ARCHIV FUR BUCHGEWERBE Kopieren auf Bromsilberpapieren wird wegen der ein- fachen Handhabung und der Schnelligkeit von vielen Seiten bevorzugt, wennschon man zugeben mull, dad nur beschrankter Spielraum gegeben ist, wenn es sich urn Her- stellung von Bildern mit kiinstlerischer Wirkung handelt. In dieser Beziehung sind der Pigment- und Gummidruck weit ausgiebiger. Immerhin bieten aber die Bromsilber- Papiere so groile Vorteile, dail eine eingehende Darstellung aller gebrauchlichen Arbeitsmethoden recht wfinschens- wert erscheint. Der durch seine vielfache schriftstelle- rische Tatigkeit zur Geniige bekannte Verfasser hat diese Aufgabe in recht anschaulicher Weise gelost und es mit Geschick umgangen zu weitschweifig zu werden. Nicht auf die Aufzahlung der vielen Apparate wurde Gewicht gelegt, sondern darauf, dem Leser recht viel nfitzliche Ratschlage zu erteilen. Der zweiten Auflage des Werk- chens wurden die neuen Erfahrungen einverleibt, so dail es auf der Hohe der Zeit steht und wohl empfohlen werden kann. Ad. Deutscher Kamera-Almanack. Jahrbuch der Amateur- Photographie. Unter Mitwirkung von bewahrten Praktikern herausgegeben von Fritz Loescher, Il.Jahrgang 1906. Mit einer Tondrucktafel, 47 Vollbildern und 107 Abbildungen im Text. Berlin, Verlag von G. Schmidt. Preis Mark 3.50. Geb. Mark 4,25. Die Herausgabe photographischer Jahr- biicher ist fur den Verleger immer ein ziemlich groiles Wagnis. Die Herstellung solcherBiicher kostet eine Masse Geld und der pekuniare Erfolg beginnt erst nach Absatz einer groilen Auflage, da der Verkaufspreis sehr niedrig angesetzt werden mull. Durch glfickliche Wahl der Schrift- leitung und fur dieses Unternehmen geeigneter Mitarbeiter hat es der Verleger verstanden, seinem nun zum zweiten Male erscheinenden Jahrbuche ein solches Ansehen zu verschaffen, dail die Herausgabe weiterer Jahrgange als gesichert zu betrachten ist. Uberall hort man die besten Urteile fiber dieses Buch und, was die Hauptsache ist, man kauft es auch. Die gute Ausstattung und der billige Preis tragen viel dazu bei. Zu dem Bildschmucke haben die bekanntesten Liebhaber- und Berufsphotographen zum Teil sehr feine Beitrage geliefert. Es ist angenehm, dail der Grad der Verkleinerung bei jedem Bilde angegeben ist. Der textliche Inhalt erstreckt sich fiber das ganze Ge- biet photographischen Wissens. Er ist infolge dessen auilerordentlich anregend und bietet jedem etwas und vor allem sind die vorhandenen Arbeiten zeitgemad. Die An- gabe einiger Titel moge das zeigen. K. Schneider, Wien, schreibt fiber Bedeutung und Aufgaben der Amateurphoto- graphie, Prof. Kassner, Berlin, fiber Atmosphare und Land- schaftsphotographie, ein recht wichtiges Kapitel! Dann kommen an die Reihe die Hochgebirgsphotographie, der Gummidruck, dieTonwerte, Wahl der Handkamera, Wie ein Bild entsteht u. v. a. m. Im Anhang werden die Fort- schritte der Technik besprochen, fiber Ausstellungen be- richtet, Gedenktage angeffihrt, Amateurphotographen- Vereine und die wichtigsten Erscheinungen der photogra phischen Literatur aus den letzten Jahren aufgezahlt. Das preiswerte Jahrbuch ziert jede Bfichersammlung. Ad. Petzendorfers Schriftenatlas,neue Folge. Stuttgart. Ver lag von Julius Hoffmann. 18 Hefte zu je M. 1.Der erste Band dieses unter dem Titel Petzendorfers Atlas allgemein bekannten und in gewissem Sinne einzig dastehenden Vor- lagen- und Nachschlagewerks erschien vor etwa 15Jahren, d. h. zu einer Zeit wo es sich ffir den Verfasser und Herausgeber nur darum handeln konnte, eine gutgewahlte Zusammenstellung der hauptsachlichsten im Gebrauch befindlichen Druckschriften zu geben. Neben den alther- gebrachten Formen der Antiqua und Fraktur bildeten noch einige Phantasieschriften und von Amerika fibernommene Schriften neben einer guten Auswahl Monogramme und stilvoller Initialen den weiteren Inhalt. Die Auswahl war keine allzugroile aber eine gute, so dail schon der erste Band damals und dann in derFolgezeit ein stets gern zur Hand genommenes Werk war. Der neue Band unter- scheidet sich von seinen Vorgangern zunachst durch die auBerordentliche Reichhaltigkeit des Inhaltes, der mit Recht ein internationaler genannt werden kann. Er umfailt Schriften, Initialen, Monogramme, Ornamente usw. in denkbar groilter Auswahl. Neben den hauptsachlichsten Erzeugnissen der deutschen und auslandischen Schrift- gieilereien, fanden auch zahlreiche Originalarbeiten an- gesehener Kfinstler Aufnahme. Ich nenne hier nur einige Namen: P. Behrens, J. V. Cissarz, M. J. Gradl, O. Hupp, Otto Eckmann, P. Schnorr, Auriol, Lemmen, Grasset, Du- frene. Der Inhalt des Bandes ist demnach geeignet, An- regungen mannigfachster Art zu geben. Wenn auch bei der Vielseitigkeit des Gebotenen fast die Beffirchtung aufkommen kann, der neue Band werde vielleicht zu oft als direktes Vorlagewerk dienen, so liegt doch in der erfolgten reichlichen Aufnahme kiinstlerischer Er- zeugnisse eine gewisse Sicherheit daffir, dail selbst beim direkten Kopieren der Atlas seinen Zweck noch erffillt. Neben dem praktischen Zwecke eines Vorlagen- werkes dfirfte der neue Band aber auch als Nach- schlagebuch wertvolle Dienste leisten, denn sein Inhalt bildet gleichsam eine treffliche Illustration zur Geschichte der Schriftentwicklung. Welch unendliche Arbeit auf dem Schriftgebiete in den verflossenen zehn Jahren verrichtet worden ist, welche Wandlungen die Schrift in dieser Zeit durchgemacht hat, das ist ersichtlich bei aufmerksamer Prfifung der zahlreichen Blatter des Atlas. Enthalt der altere erste Band mehr das Historische, so findet sich im neuen Bande das Ergebnis der unter dem Einflull der mo- dernen kfinstlerischen Bewegung geleisteten Arbeit. Dad sich unter dem Vielen auch manches Verfehlte, Unkfinst- lerische befindet, darf nicht unerwahnt bleiben. Bei den vielseitigen Ansprfichen an ein solches Werk und bei der Schwierigkeit der Zusammenstellung ist dies aber kaum zu vermeiden. Das Werk im ganzen, insbesondere aber der neue Band bildet eine ganz hervorragende kunstgewerb- liche Erscheinung, deren Erwerb jeder Bibliothek anzu- empfehlen ist. Auch als Druckwerk allein verdient der Band Beachtung, denn auf seine drucktechnische Aus- ffihrung ist alle Sorgfalt verwendet worden. S. Grisebach, Weltliteratur- Katalog. Mit literarischen und bibliographischen Anmerkungen vonEduard Grisebach. Zweite, durchweg verbesserte und starkvermehrte Auflage. Berlin 1905. Verlag von B. Behr. Die zweite Auflage des 1888 erschienener. Katalogs. Das Buch eines Mannes, der in der Welt zu Hause ist, dementsprechend ein Stfick Welt gebend und doch eben auch ein Haus. Und das ge- rade ist der Reiz dieses Katalogs. Er besitzt nicht Voll- standigkeit, die ja doch nur auf dem Papier der Biblio- graphien steht, bietet daffir aber jene Rundung, die das Zeichen feingebildeten Geistes ist. Keine nebelhafte 71

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 35