ARCHIV FUR BUCHGEWERBE Buchgewerbliche Rundschau. Ein andrer groGer Mangel der Doppeltonfarben ist der, daG es trotz der groOten Vorsicht bei gewissen Nuancen nie ganz ausgeschlossen ist, daG die Drucke untereinander kopieren, und zwar haben wir hier nicht das sogenannte durch Ubereinanderlegen frischer Drucke herbeigefiihrte Abziehen, sondern das lastige Sublimieren im Auge. Hierzu neigen beispielsweise alle mit Sudanfarbstoffen hergestellten Doppelton farben, weshalb auch die meisten deutschen Farben- fabriken diese Farbstoffe trotz ihrer schonen Nuancen langst wieder iiber Bord geworfen haben. Merkwiir- digerweise aber machen gerade die Amerikaner von diesen Farbstoffen bei Herstellung ihrer Doppelton farben nochziemlich ausgiebigen Gebrauch. Ichhabe schon wiederholt Musterbucher amerikanischer Dop- peltonfarben-Fabrikanten unter den Handen gehabt, in welchen nahezu jeder zweite Druck sublimiert oder durchgeschlagen hatte, obwohl diese Druckprobenheft- chen doch gewiG mit aller erdenklichen Sorgfalt herge- stellt und sicher auch lange genug im DurchschulJ ge- blieben waren. DaG dieVollkommenheit,Unfehlbarkeit konnte man fast sagen, welche der Verfasser ganz besonders den amerikanischen Doppeltonfarben an- dichtet, nur in seiner Einbildung besteht, hat die Praxis schon hundertmal bewiesen. Ubrigens diirfte die Tatsache geniigen, daG die Amerikaner fur den Einkauf ihrer fettloslichen Farbstoffe, mit denen sie die Doppeltonfarben herstellen, fast ausschliefilich auf dieselben Bezugsquellen wie die deutschen Far- benfabrikanten, namlich auf die deutschen Teer- farbenfabriken, angewiesen sind. DaG aber ein Farb- stoff seine charakteristischen Eigenschaften durch eine Reise nach Amerika nicht verlieren kanndas wird wohl auch jedem Laien einleuchten. Ein Farb- stoff, der in Deutschland unecht ist, kann in Amerika nicht echt sein, und ein Farbstoff, der in Deutschland durchschlagt oder gar sublimiert, legt diese Untugen- den auch in Amerika nicht ab. Zum Schlusse meiner Kritik mochte ich noch be- merken, daG es wirklich im hochsten Grade bedauer- lich ist, wenn „Fachartikel", wie der von mir mehr- fach erwahnte, Aufnahme in der Fachpresse finden. Statt Aufklarung zu schaffen, bewirken sie gerade das Gegenteil. Ist es heutzutage bei der Unmenge neuer und allerneuester Druckverfahren, welche die letzten Jahre brachten, fur den Drucker schon schwierig ge nug, sich auf der Hohe der Zeit zu halten, so wird es ihm geradezu unmoglich gemacht, sich iiber in sein Fach einschlagende Neuerungen ein Urteil zu bilden, wenn die Informationen, die er doch in der Haupt- sache wohl aus Fachblattern bezieht, so unzutreffend sind, wie man dies leider sehr oft findet. Anscheinend fiihlen sich oft Leute zur Abfassung von technischen Aufsatzen berufen iiber Sachen, von denen sie nur geringe oder gar keine Kenntnisse haben oder diese sich erst durch Preislisten, Auskiinfte bei Geschaf- ten, Vertretern usw. verschaffen. DaG aber derartige durch keinerlei Fachkenntnis beeinfluGte Abhandlun- gen fiir niemand Nutzen haben, diirfte auGer Zweifel sein. Eine strengere Sichtung der Spreu vom Weizen ware daher schon im Interesse des Buchgewerbes wiinschenswert. Buchdruck. Stumpfgewordene Walzen wieder zugkraftig zu machen. Jeder Drucker weiB, daB die Walzen nach lange- rem Gebrauch stumpf werden, das heiBt, ihre Zugkraft ver lieren. Dieses Stumpfwerden tritt bei den fiir Farbendruck benutzten Walzen viel eher ein, denn bei anderen. Viele Drucker haben nun die iible Angewohnheit, derartige stumpfgewordene Walzen, wenn gerade keine andern zur Hand sind, mit Wasser abzuwaschen, damit sie wieder zug kraftig werden. Dieses Verfahren,das sogar eine grofie Fahr- lassigkeit ist, kann nicht ernsthaft genug geriigt werden, denn das Wasser lost den in der Walzenmasse enthaltenen Zucker auf,wodurch deren Klebkraft vermindert, die Walzen also harter und stumpfer werden als sie vorher waren. Wohl wird das Mittel augenblicklich etwas nutzen, aber auf die Dauer wirkt es nur schiidlich. Das beste Mittel, die Walzen zugkraftig zu erhalten, besteht darin, dafi die Wal zen ab und zu abends nach dem Reinigen mitGlyzerin be- strichen, iiber Nacht stehen gelassen und morgens wieder sauber abgewaschen werden. Jeder wird von dem Erfolg des einfachen Mittels iiberrascht sein, denn das allmahlich verdunstende Glyzerin regt die Zugkraft an. Darum ist es auch vorteilhaft, alien Farben einige Tropfen Glyzerin beizumischen, die dann indirekt den Walzen zugute kommen und sie zugkraftig machen. W. Verhindern der Schlangenbildung belm Walzen- guB. Eine stehende Klage ist in denjenigen Druckereien, welche das WalzengieBen noch selbst vornehmen, die Bil- dung der sogenannten Olschlangen. Der Ausdruck Ol- schlangen ist nun aber nicht ganz richtig, denn derartige Schlangen gibt es nicht, wohl aber solche, die sich nach dem Eingiefien der Masse infolge von Lufteinwirkung bilden. Eswird nun sehr hauflg die Beobachtung gemacht werden, daB diese Schlangen viel leichter bei denjenigen Walzen entstehen, deren SpindelnmitHolzversehen sind, wahrend bei Walzen, deren Spindeln ganz aus Eisen hergestellt sind, sich Schlangen selten oder gar nicht einstellen. Eine Ab- stellung des Ubelstandes wird erreicht, wenn die Spindeln vor dem Gufl ganz sorgfaltig nach Stellen untersucht wer den, aus welchen sich Luft entwickeln kann. Die vorhan- denen Locher, vornehmlich bei Spindeln mit Holzmantel, werden mit Kitt verklebt und der ganze Mantel mit diinnem Tischlerleim bestrichen. Die Schlangenbildung wird dann nicht eintreten. Sehr dienlich und empfehlenswert ware, wenn die Maschinenfabriken in Zukunft nur noch ganz aus Eisen hergestellte Spindeln liefern und diese so 60

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 24