ARCHIV FUR BUCHGEWERBE Buchgewerbliche Rundschau SchriftgieBerei Richard Wagner-Fraktur. Wahrend in dem letzten Jahrzehnt dem Buchdrucker vorwiegend ein fast zu reicher Zuwachs an kiinstlerisch auf der Hohe der Zeit stehenden Antiquaschriften geboten wurde, macht sich neuerdings auch das Bestreben der Gie- fiereien, die Frakturschriften durch Neuschopfungen wieder zu beleben, geltend. Als Neuheit wird von den Freunden einer guten Frakturtype die von der SchriftgieBerei Genzsch Heyse, Hamburg-Miinchen, zur Ausgabe gelangte Richard Wagner-Fraktur eine gute Aufnahme finden. Der Schnitt dieser Schrift ist mittelkraftig und offen, durch ihre groBen Gemeinen kann man sie als eine gut leserliche Werkschrift be- zeichnen. Erganzt wird dieselbe durch eine halbfette Garnitur als Auszeichnungsschrift fur die Grade von Nonpareille bis Cicero. Von derselben Firma liegt noch eine zweite Fraktur vor, welche die Be- zeichnung Leibniz-Fraktur fiihrt, die den eigen- artigen CharakterderFrakturtype des 18.Jahrhunderts tragt. Sie nahert sich im Duktus der von dem 1794 verstorbenen bekannten Leipziger Buchdrucker Im- manuel Breitkopf geschaffenen und nach ihm be- nannten Breitkopf-Fraktur. Die Leibniz-Fraktur, wie sie uns in einem sauber gedruckten Probeheft vor- liegt, zeigt im Gegensatz zur erwahnten Breitkopf- Fraktur strenger und gleichmafiiger durchgefiihrte Formen. Die Gemeinen sind wesentlich groBer und enger in ihrerZeichnung und wir finden wie bei dieser auch hier die charakteristische Form der Umlaute mit dem dariibergestellten e wieder. In den Graden von Doppelmittel an aufwarts sind verschiedene Ver- salien merkwfirdigerweise kleiner als die Oberlangen der Gemeinen, was recht storend bei Worten wirkt, wo unmittelbar auf einen solchen Versalbuchstaben eine Obe,flange folgt, wie dies bei Sdj der Fall ist. Bei der guten Gesamtwirkung der Schrift kann wohl erwartet werden, dafl dieselbe besonders in Werk- druckereien leicht Eingang finden wird, um so eher, als zurzeit antike Fraktur- sowohl wie antike Schwab- acherschriften speziell fur Werkdruck gern Verwen- dung finden. Helga-Antiqua und Schmuck nach Zeichnungen von Professor F. W. Kleukens, Darmstadt. Schrift gieBerei D. Stempel, A.-G., Frankfurt a. M. Die neue Kleukens-Schrift sieht in mancher Beziehung der Ingeborg-Antiqua ahnlich, die ebenfalls Stempel nach den Entwfirfen von Kleukens geschnitten hat. Die Auslaufe mancher Buchstaben wie z. B. des G oder S sind inderselben charakteristischenWeise durch dicke Anschwellungen markiert, ebenso ist natfirlich auch sonst im Grundcharakter der zumMonumentalen nei- gende Stil des Kiinstlers und seine herbe Kraft nicht zu verkennen. Doch ist die Helga-Antiqua unper- sonlicher als die friiheren Schriften, vor allem die Versalien sind beinahe konventionell, im iibrigen aber verhaltnismaflig schlank,was vor allem in den kleineren Graden beim Versalsatz hervortritt. Wie gar nicht anders zu erwarten, ist eine mit der Helga-Antiqua gesetzte Seite klar und leserlich. Der Schmuck, der mit der Schrift geschnitten worden ist, ist un verhaltnis maBig reich. Vor allem dieZierinitialen, die die Grund- formen der Antiqua festhalten, sind mit kleinen etwas spielerischen Schmuckelementen, Kranzchen, Blu- men, Palmetten reich besetzt, auch die Vignetten zeigen die von Kleukens bevorzugtenOrnamentformen in einer ungewohnlich detaillierenden Ausfiihrung. Zur Jahrhundertfeier der Freiheitskriege hat die SchriftgieBerei Gebr. Klingspor in Offenbach a. M. Bildnisse von bekannten Mannern der Zeit heraus- gegeben, die in der Hauptsache von dem bekannten Portratkfinstler Karl Bauer in Miinchen entworfen sind. Wir sehen hier die Portrats der Konigin Luise, von Scharnhorst, E. M. Arndt und dergleichen in ver- schiedenen Graden, ganz gut und lebendig gemacht, aber vielleichtnur etwas zudetailliertdurchgezeichnet. Aberimganzen stehen sie weit fiber demDurchschnitt dergleichen historischer Portrats, die zur Aus- schmfickung popularer Werke verwandt werden, und sind daher ffir solche Aufgaben, an denen im heurigen Jubilaumsjahr kein Mangel sein wird, durchaus zu empfehlen. Die Aktiengesellschaft fur Schriftgiefierei und Ma- schinenbau in Offenbach a. M. bietet ihren Geschiifts- freunden einen neuen Schmuck, Serie 107 an. Das aus nur 18Figuren bestehende Sortiment ermoglicht die Bildung der verschiedensten Zierformen, wie Leisten, Rahmen, Schilder und dergleichen. Auch zu Ffillungen kann das in seinen Formen auf Renais sance-Motive zurfickgehende, in seinen Elementen aber durchaus moderne Material, gute Verwendung finden. Setzmaschinenwesen Ein neues SatzschifF fur die Monotype-GieB- maschine wird neuerdings seitens der Monotype- fabrik in den Handel gebracht. Das Hantieren des Satzes war auf dem alten Monotypesatzschiffen un- bequem, weil der Satz mit der Signatur nach unten von der Maschine auf das Schiff geschoben wurde. DieseUnbequemlichkeit beseitigt das neueMonotype- satzschiff auf einfache und praktische Weise. GroBe und Form des Schiffes ist dieselbe geblieben; aber die Stirnwand an der Schmalseite des Schiffes ist aus- wechselbar gemacht worden. Sie kann mit einem Handgriffe von der einen Schmalseite des Schiffes abgenommen und auf der andern Schmalseite einge- setzt werden. Die Befestigung der Stirnwand mit Nute und Zapfen ist trotz ihrer Einfachheit vollig sicher. 230

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1913 | | page 34