ARCHIV FUR BUCHGEWERBE Schriften, sondern eine urspriingliche Schopfung mit manchen reizvollen neuen Einzelheiten. Zu letzteren gehoren vor allem die Initialen und „Schwungbuch- staben"; erstere geben in Titelzeilen dem Wortbilde einen lebhaften Anfang, letztere eine schwungvolle Unterbrechung im Worte selbst und am Ende der Zeile. So entstehen Zeilen von eindringlicher Wirkung, die aussehen, als ob sie von Kiinstlerhand fur den ge- gebenen Zweck besonders entworfen waren. Eine Schrift wie die vorliegende ist natiirlich auch auf die Wechselwirkung mit ahnlichen Charakteren ange- wiesen. Diese sind in den ubrigen Koch-Schriften, den halbfetten, fetten und schragen deutschen Schrif ten, vorhanden; fur langeren laufenden Text bewahrt sich in den Anwendungsbeispielen besonders die halbfette als eine vorziigliche Leseschrift. Brotschriften nach guter alter Art sind die Reform- Antiqua mit Kursiv und Halbfetter aus der Schrift gieCerei Heinr. Hoffmeister, eine reine Schrift nach Art der englischen Antiqua; dieser ahnlich, aber in den Schraffierungen zarter ist die Buxenstein-Antiqua von D. Stempel A.-G., der eine Buxenstein-Fraktur gegeniibersteht, die den gangbaren Ausdruck der Zeitungsfraktur in offenem, klarem Bilde zeigt. In einer Stempel-Frakturdie Heinrich Hoffmeister fur die SchriftgieCerei D. Stempel A.-G.zeichnete, ist der Frakturcharakter nach alteren Vorbildern aufgefrischt und so zu einer vornehmen Schrift durchgearbeitet. Zwei deutsche Kiinstlerschriften legt die Schriftgie Cerei J. G. Schelter Giesecke in vorlaufigen Proben vor: die Belwe-Gotisch, eine Art Halbgotisch in aus- gepragtem Federduktus, und eine Schneidler-Schwab- acher, die auf die altesten Formen der Schwabacher zuruckgeht und so zu markig deutschen Schriftformen gelangt. Als dritte im Bunde erscheint die Lautenbach- Gotisch von Ludwig Mayer, eine breite magereRund- gotisch mit ungewohnlich langen Oberlangen; durch eine zweite Sorte vonVersalien werden mit der Schrift noch neue Wirkungen erzielt. Ein im vorigen JahrebegonnenesgroCzugigesUnter- nehmen hat die SchriftgieCerei Flinsch in diesem Jahre vollendet: die Serie der Bernhard-Schriften. Derzu- erst geschaffenen normalen und halbfetten Antiqua sind jetzt zwei diesen angepaCte Kursivschriften, eine Garnitur fetter Initialen und mehrere Serien von Or- namenten gefolgt. Als Fortsetzung der halbfetten An tiqua sind sechs Grade (8 bis 24Cicero) einer Bernhard- Plakat-Antiqua von besonders packender Wirkung geschaffen. So entstand bereits ein typographisches Reklamematerial von vollkommener Einheitlichkeit, mitdemderBuchdruckerbeiverstandigerVerwendung groCe Erfolge erzielen kann. Kunstler und GieCerei lieCen nun auch noch eine Bernhard-Fraktur ioigen,die alle dieVorzuge ihrer Antiquaschriften aufweist. Die Fraktur erschien auch gleich in drei vollstandigen Garnituren: mager, fett, schmalfett, und da die Bern- hard-Ornamente auch zur Fraktur passen, so ist fur die aus der Fraktur gesetzten Arbeiten der passende Schmuck gleich mit vorhanden. Der im vorigen Jahre erschienenenMappe mit Anwendungsmustern der An tiqua sind drei weitere Mappen mit solchen der Kursiv, der Initialen und der Fraktur gefolgt. Die Mappen enthalten wieder Proben eines feinen Geschmacks fur gute Formen und Farben, sie werden selbst dem- jenigen Buchdrucker manche Anregung geben, den sie vielleicht mit einigen allzu effektvollen Einzel heiten zum Widerspruch reizen. Von der Glafi-Antiqua der SchriftgieCerei Genzsch &HeyseA.-G.ist jetzt ein reich undgutausgestattetes Anwendungsheft der mageren Garnitur erschienen. In einigen Beispielen ist eine schraffierte und eine breite halbfette Auszeichnungsschrift vorgefuhrt; fer- ner enthalt das Heft zwei Sorten Initialen, zahlreiche Reiheneinfassungen und Vignetten. So ist ein um- fassendesMaterial zusammengetragen,das einekiinst- lerisch ausdrucksvolle einheitliche Ausstattung von Drucksachen der verschiedensten Art ermoglicht. Die von Martin Jacoby-Boy fur die SchriftgieCerei D. Stempel A.-G. gezeichnete Schriftserie Bravour liegt jetzt in fiinf Garnituren: mager, halbfett, fett, schraffiert und schattiert vollendet vor; auch ange- messener Schmuck ist vorhanden. In einem sehr sorgfaltig ausgestatteten ansehnlichen Probeheft sind zahllose Verwendungs-Moglichkeiten vorgefuhrt, die zeigen, daC dies Material fur jede Reklamedrucksache geeignet ist. DieFirmaH.Berthold A.-G.hat ihre weitverbreitete Reklameschrift Block noch als Halbfette Block und weiter mit magerem Bilde als BerlinerGroteskschneiden lassen. So ist die Moglichkeit geboten, die sehr guten Formen der „Block" in angemessener Abstufung auch dort zu benutzen, wo die urspriingliche Form zu derb wirken wiirde. Zu den guten modernen Reklameschriften gehoren die nach Entwiirfen des Berliner Reklamekiinstlers Gipkens von der Bauerschen GieCerei geschnittene Femina mit Ornamenten in Grau-Schwarz, die sich auch fur elegante Privatdrucksachen vorzuglich eignet; ferner die von Benj. Krebs Nachfolger herausgege- bene Schrift Epoche, eine breite Antiqua, mager und halbfett mit fliissigen Formen, und Gronaus Trick aus Wilhelm Gronaus SchriftgieCerei, der einige Reihen einfassungen als „Trick-Ornamenteu beigegeben sind. Auch die Reklame - Fraktur von Ludwig Mayer, die mager und halbfett vorhanden ist, muC hier ge- nannt werden. Zu dieser Fraktur hat C. Moos in Munchen eine Serie anmutiger Vignetten gezeichnet. Die SchriftgieCerei Gottfried Bottger, welche im vorigen Jahre eine der schonsten modern-gotischen Schriften, die Liebing-Type, herausbrachte, hat jetzt einige praktische Akzidenz- und Auszeichnungs schriften vollendet: einen fetten Schnitt zu ihrer 280

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1913 | | page 14