Buchgewerbliche Rundschau ARCHIV FUR BUCHGEWERBE Ausstellungswesen. Buchgewerbliche Weltausstellung Leipzig 1914. Von den fur die Ausstellung geplanten ver- schiedenen Sonderabteilungen hat sich inzwischen auch die Gruppe: Die Frau im Buchgewerbe gebildet. Zur Durchfiihrung dieser Gruppe hatte sich das Kar tell Deutscher Frauenklubs bereit erklart und in einer vor kurzem abgehaltenen konstituierenden Sitzung wurde zunachst ein engerer AusschuG gebildet, wel- cher die Organisationsarbeiten derGruppe leiten wird. Den Vorsitz ubernahmen Ihre Exzellenz Frau Marie vonLeyden-BerlinundFrauleinDr.KatheWindscheid- Leipzig, weitere Mitglieder des engeren Ausschusses sind: Frau Magdalene Berger-Jahns, Frau Elisabeth Gadegast-Platzmann, Frau Helene Kroeber, Fraulein Adele Luxenberg, Frau Camilla Miiller-Zehme, Frau Helene Skutsch, Frau Use Wendtland-Muller-Hartung, samtlich in Leipzig. Es ist beabsichtigt, in der Gruppe die heute beson- ders interessante Frage der kiinstlerischen und ge- werblichen Betatigung des weiblichen Geschlechts auf dem Gebiete des Buchgewerbes und der Graphik gesondert zur Darstellung zu bringen und wurde hier- fiir folgende eigene Gruppeneinteilung Festgelegt: 1. Geschichtliche Abteilung (Entwicklung der weib lichen Betatigung auf dem gesamten Gebiete von Graphik und Buchkunst). 2. Freie und angewandte Graphik, Buchkunst. 3. Unterricht (Lehr- und Stundenplane, Zeichnun- gen, Modelle und ahnliches Unterrichtsmaterial, Schiilerarbeiten, Graphik in der Schule). 4. Bucherzeugung: Papiererzeugung, Farbenerzeu- gung, Druckverfahren, Buchbinderei. 5. Schreibwesen. 6. Photographie und Reproduktionstechnik. 7. Buch- und Kunsthandel. 8. Musik. 9. Presse. 10. Reklamearbeiten und Werbemittel. 11. Bibliothekswesen und Bibliographic, Bibliophilie und Sammelwesen. 12. Schutz- und Wohlfahrtseinrichtungen. Der geschaftsfiihrende AusschuG wendet sich nun an alle Frauen, welche auf obigen Gebieten tatig sind, mit der Bitte um tatkraftige Unterstiitzung, und zwar soli nicht nur das Inland, sondern soweit dies mog- lich auch das Ausland mit herangezogen werden. Im Interesse einer gelungenen Durchfiihrung des Gedan- kens ist es recht zu wunschen, daft sich moglichst alle beteiligten Frauen an den AusschuG wenden, damit auf der buchgewerblichen Weltausstellung auch die Frau in dem ihr zukommenden MaGe wurdig vertreten ist. Zuschriften sind zu richten an den Frauenklub Leipzig 1906, Zentralstelle Leipzig, FelixstraGe 6,1. SchriftgieBerei. Bernhard - Initialen, herausgegeben von der Schriftgiefierei F. Flinsch, Frankfurt a. M. Zu seiner bekannten Antiqua hat der Berliner Reklamekiinstler Lucian Bernhard besondere Initialen gezeichnet, die noch mehr wie die Bernhard-Antiqua selbst haupt- sachlich Reklamezwecken zu dienen geeignet sind. Sie basieren auf der einfachen Form der Antiqua mit sehr breiten Grundstrichen. Die Anlaufe oder Aus- gange sind in entsprechender Weise mit Spiralen versehen, die der Schrift den grotesken Charakter verleihen. Die Initialen sind vor allem in Versalsatz als Mittel besonders starker Auszeichnung gut zu gebrauchen. Bravour. Eine neue Reklametype der Schrift giefierei D. Stempel, A. G., Frankfurt a. M. Auf den von dem Berliner Reklamekiinstler Jakoby-Boy ent- worfenen Inseraten konnte man schon lange Zeit eine merkwiirdig diinne, sehr auffallende und wirksame Schrift beobachten; es ist dieselbe, die jetzt dieSchrift- gieGerei Stempel unter dem Namen Bravour heraus- gibt. Die Schrift erscheint in drei Garnituren, einer mageren, halbfetten und fetten, von denen die erste sich am meisten von der Norm entfernt, vor allem dadurch, daG ihre Striche gleich stark bzw. gleich diinn sind, ohne daG ein An- oder Abschwellen der Linien zu konstatieren ware. Im ubrigen ist die Type sehr breit, die Versalien und die Buchstaben mit Ober- und Unterlangen sind nicht sehr viel groGer als die Gemeinen, in der Gesamterscheinung ist die Type bei allerOriginalitat klar und leserlich. Einiges Ornamentmaterial erhoht noch die Brauchbarkeit der Bravour, die sich nach alledem als eine recht gute neue Reklame- und Akzidenzschrift darstellt. Neuer Akzidenz- und Kalenderschmuck nach Entwiirfen von Professor Hugo Steiner-Prag. Heraus gegeben von C.F.Riihl, Leipzig 1912. Der neue Akzi denz- und Kalenderschmuck, den Professor Hugo Steiner-Prag fur die SchriftgieGerei C. F. Riihl entwor- fen hat, kommt zu einergiinstigen Zeit. Man beginnt der streng architektonischen Richtung im Buchschmuck, wie sieBehrens oderEhmcke mit soviel Erfolgpflegen, etwas miide zu werden, daher wird dieser neue Schmuck alien willkommen sein. Steiner-Prag ist ja von jeher hauptsachlich Ornamentkunstler gewesen, daher durfte man gespannt sein, wie er die Aufgabe losen wiirde, seine phantasievolle Kunst dem sproden Materiale des SchriftgieGers anzupassen. Die Frucht dieser Bemiihungen, wie sie uns in dem neuesten Musterheft der Ruhlschen SchriftgieGerei vorliegt, wird eine ganz wesentliche Bereicherung des Zier- materials darstellen, das dem modernen Buchdrucker zur Verfugung steht. Wie viel neue Gedanken bergen schon die einfachen Zierlinien und Ornamentbander, 320

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1912 | | page 42