ARCHIV FUR BUCHGE WERBE ziiglich ausfiihren und, was die Hauptsache ist, ge- schabte Stellen bleiben bei sachgemafier Behandlung im Fortdruck gut offen. Vor der Atzung ist die Zeichnung mit Talkum ab- zureiben, damit die Tusche sich weniger leicht in der Atze lost. Als Atze verwendet man die 3% bis 41/2%ige Normalatze MH. Bei einfachen Arbeiten geniigt der gewohnliche Atzprozefi: mit breitem Atzpinsel wird die Zinkatze gleichmafiig auf der Platte verstrichen; man lafit die Atze etwa zwei Minuten unter haufi- ger Verteilung mit Pinsel oder Schwamm stehen, wascht dann die Atze sauber ab und gummiert. Hier- auf mit Lithofine unter Gummi auswaschen, mit frischer Federfarbe anwalzen, bis die ganze Platte gedeckt ist, leicht feuchten und die iiberfliissige Farbe abwalzen. Nun wieder gummieren und trocken machen. Wertvollere Arbeiten, besonders Kreidezeich- nungen, werden bei uns sorgfaltiger behandelt: Geatzt wird gleichfalls mit 3%iger Normalatze, die aber nicht stehen bleibt, sondern langstens etwa V2 Minute unter vorsichtigem Verteilen mit dem Atz pinsel auf die Platte einwirkt. Nun wird rasch, aber sorgfaltig mit frischem Wasser die Atze abgewaschen und diinn gummiert. Man laBt den Gummi gut trocknen und wascht die Zeichnung unter Gummi mit Lithofine aus, lafit die Lithofine kurzeZeit auf der Platte stehen, walzt dann mit frischer Federfarbe die ganze Platte zu, feuchtet leicht mit reinem Wasser und walzt nun die iiberfliissige Farbe ab, bis die Zeichnung klar erscheint. Nun pudert man die Zeichnung mit Talkum oder Kolophonium ein und atzt nochmals, und zwar etwa 2 Minuten mit 4 iger Umdruckatze, worauf die Platte gummiert wird und nun druckfertig ist. Der- artig behandelte Originalplatten sind sehr widerstands- fahig. Der Bleistiftdruck. So mochte ich ein Verfahren taufen, welches mir bestimmt scheint, fur die als Graphiker tatigen Kiinstler eins der Hauptausdruckmittel der Zukunft zu werden. Mit einfacheren und fur den Kiinstler urspriing- licheren Mitteln diirfte wohl kein Reproduktions- verfahren arbeiten. Man bezeichnet mit dem Bleistift die Zinkplatte, genau so, wie man auf dem Papier zeichnet, be- dient sich beim Zeichnen auf Zink zur Entfernung von zeichnerischen Unrichtigkeiten des Radier- gummis, genau wie beim Papier, atzt sodann die Zeichnung, und kann nun beliebig viele Abziige machen. Diese Abziige entsprechen in ihrer Wirkung durch- aus und bis auf kleinste Einzelheiten dem Eindruck einer Original-Bleistiftzeichnung. Die Zinkplatte wird vor dem Zeichnen nicht pra- pariert, sie bekommt keine Oberflachenschicht, wird auch nicht geatzt. Die Kornstarke des Zinks wahle man beliebig; die Harte des Stiftes hat auf die Druckfahigkeit keinen Einflufi. Zarte, mit hartem Bleistift hergestellte Zeich- nungen behielten ihre charakteristische Klarheit auch in den allerleisesten Partien; andre, mit Koh- inoor 6B gezeichnete, zeigten die voile Kraft der derben und satten Striche. Radierte Stellen blieben vollstandig weg; geschah die Radierung nur oberflachlich, so zeigte sich beim Druck an diesen Stellen ein leichter grauer Schim- mer, wie man ihn auch bei nachlassig radierten Stellen bei Zeichnungen auf Papier wahrnimmt. Geatzt wurde wie iiblich, nur wurde die Normal atze leicht verdiinnt mit Gummi und nicht auf der Platte stehen gelassen. Es wurde nicht ausgewaschen, sondern die Zeichnung direkt angewalzt. Darauf wurde nochmals kurz geatzt. Bei einem andern Versuch wurde die Bleistiftzeichnung zuerst gummiert, dann unter Gummi mit Lithofine aus gewaschen, angewalzt und dann geatzt. Das Ergebnis entsprach dem vorigen, nur waren die Drucke im ganzen etwas voller. Mir ist das Bleistiftzeichnen auf der geatzten Alu- miniumplatte wohl bekannt, ich lasse es des oftern in meiner Unterrichtsabteilung von den Schiilern ausiiben. Aber ich halte das Verfahren nicht fur zuverlassig, finde auch, dafi die Ergebnisse leicht langweilig wirken, da ahnlich wie bei der Steingravur der Strich monoton wirkt und sich lockere oder geschlossene Tone iiberhaupt nicht herstellen lassen. Ganz anders dieser Bleistiftdruck von Zink. Hier scheint mir das Schlagwort von dem „Skizzenbuch aus Lithographiesteinen" zurWirklichkeit zu werden, denn alles, was sich mit dem Stift auf Papier zeichnen lafit, lafit sich vom Zink drucken, das Material aber ist das jedem Kiinstler vertraute: Bleistift und Radiergummi. Der Umdruck. Der Umdruck unterscheidet sich nur wenig vom Steinumdruck. Nachdem die Platte mit der leichten Salpetersaurelosung abgewaschen und mit reinem Wasser abgespiilt ist, ist sie zum Uberdruck fertig. Der Abzug darf nicht zu fett sein, eher etwas leicht, aber scharf. Nach dem mehrfachen Durchziehen mit Tusche nachhelfen, wenn es notig sein sollte. Dann gummieren, trocken machen, mit Lithofine aus waschen, ohne Wasser auf die Platte zu bringen mit frischer Federfarbe anwalzen, bis die ganze Platte ge deckt ist, leicht feuchten und nun die iiberfliissige Farbe abwalzen. Ist Nachdecken notig, so helfe man mit Tusche ohne vorher zu talkumieren nach, dann talkumieren und etwa 23 Minuten atzen. 45

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1906 | | page 9