ARCHIV FUR BUCHGEWERBE ja einen weiten, einige auch einen unbeschrankten Verwendungskreis;aber eskann eineSchriftauch sehr gut und doch nur innerhalb gewisser Grenzen brauch- bar sein. Fiir diese Grenzen sollten die SchriftgieBe- reien in ihren Proben ein feineres Gefiihl beweisen. Wenn wir nun auf die Neuheiten selbst eingehen, so flnden wir in den vorliegenden Heften manche gute Bekannte aus fruheren Jahren, die aber in- zwischen erst in alien Graden vollstandig geworden oder die durch Auszeichnungsschriften und Schmuck erganzt sind. So hat die Salzmann-Antiqua von J.G.Schelter&Giesecke fur dieBrotschriftgrade eine Kursiv und eine Halb- fette erhalten und es sind ihr noch schwung- volle Initialen und SchluBziige sowie mehrere originelle Vignetten beigegeben, so daB nun ein einheit- lichesMaterialvon ein- dringlicherWirkung vor- liegt. DievonKleukens fiir die SchriftgieBerei D. Stempel A.-G. ge- zeichnete Helga-Anti- qua erhielt wundernette Initialen undSchmuck- stucke; die beigegebe- nenReiheneinfassungen sind etwas zu schwer geraten,wasbesonders den zarten kleineren Schriftgraden gegen- iiberauffallt.ZurFeder- zug-Antiqua von Benj. Krebs Nachfolger ist eine Halbfette in alien Graden von Nonpareille bis vier Cicero geschnitten und drei Grade Initialen bilden den Schmuck der vorzuglichen Schrift. Die Aktiengesellschaft fiir SchriftgieBerei undMaschinen- bau hat ihre Offenbacher Reform-Latein, die zuerst nur mager und fett vorlag, durch eine schmale halb fette Garnitur erganzt und die Schrift so noch in ihrer Verwendbarkeit verbessert. Die von Otto Hupp fiir die SchriftgieBerei Gebr. Klingspor gezeichnete Fraktur und Antiqua, die zu den besten neueren Erzeugnissen gehoren, haben je eineFette alsErganzung erhalten. Diese beiden neuen Hupp-Schriften zeigen wieder dieselbe urwiichsige Wirkung, die wir an alien Huppschen Schopfungen gewohnt sind. Obwohl die Weifi-Fraktur der Bauerschen Gieflerei schon seit einigen Jahren aus Vorproben und durch die „Tempel- Ausgaben" bekannt ist, wird die jetzt Abbildung 2. Hohlsteg-KomplettgieHmaschine aus derMaschinenfabrik der SchriftgieBerei D. Stempel A.-G., Frankfurt vollendete Hauptprobe im Querquartformat doch eine angenehme Uberraschung fiir die Fachwelt sein. Wir finden in dem 60 Seiten starken Buche nicht nur die prachtige Schrift vollstandig und ubersichtlich vor- gefuhrt, sondern auch Initialen und Schmuckmaterial vonganzungewohnlichsorgfaltiger kunstlerischerund technischerAusfiihrung.SchriftundSchmucksind „aus einemGuB" undwirklichtypographisch. Magder„Stil" in den Anwendungsbeispielen etwas altvaterisch an- muten: mit diesem Material sind dem Buchdrucker unbegrenzte Moglichkeiten geboten und man wird auch „modern" damit arbeiten konnen. Ein weiterer alter Be- kannter, die Kleukens- Antiqua der Bauer schen Gieflerei, tritt uns in neuer Gestalt entgegen. Die Schrift ist in alien Graden von Nonpareille bis vier Cicero magergeschnit- ten und ihre schonen Formen treten jetzt be- sonders klar hervor. Drei neue Antiqua- schriften liegen in statt- lichen Heften vor. Die Latein nach Zeichnung vonJ.V.Cissarzausder SchriftgieBerei Ludwig Mayer, mit Initialen und Schmuck ausge- stattet, ist ein Erzeug- nis von ausgepragter kiinstlerischerEigenart und lebhaftem, eigent- lich etwas fremdartigem Ausdruck. Die Casar- Antiqua der Schrift gieBerei C. F. Riihl zeigt dagegen derbe ernste Formen in klarem ruhigen Schnitt, der fast monumental wirkt. Die Holzl - Mediaval der SchriftgieBerei D. Stempel A.-G. mit Kursiv, Halbfetter und Initialen, geht mehr auf das Zierliche und Elegante hinaus. Die unter dem Namen Koch-Schriften allgemein bekannten „Deutschen Schriften" nach Zeichnungen von Rudolf Koch aus der SchriftgieBerei Gebr. Kling spor haben einen Zuwachs in einer schmalen deut- schen Schrift erhalten. Die spitzen deutschen Schrift- formen eignen sich ohne Zweifel besser als die runden lateinischen dazu, auf engem Raum ein groBes und deutliches Schriftbild zu erreichen. Die jetzt in einem guten Anwendungshefte vorliegende schmale Koch- Schrift hat diese Aufgabe in vollendeter Weise ge- lost; sie ist dabei keine mechanische Umzeichnung der friiher erschienenen halbfetten und fetten Koch- 279 36*

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1913 | | page 13