ARCHIV FOR BUCHGEWERBE sache, daB diese Probenhefte der SchriftgieBereien fast stets typographische Musterleistungen sind, die auch den Nichtkaufer, den Buchgewerbler, den Kunst- freund und nicht zuletzt den Fachmann in hohem MaBe interessieren und mit Befriedigung erfiillen. Einige solcher Hefte liegen auch im neuen Jahre schon wieder vor, gewissermaBen als Vorboten des noch Kommenden. Die Firma Gebr. Klingspor in Offenbach a.M. bringt in gewohnter schonerZusammenstellung Proben ihrer, in der Zeit von 1906 bis 1911 entstandenen Fraktur nach Zeichnungen des Meisters Otto Hupp. Die Bild- wirkung dieser prachtigen, klaren und deutlichen Schrift ist die der jetzt so bevorzugten kraftigen alteren Frakturschriften, jedoch mit einigen Schwab- achermerkmalen in den GroBbuchstaben, die der Schrift eine bestimmte Eigenart geben. Die Schrift macht in den Anwendungen einen sehr gefalligen Eindruck, etwas storend wirken S und J in der Schrift, zumal dann, wenn eine Anhaufung dieser Buchstaben durch den Text gegeben ist. Einige Garnituren Initialen ergiinzen die Schrift sehr vorteilhaft. Die Hupp-Fraktur wird dem Kreis der Frakturfreunde, die sich neuer- lich aller Gegenbestrebungen zum Trotz so sehr mehrten, ein willkommenes Erzeugnis sein. Als vorteilhafte Erganzung ihrerTiemann-Mediaval hat die Firma Gebr.Klingspor in Offenbach a.M. nun- mehr die aus 16 Graden bestehende HalbfetteTiemann- Mediaval herausgebracht. Diese halbfette Schrift hat mehr als die magere Garnitur einen Einschlag in die verbreiteten romanischen Antiquaschriften, was aber hauptsachlich in der gewahlten, an sich sehr gut getroffenen Fette liegen mag. Als Auszeichnung zur mageren Schrift wird sich die halbfette nicht minder gut eignen, als wie zur Herstellung ganzer Arbeiten, wobei der Versalsatz eine bessere, geschlossenere Bildwirkung ergibt, als wie die fortlaufendenText auf- weisenden Satzstiicke. Sehr zu begriiBen ist die durch die Eigenart derUnterschneidung erzielte Vermeidung von auffalligen Abstanden in den Versalienzeilen, die letzteren machen einen ganz vortrefflichen Eindruck. DieMessinglinienfabrikC.RiigerinLeipzighatsoeben eine gedrangte Probe ihrer Erzeugnisse herausge- geben. Das sprode Messingmaterial laBt eine eigent- liche fortschreitende Produktion nicht zu und so miissen sich die Messinglinienfabriken damit be- gniigen, ihre Starke in der erhohten Leistungsfahig- keit zu beweisen. Der vorliegende Probenauszug gibt eine auflergewohnlich groBe Anzahl in Linienmustern aller Art, daneben Muster von Ecken, Kreisen, Zier- linien, Einfassungen, Schmuckstiicken und vielem andern mehr, woraus hervorgeht, dafl die Firma C. Riiger alien Anforderungen gerecht zu werden imstande ist. Die Firma J. G. Schelter Giesecke in Leipzig zeigt in einem 16seitigen Heft eine groBe Anzahl sehr schoner Schmuckstiicke von dekorativer Wirkung, teils ornamentaler, teils figiirlicher Form nach Zeich nungen von H.Keune und einigen andern Kiinstlern. Die Mehrzahl der Stiicke lafit sich fiir die verschie- densten Zwecke verwenden, da sie in den Motiven neutralzumeist kartuschenformig angelegt sind. Wunschkarten, Etiketts, Besuchskarten, Briefkopfe u. a. m. konnen mit den Vignetten wirksam ausge- schmiickt werden. Die Schriftgiefierei D.StempelA.-G. in Frankfurt a.M. hat in einem umfangreichen Probenheft ihr sogenann- tes Zeitungsmaterial in stattlicher Form vereinigt. Neben alteren und neueren Brotschrift-Garnituren fanden im Hefte die etwa im Laufe der letzten zehn Jahre entstandenen Titelschriftgarnituren kraftigeren Schnittes Aufnahme. Es ist hier eine ganz auBer- ordentliche Auswahl geboten und zugleich ein Bild der andauernden Schaffensfreudigkeit dieser Firma gegeben. Zu wiinschen ware nur, daB unsre deut- schen Zeitungen mehr und mehr solches Schaffen anerkennen und daran gehen, ihre veralteten Schrift- bestande aufzubessern; leider bleibt in dieser Be- ziehung besonders im deutschen Blatterwalde noch sehr vieles zu wiinschen iibrig. Eine groBe Aus wahl von Inserat-Einfassungen, Vignetten und andern Sachen fur Zeitungsbedarf bilden den SchluB des mit zahlreichen Anwendungsproben versehenen Heftes. Chronos. Buchbinderei. Empirestempel und ihre Anwendungen. Die Firma Dornemann&Co., Magdeburg, Gravieranstalt macht es sich in letzter Zeit zur Aufgabe, den Geschafts- freunden ihre Stempelerzeugnisse fur den Handver- golder in der Buchbinderei durch Beispiele der Verwendbarkeit vorzufiihren. Sie gewinnt sich zu diesem Zv/ecke unsre besten Meister in dieser Kunst. So folgen auf die Anwendungen englischer Stempel von P. Kersten-Berlin nunmehr Empirestempel, die von E. Andersen in Rom herausgegeben sind. Die einzel- nen Hefte, die in einfacher, einheitlicher geschmack- voller Ausfiihrung erscheinen, werden kostenlos fiir Interessenten von der Firma ausgegeben. Ob die Firma mit dem neuesten Hefte einen gliicklichen Griff getanhat, willich nicht untersuchen. DasStilkopieren hat immer einen guten Lehrzweck und muB auch bei einzelnen dahin fuhrenden Biichern in der Anwendung anerkannt werden, aber fiir eine allgemeine Einfiih- rung in das Buchgewerbe wird Deutschland nicht der geeignete Boden sein. Italien und besonders Frank- reich ist hierfiir wohl empfanglicher und durften dem Absatz dahin keine Schranken geboten sein. Die An wendung der gezeichneten Stempel von Andersen sind gut zu nennen; aber mit der Anzahl der Stempel ist des Guten doch zuviel getan. Etwa 160 Vari- anten, die einen Gesamtwert von iiber 1000 Mark 30

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1912 | | page 38