ARCHIV FUR BUCHGEWERBE lich eine Erleichterung bei der Herstellung des Satzes von Akzidenzen, bei Erledigung von Satzkorrekturen usw. zur Folge hat. -o-. Berlin. Aus dem in der ordentlichen Generalversamm- lung erstatteten Bericht fiber das abgelaufene 26. Geschafts- jahr geht hervor, dab die Berliner Typographische Gesell- schaft nicht nur eine rege Tatigkeit entfaltet, sondern auch an Mitgliederzahl und Einflufi nach aufien gewonnen hat; dieMitgliederzahl betrug am Jahresschlufi 279. Zu wieder- holten Malen wurde die Gesellschaft zu Wettbewerben im Kreise ihrer Mitglieder, sowie zur Bewertung von Wett bewerben andrer Gesellschaften herangezogen. Der Vor- stand setzt sich nach Vollziehung der Wahl aus folgenden Mitgliedernzusammen:GustavKonitzer,GeorgErler,Eugen Baumeister, Wilhelm Boidt, C. Rinck, Carl Schauer, Bruno Senf und H. Gornitz. Der in der folgenden Januar-Sitzung erstattete Kassenbericht zeigte, dab die Gesellschaft mit einem Etat von etwa 2000 M. rechnen kann, dab aber im ver- flossenen Jahre wegen eines aus dem Jubilaumsjahre fiber- nommenen Defizits und rfickstandiger Verpflichtungen die Einnahmen bis auf einenRest von 99M. ausgegeben werden mubten. Herr Konitzer gab dann einen lehrreichen Bericht fiber die im Buchgewerbesaal ausgestellten Entwfirfe des Klinkhardtschen Empire-Wettbewerbes, dessen Ergebnis er als ein sehr erfreuliches bezeichnen konnte, um so mehr, als die Mehrzahl der Teilnehmer die schwierige Aufgabe, mit dem neuen Material ohne jede Anleitung gefallige Ak zidenzen herzustellen, meist glficklich gelost hatte. Im An- schlub daran sprach Herr Schmiedchen fiber das Thema: Der moderne Akzidenzsetzer. Er bezeichnete das Zeichnen als ein hervorragendes Bildungsmittel ffir den Akzidenzsetzer, warnte aber vor Behandlung des Zeichnens als Selbstzweck, weil selbstgezeichnetes Material kfinstlerischen Anforde- rungen nur in seltenen Fallen genfige. Zuweilen werde der Akzidenzsetzer durch seinen Arbeitgeber oder durch den Auftraggeber genotigt, gegen seinen Willen Zeichnungen zum Atzen herzustellen. Mancher Auftraggeber ziehe ja leider mitunter wegen der Originalitat eine unvollkommene Zeichnung einer guten Satzarbeit vor, was sehrzu bedauern sei, den Akzidenzsetzer aber nicht beirren dfirfe. -r. Braunschweig. Die diesjahrige ordentliche General- versammlung der Typographischen Gesellschaft fand am 18. Januar 1906 statt. Als Einleitung hielt das Mitglied Herr Kunstmaler August Schniige einen Vortrag fiber: Die Em- pirezeit, ihre Entstehung und Blfite. Nach Erstattung des Jahres- und Kassenberichts wurden einige vom Vorstand vorgeschlagene Anderungen der Vereinssatzungen ge- nehmigt. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde Herr Krosing als erster Vorsitzender, Herr Lfidemann als erster Schriftfuhrer und als Kassierer Herr Hebestreit gewahlt, ferner die bisherigen zweiten Vorsitzenden und Schriftfuhrer wieder, vier Beisitzer und der Bibliothekar aber neu gewahlt. Gegen ein von einem hiesigen Buch- druckereibesitzer, der auch Mitglied der Typographischen Gesellschaft ist, angebotenes Preisausschreiben zur Er- langung eines Programms und einer Mitgliedskarte mach- ten sich aus der Versammlung Bedenken geltend, die zur Ablehnung des Angebotes ffihrten. A Bremen. In der ersten im Januar abgehaltenen Sitzung des Typographischen Klubs lag eine grofiere Anzahl Neu- jahrsdrucksachen vor, fiber deren allgemein gute Aus- ffihrung berichtet wurde. Die Weihnachtshefte unsrer Fachpresse wurden sodann einer Besprechung unterzogen und auf Einzelheiten hingewiesen. Den bedeutenden Fort- schritt des graphischen Berufes konne man am besten an dessen Literatur ermessen. Unsre deutsche Fachpresse habe sich vorzuglich entwickelt. Freilich unterliefen ab und zu noch Musterblatter, die besser nicht erschienen, doch konnten diese den Gesamteindruck nicht besonders beeinflussen. In der Aussprache wurde unter andern be sonders auf die hervorragenden Leistungen des Archiv ffir Buchgewerbe hingewiesen. Am 29. Januar hielt Herr Ronnau einen Vortrag fiber: Schillers Leben und Schaffen, wobei auf dessen Einflufi auf den Buchdruck hingewiesen wurde. Sodann gelangte eine Rundsendung, Hamburger Diplom-Entwfirfe, die allgemeinen Beifall fand, zur Be sprechung. R. Breslau. In der ersten Januar-Sitzung der Breslauer Typographischen Gesellschaft wurde eingehender Bericht erstattet fiber die von der Typographischen Gesellschaft in Altenburg vollzogene Bewertung der Entwfirfe zu einer Neujahrskarte der Gesellschaft, ffir die das Material leih- weise, das Papier kostenlos gegeben*), die Preise aber ge- stiftet waren. Am 14. Januar 1906 hielt auf Veranlassung der Typographischen Gesellschaft und des Maschinen- meistervereins Herr Arthur Pick aus Berlin einen Vortrag fiber: Soziale und gewerbliche Verhaltnisse in Amerika. Aus den sehr interessanten Ausffihrungen sei angeffihrt, dafi derGrundsatz des Amerikaners sei: einfach und praktisch. Der Wettbewerb sei in Amerika nicht so arg wie in Deutsch- land Die Schriftleitung). Der Amerikaner sage nicht zu seinem Kunden: Ich mache Ihnen die Sache billiger, son dern er sageIch mache Ihnen dies nicht billiger aber besser als mein Wettbewerber. Der Arbeiter sage: Ich leiste mehr, folglich mufi ich auch mehr Lohn bekommen. Diesem Grundsatze stfinden die Arbeitgeber wohlwollend gegen- fiber. Lehrlinge gebe es im Buchdruckmaschinenfach nicht. Der betreffende junge Mann bleibe so lange Assi- stent des Maschinenmeisters, bis er die notigen Kenntnisse besitze**). Eine Ausstellung von Probedrucken, die auf der Miehle-Prefi hergestellt sind, boten viel Interessantes und Lehrreiches, vor allem die Kataloge und Preislisten mit in Dreifarbendruck ausgeffihrten Abbildungen. In dem Meinungsaustausch, der sich dem Vortrag anschlofi, wurde daher auch darauf hingewiesen, dafi die deutsche Ge- schaftswelt ffir derartige Kataloge gewonnen werden solle. Auch ware gut, wenn die Abbildungen in den Schul- bfichern in Dreifarbendruck ausgeffihrt wfirden, weil dann dem Kinde alles besser veranschaulicht werde. Am 21. Januar fand die Generalversammlung statt, in der Herr Unser Berichterstatter nannte die Namen der betreffenden Firmen, die wir aber mit Absicht nicht anfiihren. Wir selbst stehen auf dem Standpunkt, dafi die typographischen Gesellschaften die weitgehendste Forderung verdienen, und doch konnen wir uns mit leihweiser Hergabe von Material und kostenloser Abgabe von Papier nicht befreunden. Besser ware es unsrer Ansicht nachwenn die betreffenden Firmen einen freiwilligen Mitgliedsbeitrag zahlen und der oder den typographischen Gesellschaften die Herstellung von Druckarbeiten auf ihre Kosten iiber- lassen wurden. Die unentgeltliche Abgabe von Material diirfte schliefilich dahin fiihren, dafi jede Firma ihre Erzeugnisse verwendet sehen will und die typographischen Gesellschaften natiirlich das giinstigste Angebot an- nehmen werden ohne Riicksicht auf die Qualltat. Eine Forderung der Druckkunst diirfte dies dann aber nicht mehr sein. Die Schriftleitung. Das Archiv fur Buchgewerbe hat in Heft 10 Jahrgang 1905 iiber den gleichen von Herrn Pick in Berlin gehaltenen Vortrag berichtet. Wir lassen daher die von unserm Breslauer Mitarbeiter gemachten weiteren Ausfiihrungen weg, da sie sich mit dem friiher Veroffentlichten decken. Die Schriftleitung. 9* 67

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 31