ARCHIV FUR BUCHGEWERBE Motive, deren zeichnerische Ausfuhrung sehr gut zu den Bernhard-Schriftserien paBt, welche die GieBerei herausgegeben hat. Die Probe von Julius Klinkhardt enthalt ebenfalls Kaiser- und Heerfiihrerbilder, ver- schiedenartigen Flaggenschmuck und eine Reihe hiib- scher Einfassungen, die sich fur vaterlandische Druck- sachen gut verwenden lassen. In einem stattlichen, umfangreichen Heft zeigen Schelter Giesecke neue Bilder unsers Kaiserpaares sowie das des Kaisers Franz Joseph von Osterreich. Die Zeichnungen hier- fiir schuf der Maler W. Miinch-Khe, Leipzig, wahrend die ebenfalls in der Probe enthaltenen meisterhaft ent- worfenen Bilder des Alt-Reichskanzlers, des preuBi- schen und bayrischen Kronprinz'en sowie derGeneral- feldmarschalle von Hindenburg und von Mackensen von dem bekannten Graphiker Fritz Bersch stammen. Sehr wirkungsvolle Motive zeigen die Vignetten, die in reicher Auswahl in dem Heft enthalten sind. Ferner finden sich Eiserne Kreuze in den verschiedenartigsten Ausfiihrungen,Kaiserkronenusw. und schlieBlichgut stilisierte EinfassungenEiche und Lorbeer, Dampfer- vignetten und flott gezeichnete Flaggen Deutschlands und Osterreichs. Das Heft der Firma D. Stempel ist drucktechnisch besonders sorgfaltig ausgestattet, die darin gezeigten Fiirstenbilder stammen von dem Kunstmaler Fritz Quidenus in Miinchen, ferner wer- den Vignetten und geschmackvolle Einfassungen an- geboten. Die Texte der Stempelschen Probe sind hauptsachlich in der neuen Buhe-Fraktur, die nach Zeichnungen von Walter Buhe in Berlin geschnitten wurde, hergestellt, wahrend die Begleitkarte, welche der Probe beigegeben war, aus einer neuen Schwab- acher gesetzt wurde, die Professor F. H. Ehmcke fiir die Firma Stempel entworfen hat. Auf die Buhe- Fraktur sowohl, als auch die Ehmcke-Schwabacher werden wir noch des naheren zuriickkommen, wenn die Probe der Schriften uns zugegangen ist. Tages-Antiqua. Eine neue Antiqua fur alle Druck- sachen, Originalschnitt der SchriftgieBerei Flinsch Frankfurt a. M. Eine ungemein klare Antiqua mit kraf- tigem Einschlag in den Mediavalcharakter ist hier ge- schaffen worden, deutlich lesbar vom kleinsten Grade (Nonpareille) und von vornehmer ruhiger Wirkung bis zum groflten (sechs Cicero). Die Vereinigung mit dem Mediavalcharakter ist geschickt und zielbewuBt vor- genommen worden: so wurden z.B. die charakteristi- schen steilschragen Schraffierungen der Mediaval mehr horizontal gestellt, wodurch eine groBere Ruhe in der Gesamtwirkung der neuen Schrift erreicht wor den ist. Undeutliche Buchstaben der Mediaval wurden durch klare Antiquatypen ersetzt, die iiberhangenden f und f sind vermieden worden, kurzum, man erkennt iiberall, daB die Tages-Antiqua ein sorgfaltig durch- gearbeitetes und damit ganz selbstandiges Erzeugnis ist, das eine wertvolle und praktische Bereicherung unsers Schriftenmarktes darstellt. Die neue Antiqua wurde auch zu einer Schriftenfamilie ausgebaut, denn es sind folgende Schnitte vertreten: Mager, Kursiv, Halbfett, Fett und Schmalfett, also die Schnitte, die zu einer Garnitur gehoren miissen, welche fiir alle Druckarbeiten Verwendung finden soli. Dafi die Tages-Antiqua tatsachlich fiir alle vor- kommenden Druckarbeiten verwendet werden kann, beweisen die Muster, welche die GieBerei versendet. Man erhalt nicht nur die iiblichen Probenbiicher, in denen neben der Gradeiibersicht noch verschiedene Anwendungsbeispiele gezeigt werden, sondern noch eine Mappe, in der eine stattliche Anzahl verschie- denster Drucksachen enthalten ist. Mit vielem Fleifl und mit groBter Sorgfalt ist jede einzelne Arbeit be- handelt worden: es sind Muster in satz- wie druck- technischer Beziehung im besten Sinne des Wortes. Diese Druckarbeiten geben dem Fachmann nicht nur reiche Anregung, sondern wirken auch erzieherisch auf den Besteller, und fiir diese besondere Aufwen- dung gebiihrt der Schriftgieflerei voile Anerkennung. Zu wiinschen ware es, wenn den Setzern und Druckern diese Muster auch wirklich in die Hand gegeben und daB sie nicht nur im Kontor aufbewahrt werden. Erst dann konnen sie ihren Zweck ganz erfiillen, und dann wird auch die miihevolle, kostspielige Aufwen- dung der SchriftgieBerei in jeder Beziehung wohl- verdienten Lohn bringen. Liebing-Fraktur der SchriftgieBerei Gottfried Bottger, Paunsdorf. Dem Bestreben vieler deutscher GieBereien,gutedeutlicheFrakturschnittezuschaffen, ist auch die Bottgersche GieBerei gefolgt. Sie beauf- tragte Kurt Liebing, der in langjahrigem, erfolgreichem Studium an der Leipziger Akademie den Grund zu seinem Konnen legte, mit dem Entwurf der Schrift. Liebing hat selbst zeitweilig in der Buchdruckerpraxis gestanden, er kennt also die praktischen Erfordernisse einer Schrift aus Erfahrung, und was er fiir die Bottger sche GieBerei geschaffen hat, ist eine klare, gut les- bare Schrift mit originellen Versalienformen, in denen der Schwabachercharakter vorherrscht. Die Schrift liegt vor in den Graden vonNonpareille bis vier Cicero ein abschlieflendes Urteil wird sich erst fallen lassen, wenn die halbfette und fette Garnitur sowie der an- gekiindigte Schmuck erschienen sind. In dem recht gut ausgestatteten Musterheft findet sich hierzu folgende zeitgemaBe Bemerkung: „Infolge der Krieges kann ich der geehrten Fachwelt die Schrift nur in gewohn- licher Garnitur vorlegen. Die halbfette Garnitur ist in Arbeit und erscheint in allernachster Zeit. Der erganzende Schmuck mit Vignetten erscheint spater." 266

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1915 | | page 62