ARCHIV FOR BUCHGEWERBE der Kornsand spielen eine auGerst wichtige Rolle. Der Kornsand wird in zweierlei Sorten, entweder als Feuersteinpulver oder als Glassand durch die Fachgeschafte bezogen, ferner ist ein Satz von drei Sieben fur verschiedene Feinheiten erforderlich. Der feingeschliffene Stein wird nach dem Schleifen auch an den Randern sauber abgewaschen, trocken gemacht und auf ein Brett mitPapierunterlage auf den Schleiftisch gelegt. Grober Sand wird mit dem ent- sprechenden Sieb iiber die ganze Steinflache gesiebt, bis sie iiberall moglichst gleichmaGig bedeckt ist. Zum Kornen verwendet man einen kleineren harten,blauen oder blaugrauen ebenfalls gerade geschliffenen und an den Randern sehr stark abgerundeten Stein in der GroGe von 14X16 oder 16X22 cm, dessen Dicke un- gefahr 4 bis 7 cm betragt. Dieser Stein wird nun oben links auf den mit Kornsand iiberdeckten Stein gelegt, und mit den Handen in kleinen kreisformigen Bewe- gungen so weitergefuhrt, daG sich die Kreise immer durchschneiden. So fahrt man fort, indem man ent weder nach oben rechts, oder nach unten links weiter- kornt. Je nachdem das Korn grober oder feiner ge- wiinscht wird, muG der Sand, durch das Sieb erneuert werden. Feinstes Korn erhalt man wenn zum SchluG der Arbeit der Sand zu feinstem Mehl zerrieben ist. Je gleichmaGiger die Kornung iiber die ganze Flache des Steines gefiihrt wird, um so gleichmaGiger wird das Korn ausfallen, weshalb auch nicht eine Stelle mehr, die andre weniger bearbeitet werden darf. Die Kornung wird so lange fortgesetzt, bis der Stein eine gleichmaGig rauhe Flache zeigt bzw. das Korn fur die lithographische Arbeit als entsprechend ge- halten wird. Der geniigend gekornte Stein wird recht reichlich mit Wasser iiberspiilt, damit das Mehl aus der Kornung entfernt wird, wobei eine auGerst saubere mittelsteife Kleiderbiirste von wesent- lichem Dienste ist. Nach Beendigung des Abwaschens wird der Stein hochkantig aufgestellt und trocknen lassen. Bei der Bearbeitung des gekornten, auGerst fett- empfindlichen Steines durch den Lithographen oder den Kunstler muG groGte Reinlichkeit beobachtet werden. Eine Beriihrung mit fettigen, schweiGigen Fingern z. B. erzeugt Stellen, die spater Farbe an- nehmen. Wenn die Pause auf dem Steine gemacht ist, dann muG er mit einer Maske so bedeckt werden, daG nur die zu bearbeitende Stelle frei liegt. Man gebrauche daher ausnahmslos die Armschiene, auf die die Hand gelegt wird, oder nehme eine saubere Papierunterlage. Damit die Kreide sich iiberall gut auf den Stein legt, beziehungsweise fest haftet, wird der Stein vor der Pause erst recht gleichmaGig mit bestem rektifizirten Terpentinspiritus und sauberen Lappen abgerieben, wodurch dasSchwinden derfein- sten Partien nach dem Atzen usw. viel weniger auf- tritt, als auf unabgeriebenem Steine. Die lithographische Kreide wird in verschiedenen Hartegraden geliefert. Bei ihrer Verwendung kommt es darauf an, ob mehr Kontur oder mehr Schattierung anzubringen ist. Drei verschiedene Sorten, mittel, hart und extra hart, diirften ausreichen. An Stelle der letzteren Sorte kann auch die Kopalkreide fiir Korn- papierzeichnung genommen werden. Das Zuspitzen der in einem dazu passenden Halter befestigten Kreide geschieht von der Spitze nach unten, wobei durch eine langsame Drehung eine gleichmaGige Rundung zu erhalten ist. Wenn beim Arbeiten auf dem Steine die zugespitzte Kreide immer etwas gedreht wird, dann erhalt sich die Spitze ziemlich lang brauchbar. Die Halbschatten werden zuerst angelegt und am besten mit der ganzen Langsflache eines Stiickchen Kreide ausgearbeitet, wobei aber beim An- und Ab- setzen nicht zu fest aufgedriickt werden darf, da sonstleicht Flecke und harte Stellen entstehen. Wenn die Flache auf diese Weise angelegt ist, dann wird mit der spitzigen Kreide nachgearbeitet, teils als Kon tur, teils als Verstarkung der Schatten. Kreuzlagen in den Schattierungen sind zu vermeiden. Eine ruhige voile Wirkung wird in den Schattenlagen nur durch eine ineinanderlaufende und verlaufende Schattierung erzielt. In die mit der Kreide in alien Tonen und Tiefen fertiggestellte Zeichnung werden nun mit Feder und Tusche die tiefsten Stellen und scharfen Konturen hineingearbeitet. Die Federstriche sollen aber nicht iiberall eingezeichnet werden, sondern schwachere Konturen d. h. solche, die keine ausge- sprochene Tiefe haben, miissen mit der scharfgespitz- ten Kreide scharf abgegrenzt werden. Die Kreide- zeichnung wirkt dann auf den spateren Abdriicken bedeutend feiner und harmonischer, als wenn alle Konturen mit der Feder nachgezeichnet werden. Eine moglichst genaue Pause mittels Rotelpapier ist selbstverstandlich eine Hauptbedingung. Die Um- risse allein geniigen nicht, es miissen auch solche Partien gepaust werden, die vielleicht auf den ersten Blick weniger bedeutungsvoll wirken. Korrekturen sind moglichst zu vermeiden; jeder Strich soli gleich an die richtige Stelle kommen. Zu dunkel ausgefallene kleinere Partien konnen mit der Nadel aufgehellt werden, indem sie vorsichtig aufpunktiert aber nicht kreuzweise durchrissen werden. Die Nadel soli auf keinen Fall viel gebraucht werden. Bei vielem und tiefem Schaben wird der spatere Ab- druck weniger befriedigen, auGerdem setzt sich an solchen Stellen die Farbe fest. Wenn mit dem Schaber etwas herauszunehmen ist z. B. zur Er- zielung heller Lichtreflexe, so muG moglichst flach geschabt werden. Die Schabernadel ist deshalb sehr scharf anzuschleifen. Einzeln stehende fehlerhaft ge- zeichnete Stellen konnen mitrektifiziertem Terpentin spiritus und einem ganz reinen Leinenlappchen ent fernt werden. Das letztere wird in die Form eines 54

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 18