len AbschluB des Bildes nach oben bilden. Eine groBe rote or- Weintraube, deren Ranken im Laube der Baume verschwinden, ent hangt auf den Rand des Schriftstreifens herab. nd Die Seite links von der Schrift ist leider stark beschadigt, zu und man kann nicht mit Sicherheit angeben, ob etwa noch rn, mehrere solche Schriftstreifen mit umgebender Malerei hier er- abgerissen sind. ten Jedenfalls ist hervorzuheben, daB die Anordnung der auch on hier den AbschluB bildenden Baumchen etwas anders ist als ur- auf dem oben beschriebenen Teile des Blattes; auch hangt er- die hier dargestellte Traube asymmetrisch. Der UmriB der Oestalt eines schopftragenden Vogels findet sich auf der len Krone des ersten Baumchens dieser Gruppe (nach rechts). re- Man sieht noch Reste des Blattgolds, auf dem die Gliederung lie der Fltigel usw. aufgemalt war. Die wieder in zwei ver- in- schiedenen Nuancen von Rot dargestellten Blumen der Baume lit- zeigen einen weiBen Rand. Endlich entspricht zwar die linke obere Bilderreihe der oberen Reihe des rechten Teiles, )e- die untere Reihe links aber muB ganz andre Figuren ent- ni- halten haben als die entsprechende Reihe rechts, denn der en einzige Rest der ersten Gestalt dieser Reihe zeigt uns einen nit Teil der Haupthaare und den groBen, merkwurdig geformten je- Hut mit umgehangter roter Scharpe, deren Enden iiber den un Nacken der dazugehorigen Person herabzufallen scheinen. le- Ein Teil der noch sonderbareren Kopfbedeckung der nachst- 1a- folgenden Figur ist ebenfalls erhalten. rat Ob aus diesen Abweichungen Schlusse auf die fruhere 1a- GroBe des Blattes zu ziehen sind, lasse ich dahingestellt. le. Der Hintergrund der Miniatur ist mit einer stumpfen, en blauen Farbe ausgefiillt, welche die dargestellten Figuren wirkungsvoll hervorhebt. tte Die Riickseite zeigt eine wesentlich andere Anordnung von lr- Malerei und Schrift. Die Schrift lauft hier von oben nach ds unten, nicht wie auf der Vorderseite von unten nach oben: in, man scheint also zur Zeit der Herstellung dieses Buches die in, Schrift von rechts nach links geschrieben, sie aber in ver- tikaler Richtung, gleichviel ob von oben nach unten oder von iat unten nach oben, gelesen zu haben. Diese Annahme wird bestatigt durch die Stellung der ig. Bilder zur Schrift; daB die Schrift von rechts nach links en geschrieben ist, geht aus dem Duktus hervor. ift Die Schrift ist in zwei iibereinandergeordnete Kolonnen ns geteilt, von denen die obere noch fiinf in scharlachroter Tinte geschriebene Zeilen enthalt, wahrend von der unteren ae Kolonne nur wenig mehr als zwei Zeilen in schwarzer Tinte er geschriebener Text erhalten sind. Ein schmaler, von zwei ht roten Strichen eingefaBter Zwischenraum trennt die beiden ft- Textkolonnen. Die in roter Schrift ausgefiihrten Zeilen ent er halten Angaben iiber den Inhalt, wie sie sich haufig am B- Ende eines Kapitels finden; die schwarz geschriebenen Zeilen lit dagegen enthielten den Namen eines Konigs, mutmaBlich m als Teil des leider verlorenen Datums. irt Auf der linken Seite befindet sich ein Teil des, in den rt manichaischen Buchern gemeinhin sich iiber mehrere auf- in einanderfolgende Seiten erstreckenden Titels. Dieser ist in ze olivengriiner Tinte geschrieben und wird eingefaBt von den Ranken eines gefalligen Blumenornaments, welche, in Gold :n und Farben ausgefiihrt, auf die Malereien des oberen Randes )e hiniibergreifen. Besondere Aufmerksamkeit verdientan diesem e, Ornament die ofter wiederkehrende fiinfblattrige Blume, die ig sich auch auf andern manichaischen Darstellungen vorfindet. \n Der obere Rand wird durch eine Gruppe musizierender r- Manner auf blauem Hintergrund eingenommen. Sie sitzen in auf Teppichen, deren unterer Rand einen geradlinigen Ab ie schlufi gegen das Rankenornament und die Schrift bildet. ;r Oberhalb des Rankenornaments sitzt eine mannliche Figur rs mit untergeschlagenen Beinen auf einem roten, rechteckigen n Teppich. Die Arme scheinen ein Musikinstrument gehalten t- zu haben; da jedoch von dieser Figur nur die Untermalung n erhalten ist, ist es nicht moglich, genauere Angaben zu n machen. Das Kleid war augenscheinlich als aus Goldbrokat ie hergestellt gedacht; Teile des Blattgolds sind erhalten, doch ist n die friiher aufgemalte Gliederung verschwunden. Der Kopf ist abgerissen, und diese Zerstorung macht auch die Bestimmung eines in Griin und Gold gemalten Gegenstandes zwischen dem Arm der Figur und der Ornamentranke unmoglich. Diese Ornamentranke trennt die eben beschriebene, allein sitzende Figur von einer Gruppe mannlicher Gestalten, die, auf den Fersen sitzend, auf einem schmalen griinen Teppiche Platz genommen haben. Die erste dieser Figuren tragt ein rotes Gewand mit groBen, viereckigen, eingewebten Blumen aus Goldbrokat. Es scheint seitlich geschlossen zu sein; durch den beim Sitzen nach vorn verschobenen Seitenschlitz sieht man die blauweiBen Unterkleider. Die Arme sind iiber der Brust verschrankt und die Hande in den weiten Armeln versteckt; das Haupt ist mit der sonder- baren Tiara bedeckt, welche wir aus den Wandgemalden der Ruinen von Ost-Turkistan als eine Kopfbedeckung der Vornehmen kennen. Die nachstfolgende Figur tragt dieselbe Tiara und ein Kleid desselben Schnittes, aber von blauer Farbe, mit kleeblatt- artigem rotweiBem Muster. Sie spielt auf einem Saiten- instrumente, welches mehr der indischen vina, weniger der arabo-persischen Laute gleicht. Das Instrument hat vier Saiten und wird vielleicht mit einem Plektrum gespielt. Endlich zeigt der Arm einer dritten sitzenden Figur am abgerissenen Rande, daB die Reihe der Darstellungen noch nicht abgeschlossen ist. Uber die Malweise kann man nur sagen, daB sie nicht fremdartig, sondern vertraut anmutet. Man wird sie einerseits auf eine spatantike Malschule zuriickfuhren und sie anderseits als Quelle der spateren beriihmten persischen Miniaturmalerei betrachten mussen. Die Farben stammen nach einer miind- lichen Mitteilung des Herrn J. R. Martin in Stockholm wahr- scheinlich aus Centralasien, vielleicht aber aus China. Der erhaltene Text ist zu unvollstandig, urn hier einge- hendere Behandlung zu verdienen; den Inhalt haben wir bereits angedeutet. Wenden wir uns vielmehr zu dem, was man iiber die Schrift als solche heute weiB. Es ist nicht viel, und erst ein grundliches Studium der zahlreichen verschiedenen, unter unseren Funden vertretenen Schriftproben dieser Art wird uns genauere Aufschliisse geben. Prof. F. W. K. Muller bereitet eine derartige Pu- blikation vor. Die weder ausfuhrlichen noch auf geniigendes Material gestiitzten Angaben friiherer Autoren sind etwa wie folgt zusammenzufassen. Die Schrift der Uiguren ist aus einer semitischen Buch- stabenschrift entstanden. Es ist augenblicklich noch nicht moglich, ihren Ursprung auf eine der bekannten semitischen Schriftarten mit Sicherheit zuriickzufiihren, doch bieten sich gewisse Anhaltspunkte fur die Annahme, daB die uigurischen Buchstaben aus einem syrischen, den Tiirken durch ihre Nachbarn oder durch die syrischen Christen ubermittelten Alphabet entstanden sind. Nicht weniger unsicher ist ihr Alter, doch ist es nach Untersuchung der Manuskriptfunde der preuBischen Expeditionen nach Ost-Turkistan sehr wahr- scheinlich, daB sie bereits im 8. Jahrhundert n. Chr. eben- dort in vollendet kalligraphischer Weise geschrieben wurde. Sie beherrschte jahrhundertelang die buddhistische Kulturwelt Centralasiens; die heutige Schrift der Mongolen wurde im 13. Jahrhundert aus ihr abgeleitet. Das Alphabet umfaBt 20 Buchstaben; die Schrift wurde von rechts nach links oder auch von oben nach unten ge schrieben. Das letztere Verfahren fand besonders bei der Herstellung von Briefen, Kaufvertragen und anderen, dem biirgerlichen Verkehr dienenden Dokumenten Verwendung, in denen die Schrift zur Kursive wird. Die mit besonderer Sorg- falt hergestellten religiosen Texte, gleichviel ob christlichen, manichaischen oder buddhistischen Inhalts, sind dagegen augenscheinlich meistens von rechts nach links geschrieben. Diese religiosen Texte wurden mit einer Rohrfeder aus gefiihrt, welche, wenn man nach unsern Fundstucken Schlusse ziehen darf, der noch heute in Marokko verwen- deten Feder sehr ahnlich war. Zum Schreiben der Kursiv- schrift diente dagegen der chinesische Pinsel.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1908 | | page 77