ARCHIV FUR BUCHGEWERBE auf der Handpresse in Originaldruck als auch auf der Schnellpresse in Auflagen bis zu 10000 Bogen und mehr hergestellt, und der Erfolg kann im Hinblick auf die zu iiberwindenden Schwierigkeiten aller Art, die nicht im Verfahren, wohl aber in den Nebenum- standen begriindet liegen, als ein sehr befriedigender angesehen werden. Damit will ich nicht gesagt haben, dalJ das Zink- druckverfahren des Dr. Strecker als vollstandig reif und in sich abgeschlossen anzusehen ist, und daG es eine Weiterentwicklung nicht mehr notig hatte. Auch mochte ich nicht den Anschein erwecken, als hatte sich seine Einfiihrung nach der rein technischen Seite so ganz leicht und schmerzlos vollzogen. Es hat auch hierbei, wie bei alien Neuerungen, an un- liebsamen Uberraschungen aller Art nicht gefehlt und das Lehrgeld ist von uns in ausgiebigem MaGe bezahlt worden. Wenn ich jetzt trotzdem dem neuen Zinkdruckverfahren das Wort rede, so tue ich solches in dem BewuGtsein, daG der weitaus groGteTeil aller anfanglichen MiGerfolge nicht auf die Rechnung der Streckerschen Erfindung zu setzen ist, sondern daG diese zuriickgefiihrt werden miissen auf die unsach- gemaGe Behandlung seitens unsrer Angestellten und auf die oft an Verbohrtheit grenzende Abneigung des Steindruckers jeder neuen Drucktechnik gegeniiber. Dazu kommt die ungliickliche Sucht der Drucker, von welcher der beste unter ihnen kaum ganz frei ist, dem Erfinder nun auch seinerseits etwas nachzu- helfen durch verschwiegenes Probieren eigner, extra „erfundener" Geheimmittel, und das Ungliick ist fertig. Es muG und wird immer zu MiGerfolgen fiihren, wenn ein Steindrucker seine speziellen beim Stein- druck gesammelten Erfahrungen gedankenlos beim Metalldruck verwendet; wie oft das geschieht und wie oft dann der Metalldruck fur die schlechten Er- gebnisse verantwortlich gemacht wird, davon konnen die Erfinder der Algraphie ein Lied singen. Gerade so verkehrt ist es, wenn der Aluminiumdrucker glaubt, beim neuen Zz'nfcdruck seine Mittel und Mittelchen in Anwendung bringen zu miissen, um die Sache zu einem guten Ende zu fiihren. Absolute Unterordnung unter die Vorschriften des Erfinders, genaueste Be- folgung und Einhaltung seiner Anordnungen und moglichste Unterdriickung jeder eignen Intention bieten im Anfang alleinige Gewahr fur gutes Ge- lingen. Sind dann die Hauptgrundsatze eines neuen Verfahrens erst in Fleisch und Blut iibergegangen, „sitzt" das Grundlegende der neuen Technik, dann wird ein denkender Drucker dem Erfinder fraglos manch guten Rat und manchen praktischen Wink zum Besten der Sache geben konnen, dann und nicht friiher ist der Zeitpunkt gekommen, wo der Drucker durch seine jahrelange Erfahrung und durch logisches Nachdenken ein neues Verfahren fordern kann. Das Streckersche Zinkdruckverfahren ist im Ver- gleich zum Aluminiumdruck, ja selbst zum Stein- druck, einfach zu nennen. Seine Erlernung setzt nur eine in gutem Zustande befindliche Presse und guten Willen bei einem halbwegs intelligenten Drucker voraus. GroGte Sauberkeit ist Hauptbedingung. Die Eigenart der Technik bringt es mit sich, daG reich- lich Verwendung von reinem Wasser notig ist. Jede Sparsamkeit in diesem Punkte racht sich bitter. Auf Einzelheiten der Wasseranwendung werde ich zuriick- kommen; ich mochte nur ganz allgemein dieses wichtigen Punktes schon hier einleitend Erwahnung tun und dabei gleichzeitig nochmals betonen, daG gerade fur den Anfang strikte Befolgung der ge- gebenen Vorschriften unbedingt notig ist, sollen giinstige und fur den GroGunternehmer lohnende Er- gebnisse erreicht werden. Die Zinkplatte. Man benutzt als Druckplatten solches Zink, welches glatt gerichtet ist und dessen Oberflachen rein ge- schliffen sind. Die chemische Reinheit ist von ver- haltnismaGig geringem EinfluG, denn die Qualitaten, welche am Markte sind, geben gleich zuverlassige Ergebnisse. Es ist auch fiir den Druck gleichgultig, ob hartes oder weiches Zink genommen wird, ledig- lich die gute sorgfaltige Behandlung der Oberflache der Platte ist fiir ein gutes Ergebnis maGgebend. Das ungeatzte gefeuchtete Zink oxydiert in trock- nendem Zustande durch den Zutritt von Luft und kann auch unbeschadet eine Oxydhaut bekommen. Doch ist beim Schleifen und beim Arbeiten beim An-, Um- und Fortdrucken immer darauf zu achten, daG die Platte entweder vollstandig naC ist, oder daG sie rasch getrocknet wird. Die Zinkplatte wird glatt oder gekornt verarbeitet. Der Preis fiir die glatte Platte betragt bei gleicher Ausdehnung etwa 1/3 bis ]/7, je nach Qualitat, vom Preis der Aluminiumplatte, und etwa yi5 bis 1/i0 vom Steinpreis, d. h. in Zahlen ausgedruckt: eine glatte Zinkplatte kostet per Quadratmeter etwa Mark 3. bis Mark 6.eine Aluminiumplattte etwa Mark 20. ein Stein guter Qualitat etwa Mark 100.bis Mark 150. Dabei kann die Zinkplatte wiederholt benutzt werden, vorausgesetzt, daG nicht iibermaGig tief ge- schabt wurde. Aber selbst wenn dies der Fall ge- wesen ist, laGt sich immer noch die Riickseite der Platte fiir eine Reihe von Druckzwecken benutzen, wenn sie als K'ornplatte auch weitgehenden An- forderungen nicht mehr geniigen sollte. Die Kornplatte stellt sich im Preise etwas teurer als die glatte Platte, sie kostet etwa Mark 6.bis Mark 8.fiir den Quadratmeter. Wird stark ge- schabt, so ist sie nicht mehr zubrauchen, es sei denn auf der Riickseite und als glatte Platte, dasselbe gilt 43 6*

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 7