ARCHIV FUR BUCHGEWERBE wird auch diesmal mit dem Druck des Gelb als erste Farbe begonnen. Mehrere wahrend des Drucks doppelt durch die Presse gelassene Kontrollbogen haben gezeigt, dafi beide Gelbdrucke, soweit mit der Lupe untersucht werden kann, haargenau iiberein- ander stehen. Wahrend des Drucks der zweiten Farbe, also des Rot, macht sich nun in einem Teile der Form, zwischen beiden Farben eine Differenz von etwa der Starke eines Postkartenkartons bemerkbar, der viel- leicht durch Verandern des Papiers entstanden ist. Rot wird deshalb in Gelb neu eingepafit, urn weiter drucken zu konnen. In der Folge macht sich die Differenz schlielMich noch ein oder mehrere Male be merkbar, sei es, dafi sich das Papier nur paktchen- weise verandert hat, sei es aus andern Grunden. Kurz und gut, Rot mufl immer wieder in Gelb ein gepafit werden. Das jedesmalige Neueinpassen wird jetzt keine Schwierigkeiten haben, weil beide Farben noch kein Gesamtbild ergeben. Sehr schlimm wird es aber beim Druck der letzten Farbe, zumal wenn zum Ungliick noch der Drucker versaumt hat, die einzelnen Pakete anzuzeichnen, um leicht erkennen zu konnen, wo auch das Blau neu eingepafit werden mufl. Jetzt entsteht die Frage, in welche Form soil die letzte Farbe eingepafit werden. Logischerweise in die zuerst glatt durchgedruckte Gelbform. Doch keinem Drucker wird es je einfallen, die blaue Form in die wenig sichtbare Gelbform einzupassen. Er wird die erstere vielmehr in die nicht gleichmallig passende Rotform einpassenmiissen, denn es ist durchaus nicht gleichgiiltig, ob Blau mit Gelb haargenau steht und Rot daneben, oder umgekehrt Blau mit Rot und Gelb daneben. Jedenfalls ist die Differenz nicht im ent- ferntesten so sichtbar, wenn letzteres der Fall ist. Hier konnte nun mit Recht eingeworfen werden, dafi Differenzen iiberhaupt nicht vorkommen durfen- Das ist ja ganz richtig! Aber, solange es kein durch aus zuverlassiges Mittel dagegen gibt, dafi sich die Papiere mehr oder weniger verandern, mussen eben Gegenmittel gebraucht werden, welche die Moglich- keit bieten, die einmal vorhandenen Differenzen ab- zuschwachen. Diese konnen vermindert werden, der Drucker sich aber seine Arbeit erleichtern, wenn an- statt mit Gelb, mit Rot der Druck begonnen wird. Dann ist nicht mehr die erste Form fur die zweite, und die zweite fur die dritte fur das Einpassen mafl- gebend, sondern die erste, rote Form ist so gut sicht bar, dall sie allein fur die beiden folgenden Farben als bestimmende zu gelten hat. Wenn bei dieser Far- benfolge die unbegriindeten Bedenken auftreten sollten, dafi Rot vom Gelb erdriickt werde, so kann ruhigeinStich dunkler gedruckt werden. Empfehlens- wert ist aber, vorausgesetzt, dafi keine Probeabziige in der Schnellpresse gemacht werden, wenn Rot ge- nau nach der von der Atzerei gelieferten Skala ge druckt wird. Die meisten Dreifarbendrucke zeigen das Rot zu stark, so dafi es durchaus nichts schadet, wenn diese Farbe etwas gemildert wird. Der Drucker kann aber auch die Farbenfabrik darauf aufmerksam machen, dafi nur lasierendes Gelb zu liefern ist, oder ausdriicklich Indischgelb oder Gelblack, fur Drei- farbendruck angerieben, verlangen. Ich komme nun zu dem Druck von vierfarbigen Bildern. Wie schon die Bezeichnung Vierfarbendruck sagt, wird bei diesem Druckverfahren aufler der Gelb-, Rot- und Blauplatte aus verschiedenen Grunden noch eine vierte Platte angefertigt. Ein voiles Bild mit ausgepragten Schwarzen wird vom Atzer so behan- delt, dafi die vierte Platte unbedingt Schwarz gedruckt werden mufl. Zu einem andern Bilde mit grofl- flachigen grauen Tonen wiirde die vierte Platte grau zu drucken sein, oder die graue Platte geht iiber das ganze Bild, um ihm mehr Ausdruck zu verleihen. Es kann aber auch eine vierte Platte angefertigt wer den fiir eine Farbe, die sich durch die Eigenart eines Bildes in drei Farben nicht erreichen laflt. Trotzdem nun der Drucker seine Aufmerksamkeit auf vier Plattenrichten mufl, so sind derart hergestellte Bilder leichter zu drucken als solche mit nur drei Farben. Es ist eine bekannte Tatsache, dafi sich letztere in der Nuance viel leichter verstimmen lassen als erstere. Am wenigsten Schwierigkeiten macht der Druck solcher Bilder, bei welchen die vierte Platte schwarz gedruckt wird. Die schwarze Platte gilt dann als Charakterplatte, die drei Farben aber nur als Kolorit. Die Farben selbst werden dann auch nicht so intensiv verdruckt wie beim Dreifarbendruck, weil sie sich nicht zu Schwarz erganzen mussen. Wenn die Bilder im Text mitgedruckt werden, so empfiehlt es sich, zuerst Schwarz, auf dieses Gelb oder Rot und zuletzt Blau zu drucken. Diese Reihenfolge ist deshalb eine giinstige, weil sich, wenn Schwarz mit dem Texte zuletzt gedruckt wird, diese Form nicht so leicht ein passen laflt. Auch wirkt Schwarz nicht so hart, wenn es unten anstatt oben auf den Farben liegt. Wenn jedoch die Bilder als Einzelwerke gedruckt werden, dann ist wieder mit Rot anzufangen, auf dieses Schwarz oder Gelb und zuletzt Blau. Liegt es aber in der Eigenart des Bildes, dafi Schwarz kraftig wirken soil, dann mufl es selbstverstandlich zuletzt aufgedruckt werden. Die gleiche Farbenfolge ist einzuhalten, wenn es sich anstatt der schwarzen um eine graue Farbe handelt. Sollen nur kleine Flecken in einer andern Farbe gedruckt werden, so empfiehlt sich, diese als vorletzte zu drucken, damit durch die letzte Farbe etwa entstandene Harten in der Zurichtung gemildert oder verdeckt werden. 52

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 16