ARCHIV FUR BUCHGEWERBE DerVerfasser desvorerwahnten Artikelsscheintzu- nachst vollig im unklaren iiber die Zusammensetzung und Herstellung der Doppeltonfarben zu sein. Eine Doppeltonfarbe ist jede Farbe, deren Firnis durch ir- gendwelchen fettloslichenFarbstoffgefarbt wurde. Die Wirkung der Doppeltonfarbe ist lediglich davon ab- hangig, wie weit der gefarbte Firnis um die bedruckte Stelle auslauft, denn bekanntlich bleibt beim Buch- druckverfahren das Farbpigment auf der Papierober- flache sitzen, wahrend der Firnis mehr oder weniger in das Papier eindringt und sich dabei gleichmafiig nach alien Seiten ausbreitet. Ist nun der Firnis nahe- zu farblos, wie dies bei reinem Leinolfirnis der Fall ist, so ist naturlich nur die Nuance des Farbpigments sichtbar. Ist hingegen der Firnis durch den Zusatz eines fettloslichen Farbstoffes vorher gefarbt worden, so treten selbstredend alle die Stellen, an denen sich der gefarbte Firnis um die Piinktchen oder Striche des Druckes ausbreitet, deutlich zutage, es zeigen sich zwei Nuancen, die des Farbpigmentes und die des gefarbten Firnisses. Die Wirkung der Doppel tonfarben ist also von der Saugfahigkeit des zur Ver- wendung gelangenden Papiers abhangig. Je saug- fahiger ein Papier ist, desto starker, je weniger saugend, desto schwacher wird der Doppeltoneffekt ausfallen. Dies ist auch dieErklarung fur die recht unangenehme Eigenschaft aller Doppeltonfarben, auf verschiedenen Papiersorten ganz verschiedene Wirkungen hervor- zurufen. Esistdaher nichtrichtig, wenn der Verfasser behauptet, die Doppeltonfarben zeigten bei Stichen, Strichatzungen und Typen keinen zweiten Ton. Jede Doppeltonfarbe ist bei Linien oder Flachen, voraus- gesetzt, dafi das Papier ein fur Doppeltondruck gut geeignetes war, mit einer schwach gefarbten Zone des auslaufenden Farbstoffes umgeben. Dieser Um- stand wirkt beim Schriftsatz oft sehr storend. Unter meine Hande sind schon amerikanische Fachzeit- schriften gekommen, die mit Doppeltonfarben auf Kunstdruckpapier gedruckt waren und in denen die Buchstaben infolge der ganz feinen ausgelaufenen Rander derartig flimmerten, daB das Lesen auf die Dauer direkt unmoglich war. DaB aber gerade die Autotypie am besten dazu geeignet ist, die Wirkung der Doppeltonfarbe zur Geltung zu bringen, ist leicht begreiflich, wenn man sich vergegenwartigt, daB der autotypische Druck von alien hier in Frage kommen- den Druckarten die meisten Unterbrechungen zeigt. Der zweite, der auslaufende Ton kann ja selbstredend nur da zur Geltung kommen, wo die Druckflache unter- brochen wurde. Auf dieseWeise erklart sich auch der Umstand, dafi die Mitteltone der Autotypien die stark- ste Doppeltonwirkung zeigen, bei ganz hellen Partien und bei den vollen Tiefen diese aber nur ganz wenig sichtbar ist. Die spitzgeatzten Piinktchen der hellen Partien in der Autotypie konnen nur auBerordentlich wenig Farbe halten. Eine solche auflerst geringe Menge Farbe ist jedoch ungeniigend, um den Doppelton fur das Auge sichtbar zur Geltung zu bringen, wahrend bei den vollen Tiefen der Autotypie, die ja durch weifle Punkte nur ganz wenig unterbrochen ist, der Doppelton sich nur an den Randern dieser wenigen weiBen Stellen zeigen kann; in den geschlossenen Tiefen wird er selbstverstandlich durch die intensive Grundfarbe verdeckt. Diese Tatsachen sucht nun der Verfasser durch „die Saugfahigkeit des Anilins in der Doppeltonfarbe" zu erklaren. Abgesehen davon, daB sich der Verfasser iiber den Begriff Anilin nicht im klaren zu sein scheint, ist diese Behauptung an sich eine derartige Ungeheuerlichkeit, daB ich im Interesse des Verfassers annehmen will, er habe sie nicht ernst gemeint. Das gleiche ware noch von dem „willkiir- lich sich Betatigen des Doppeltons" zu sagen. Als sehr kiihn muB ich auch die Bemerkung des Verfassers bezeichnen, daB die amerikanischen Dop peltonfarben sowohl in Druckfahigkeit wie Haltbar- keit alien Anspriichen geniigen. Wenn der Verfasser diese Doppeltonfarben wirklich aus eigner Erfahrung kennt, undtrotzdem zu diesem Urteile kommt,sokann ich die Bescheidenheit seiner Anspriiche nur bewun- dern. Tatsachlich weisen alle Doppeltonfarben eine ganze Reihe von Mangeln auf, die in der Natur der Sache selbst liegen und nie ganz zu vermeiden sein werden. Der Hauptiibelstand diirfte wohl die den meisten Doppeltonfarben anhaftende auBerordentlich starke Lichtempfindlichkeit sein. Mir sind amerika nische Doppeltonfarben aus der Praxis bekannt, die auch noch nicht mal eine einzige Stunde Belichtung vertrugen, denn vor Ablauf dieser Zeit war schon der Doppelton vollstandig zerstort und nur noch die Grund farbe sichtbar. Allerdingsgibtes aucheinige Nuancen, die eine normale Lebensdauer haben, dies ist aber nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz, die an- dern verblassen durchschnittlich stark, teilweise so- gar vollstandig, schon wenn sie einige Stunden dem direkten Sonnenlichte ausgesetzt werden. Dafi die Verwendung derartig empfindlicher Farben fur feine Drucksachen oder fur solche von bleibendem Werte ausgeschlossen ist, liegt doch wohl klar auf der Hand. Ein weiterer Ubelstand der Doppeltonfarben, der aber merkwiirdigerweise bis jetzt noch von keiner Seite zur Sprache gebracht worden ist, ist der, dafi fast alle Doppeltonfarben durch langeres Lagern an Auslauffahigkeit verlieren. So ist mir beispielsweise vorgekommen, dafi eine amerikanische Doppelton farbe, die, frisch bezogen, sehr schone Ergebnisse hervorrief, nach etwa einem halben Jahre voll standig versagte, obwohl das gleiche Klischee und auch das gleiche Papier benutzt wurde. Die Erklarung hierfiir diirfte wohl in der allmahlich eintretenden che- mischen Veranderung des Firnisses und der darin gelosten Farbstoffe zu suchen sein. 59 8*

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 23