchen lasierender Art. Gelb ist bekanntlich eine der am meisten deckenden Druckfarben. Diese deckende Eigenschaft ist um so ausgepragter, je mehr die Farbe der Klasse der Chromgelbe zuneigt. Je mehr aber Gelb unter die Lackfarben zu rechnen ist, desto mehr wird es lasierender oder besser ge- sagt durchsichtiger. Da aber die Farben beim Drei- farbendruck in moglichster Dichte (Konsistenz) ver- arbeitet werden miissen, so sind selbst die lasierenden Gelbfarben verhaltnismaBig stark deckend, weshalb auch ihr Druck als erste Farbe wohl begrundet ist. Ich will nun aber zu beweisen versuchen, dafi trotz- dem eine andre Farbenfolge eingeschlagen werden kann, ohne daB dabei die Arbeit Schiffbruch zuleiden braucht, ja daB dadurch im Gegenteil sogar eine viel lohnendere Arbeitsweise moglich ist. Gewohnlich werden diejenigenProbeabzuge,welche die Atzanstalt an die Druckerei abliefert, in der Hand- presse angefertigt, wobei die Platte mit der Hand eingewalzt wird und zwar mit Farbe, die iibermafiig streng, also in Teig, angerieben ist. Mit wenig Farbe auf der Walze erhalt man durch vielmaliges Ein- walzen der Platte einen sehr tiefen satten Druck. Die strenge Farbe gewahrleistet einen offenen Druck bis in die tiefsten Partien, die ja durch den Raster doch auch in kleine Piinktchen zerlegt sind. Der Handpressendrucker hat jedoch bei strenger Farbe den Vorteil, daB er keine Riicksicht auf das lastige Rupfen zu nehmen braucht, weil das bedruckte Blatt sehr langsam abgehoben werden kann. Bei den Probeabziigen muB Gelb zuerst zum Druck gelangen, weil es als Teigfarbe eine ziemlich starke Deckkraft besitzt. Der Drucker an der Schnellpresse kann aber leider mit einer so strengen Farbe nicht drucken, denn von ihm wird taglich eine gewisse Zahl fertiger Drucke verlangt. Er muB daher seine Farben solange mit Firnis oder einem geeigneten Farbzusatz ge- schmeidig machen, bis das Papier, ohne loszurupfen, einen glatten Fortdruck zulaflt, die Platte aber immer noch einen scharfen Abzug ergibt. Eine selbstver- standliche Sache ist unter alien Umstanden, daB das Papier uberhaupt fiir Dreifarbendruck geeignet ist, also nicht schon bei der ersten Farbe anfangt, seine schlechten Eigenschaften zu zeigen. Eine gute Wie- dergabe des Bildes muB sich ermoglichen lassen, ohne daB mit iibermafiig viel Druck und Farbe ge- arbeitet werden muB. Das Papier muB also gleichsam der Farbe entgegenkommen, dabei jedoch hinsichtlich seiner Oberflache eine ganz gewisse Festigkeit haben, damit es alle drei ubereinandergedruckte Farben aus- halt, ohne daB ganze Stiicken ausgerissen werden. Der Druck wird auch nicht unwesentlich durch schlecht geheizte Druckraume beeinfluBt, weshalb vor Zusetzung von Firnis zur kalten Farbe gewarnt wer den muB. Mit diesem Mittel darf erst begonnen werden, wenn Farbe, Walzen und Form gleichmafiige Warme angenommen haben. Die Tiefe der Farbe muB beim Schnellpressen- druck, im Gegensatz zu derjenigen fiir die Hand- presse, mit stark verdiinnter oder geschmeidiger Farbe zu erreichen gesucht werden, was leider ein Nachteil fur die scharfe Wiedergabe des Bildes ist. Ein Vergleich des Handpressenabzuges mit einem Abzuge aus der Schnellpresse wird aus den von mir angefiihrten Griinden stets zu gunsten des ersteren ausfallen. Die Gelbfarbe hat aber dadurch, daB sie fur den Maschinendruck, um einen glatten Fortdruck zu ermoglichen, in gewissem Mafle verdiinnt werden muB, zu ihrem Vorteil so an Deckkraft verloren, daB sie ohne weiteres als zweite Farbe genommen wer den kann und dafiir als erste das Rot. Das gelbe Bild allein scheint fast durchgangig so wenig sichtbar, dafl seine Brauchbarkeit kaum be- urteilt zu werden vermag. Die zarten Halbtone sind fast gar nicht sichtbar und in den Schatten erkennt man kaum eine Einzelheit. Aus dieser schlechten Sichtbarkeit des Bildes darf nun aber nicht ge- schlossen werden, daB seine Modulation von unter- geordnetem Werte sei, denn diese kommt erst bei den folgenden Farben zur Geltung. Die Starke des Gelb laBt sich jedoch viel leichter bestimmen, wenn es nach dem Rot gedruckt wird. Es bietet demnach auch nach dieser Hinsicht das Abweichen von der gewohnlichen Farbenfolge einen Vorteil. Haufig kommt es auch vor, dafi sich kleine Stellen im gelben Druckstocke durch Hautteilchen der Farbe oder zu scharfen Druck der hellen Teile zusetzen. Der Drucker kann dies gar nicht beurteilen oder be- obachten, weil das Bild nur sehr schwach zu sehen ist. Der Fehler wird aber sofort zum Vorschein kommen, wenn Rot aufgedruckt ist und im Gesamt- bild mit Blau wirkt er dann als sehr storender Fleck. Es hat also auch in diesem Falle der Druck von Rot als erste Farbe einen Vorteil, weil die Fehler in der gelben Farbe besser zu erkennen sind. Zuletzt wird das Einpassen der folgenden Farben, sowie der Druck der Auflage uberhaupt ungemein er- leichtert. Angenommen, es soil eine grofiere Form in einer Auflage von mehreren tausend Bogen ge druckt werden. Dem ublichen Gebrauche folgend, 51 7*

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 15