Ill A tme\ A um «d4m 11 mm i ^H^iiiimiiiiiiiiiimiiiiimiiiiiiiiii Man schrieb gewohnlich mit schwarzer Tinte oder Tusche, haufig aber auch mit farbigen Tuschen, unter denen die scharlachrote am haufigsten auftritt. Seltener wurden karmin- rote, blaue, grime, gelbe und braunliche Tuschen benutzt. Besonders in manichaischen Biichern waren die Uberschriften der Seiten gemeinhin in bunten Tinten geschrieben. Die Biicher wurden in sehr verschiedener Weise hergestellt. Es finden sich Rollen, geheftete Biicher, indische »pothi« und Faltbiicher. [Das indische Buch oder pothi besteht aus einer Lage von langlichen, einzeln aufeinandergelegten, numerierten Blattern, die zwischen zwei Brettchen derselben Form gelegt werden. Eine Schnur wird durch die genau an derselben Stelle in den Deckeln wie in den Blattern angebrachten Locher gezogen und um das Buch gewickelt.] Da wir im Begriff sind, unsere buddhistischen uigurischen Texte herauszugeben und es bei der ungeheueren Menge dieses Materials der zu hohen Kosten halber unmoglich ist, sich zur Wiedergabe ausschlieBlich der Autotypie zu bedienen, wurde die Reichsdruckerei auf Prof. Mullers Antrag von der Koniglich PreuBischen Akademie der Wissenschaften beauf- tragt, nach von mir gelieferten Vorbildern einen uigurischen Schriftsatz herstellen zu lassen. Die Reichsdruckerei begann sofort die Arbeit, und es gelang der auBerordentlichen Oeschicklichkeit ihrer Angestellten, einen Satz uigurischer Typen zu schaffen, welcher die aus- drucksvolle Schrift des alten tiirkischen Kulturvolks in einer geradezu glanzenden Weise wiedergibt. Dies Resultat ist um so erfreulicher, als der von der Russischen Akademie der Wissen schaften in St. Petersburg hergestellte uigurische Schriftsatz nach einer ungeschickt gewahlten, unschonen, spaten und darum nicht typischen Handschrift hergestellt ist, so dafi die Typen steif und haBIich sind, die Unvollstandigkeit des Satzes aber auBerdem seine Verwendung zur Wiedergabe guter alter Handschriften unmoglich macht. Die Herstellung der Typen war mit bedeutenden Schwierig- keiten verkniipft, iiber welche hier der fachmannische Bericht folgen moge. »Uberaus schwierig und umstandlich gestaltete sich die Herstellung der uigurischen Typen. Nachdem im Museum die Schriftbilder fur die einzelnen Buchstaben und Liga- turen aus den verschiedenen uigurischen Bruchstucken miih- selig herausgesucht und aufgezeichnet worden waren, unter- nahm die Reichsdruckerei, sie von einem geschickten Graveur nachzeichnen und die Stempel vom Schriftschneider herstellen zu lassen. Die zahlreichen Uberhange, Schwanze usw., die durch die notwendige getreue Wiedergabe des schragen Duktus des geschriebenen Uigurisch bedingt waren, lieBen eine Aneinanderreihung der uigurischen Typen nach Art anderer orientalischer Typen (z. B. arabischer oder syrischer) nicht zu. Vielmehr muBte bei alien Typen, bei denen rechts oder links oder auf beiden Seiten ein AnschluB notwendig war, diesem eine schrage Form gegeben werden, z. B.: Nach Art unserer heutigen Schreibschrifttypen, d. h. mit weiten Oberhangen, lieB sich der GuB ebenfalls nicht bewerkstelligen. In diesem Falle war es nicht zu vermeiden, daB beim Druck der 115 verschiedenen Typen leicht Be- schadigungen vorkamen, die sowohl vom Setzer als auch vom Korrektor, denen die Schrift doch fremd war, sehr leicht iibersehen werden konnten. Es muBte also eine Form gefunden werden, bei der die in der Schnellpresse leicht ab- brechenden Uberhange vermieden und der schrage AnschluB moglich war. Die Umbildung der rechteckigen Typenkorper in rautenformige wie bei den ganz alten Schreibschriften ist versucht worden, scheiterte aber daran, daB derartige Typen nicht regelrecht behandelt werden konnten und besonders daran, daB ein korrektes AusschlieBen unmoglich war. End- lich wurde die Schwierigkeit dadurch gelost, daB der Typen korper die in Aufsicht wiedergegebene Form erhielt: II1|I§ Auch der AusschluB hat diese Form, und am Anfang und Ende jeder Zeile sind Fiillstucke vorgesehen, deren Gestalt aus der vorstehenden Zeichnung gleichfalls ersichtlich ist.« Als Beweis fiir unsere Behauptung, daB die Herstellung der Typen glanzend gelungen sei, moge hier folgende Wieder gabe, im Druck, eines uigurischen Manuskripts folgen. ^4* c«> jujui* £44 jUU. >4 Jidg »rA VI> - >4 fi4 Vm«\ A. von LE COQ.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1908 | | page 78